Satire-Tipp

Robert Griess lässt es in Lustspielhaus satirisch knallen

Griess (51) regt sich gern auf, das meist komisch-hintergründig

Griess (51) regt sich gern auf, das meist komisch-hintergründig

Foto: Jochen Manz

Der Rheinländer als solcher, insbesondere der Kölner, gilt gemeinhin als Frohnatur. Ob nun im Alltag oder in der „fünften Jahreszeit“, dem Karneval. Das hat sich auch die deutsche Comedy-Wirtschaft zunutze gemacht: Aufgrund der vielen Fernsehproduktionen – von „RTL Samstag Nacht“ Mitte der 90er-Jahre bis aktuell zur „ZDF heute show“ – hat sich Köln hierzulande zur komischen Metropole entwickelt; auch der Deutsche Comedy-Preis wird alljährlich am Rhein vergeben, dann sind die Rheinländer schon vor dem 11.11. „janz jeck“.

Aus der Comedy-Hochburg Köln kommen indes auch Satiriker, die tiefer als bloß an der Humor-Oberfläche kratzen. Bestes Beispiel ist Robert Griess. Der Rheinländer, Jahrgang 1966, ist einer kompromisslosesten, aber auch komischsten Kabarettisten der Babyboomer-Generation. Einst zählten Legenden wie Hanns Dieter Hüsch, Mathias Beltz, Georg Schramm oder der junge Harald Schmidt zu seinen Vorbildern, dann schrieb Griess Nummern für Kollegen wie Dieter Hallervorden oder Simone Solga.

Längst ist Griess, der seit mehr als zehn Jahren auch als Solokünstler auftritt und seit 2010 das Kölner „Streithähne“-Festival für politisches Kabarett leitet, in Hamburg kein Unbekannter mehr. Der Kabarettist, Autor und Vagabund gab hier auf dem Theaterschiff seine „Revolte – Eine Anleitung für die Mittelschicht“. Und im Programm „Ich glaub, es hackt“ wunderte sich der Kölner, weshalb Manager Bonus-Zahlungen bekommen, nicht aber Krankenschwestern. „Und warum ist das Haus Europa eine Eigentümergemeinschaft und keine WG?“, fragte Griess und rechnete so mit der Weltherrschaft der Betriebswirte ab – im Polittbüro und im Lustspielhaus.

Im Kabarett-Theater in Eppendorf hat Griess an diesem Dienstag auch Premiere mit seinem Programm „Hauptsache, es knallt“. Dieser Satz, meint er, sei jetzt Motto in Politik, Wirtschaft und Medien, von Putin, über Trump bis Seehofer, von Syrien über Sachsen bis zur Stammkneipe. Oft tritt Griess auf der Bühne als freundlicher Durchschnittsbürger auf, um dann mit überraschenden Volten die Bigotterie in der Politik zu entlarven. Dass zu seinem Mix aus Stand-up-Kabarett und Typen-Parodie auch gewöhnungsbedürftige Figuren wie „Herr Stapper auf Hartz IV“ zählen, kennzeichnet seinen Humor. Bei „Hauptsache, es knallt“ treten neue Charaktere hinzu.

Griess selbst wird nach seinem heutigen Gastspiel spätestens im Januar wieder in Hamburg auftauchen – als Teil der Schlachtplatte. Das gleichnamige, vom Kölner Kabarettisten gegründete Ensemble liefert mit ihm als Stammspieler seit 2008 regelmäßig und bundesweit eine „Jahresendabrechnung“. Am 12. und 13.1. gehören für jenen Rückblick auf 2018 im Lustspielhaus die Schweizerin Lisa Catena, der Berliner Nils Heinrich und der Hamburger Sebastian Schnoy zum Quartett. Mit Griess und Co. will das Theater die Lücke schließen, die der dann nicht mehr spottende Satire-Altmeister Henning Venske (79) hinterlässt. Und Griess kann erneut zeigen, dass Rheinländer sogar gruppenkompatibel sind.

„Hauptsache, es knallt“ HH-Premiere Di 11.9., 20 Uhr
„Die Jahresendabrechnung“ Sa 12.1., 20 Uhr und So 13.1., 19 Uhr, Lustspielhaus, Ludolfstraße 53, Karten zu 14 (ermäßigt) bis 31 Euro unter T. 55 56 55 56

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