Kleine Fluchten: "Mein Inselhotel"

Ferienglück auf Amrum

Das kleine, familiäre "Inselhotel" ist ein Ort, an den man gern zurückkehrt.

Als Kerstin Jöns nach Amrum kam, wollte sie eigentlich nur drei Monate lang bleiben - für einen Sommerjob in der Gastronomie. Viele Jahre später ist sie noch immer hier. Dies liegt auch an Gunnar Jöns, dem sie 1993 über den Weg lief. Gemeinsam mit dem gebürtigen Amrumer hat sie das ehemalige Hotel "Graf Luckner", das Gunnar Jöns von seinen Eltern übernommen hatte, komplett umgestaltet und in neuem Glanz als "Mein Inselhotel" wiedereröffnet. "Unsere Wunschvorstellung war, das Hotel sehr individuell zu gestalten", sagt die Hausherrin.

Das ist gelungen. Schon der Weg durch das helle Treppenhaus ist einladend. Bis in Handlaufhöhe sind die Wände grasgrün gestrichen, darüber strahlt alles weiß. Alle 15 Zimmer sind farblich unterschiedlich gestaltet. "Wir wollten in den Zimmern die einzelnen Charaktere der Insel widerspiegeln", erklärt Kerstin Jöns. Und so heißen sie nicht nur "strandrosenRot", "meeresBlau" oder "kniepSand", sondern verbreiten auch eine solche Stimmung. In den modernen Bädern wird die jeweilige Farbe bei den Fliesen wieder aufgegriffen.

Gerade die kleinen liebevollen Details sind es, die den Aufenthalt bei Familie Jöns so angenehm machen. Obwohl das Hotel in einer kleinen Seitenstraße mitten in Norddorf liegt und man fußläufig eine Reihe von Gaststätten erreichen kann, buchen viele Gäste Halbpension. Gunnar Jöns ist ausgebildeter Koch und verwöhnt abends kulinarisch die Hotelgäste. Zu "Graf Luckner"-Zeiten hatte das Haus ein öffentliches Restaurant. "Aber für unsere Hausgäste ist es jetzt viel ruhiger, sie haben ihren Tisch den ganzen Abend", sagt der Hausherr. Auf einem goldenen Spiegel steht das Drei-Gänge-Menü für den Abend. Vorspeise und Dessert sind festgelegt, beim Hauptgang kann man zwischen Fleisch und Fisch wählen.

Entsprechend kauft der Küchenchef dann ein. Er versuche, möglichst regionale Produkte aus Schleswig-Holstein zu verarbeiten, betont Jöns. Und so gibt es viel Lamm und Gemüse der Saison. Noch hat das Restaurant einen rustikalen Charme, aber auch hier will Kerstin Jöns behutsam Veränderungen vornehmen.

Gegessen wird früh. "Die Gäste sind den ganzen Tag draußen unterwegs", sagt die Hausherrin, "die haben dann abends richtig Hunger." Das kann man nur bestätigen. Die frische Nordseeluft macht hungrig und müde. Deshalb sitzen auch viele Frühaufsteher beim Frühstücksbüfett, denn alle haben gut geschlafen, und es drängt sie wieder an den Kniepsand oder aufs Fahrrad oder in den Garten vor dem Hotel, in dem Strandkörbe und eine schöne Holzterrasse ausreichend Platz bieten. Wenn es regnet, dann lockt die Sauna (finnisch oder mit Dampf). Und wer rechtzeitig bucht, kann sich bei einer ayurvedischen Massage entspannen.

Kerstin und Gunnar Jöns, die mit ihren drei Kindern auch im Haus leben, haben ihre Vorstellung von Gastlichkeit so formuliert: "So wie man selbst aufgenommen werden möchte, wenn man irgendwo hinkommt", so willkommen solle sich der Gast fühlen. Wer wieder abreist, nimmt genau dieses Gefühl mit.