Kino-Tipp

Bestechendes Charisma: Idris Elba in "Der Dunkle Turm"

Idris Elba als Revolver-Ritter Roland in „Der Dunkle Turm

Foto: Sony Pictures

Idris Elba als Revolver-Ritter Roland in „Der Dunkle Turm

Im Zentrum des Universums steht ein Turm", verkündet eine bedeutungsschwere, männliche Stimme gleich zu Beginn des Films. Und : "Nur der Geist eines Kindes könnte ihn zu Fall bringen." Schon erscheinen Kinder im Bild, wie man sie gern sieht: unbeschwert spielend, irgendwo auf dem Land auf einer grünen Wiese. Doch prompt betreten apathisch vor sich hinstarrende Erwachsene die Szene, schnappen sich ein paar Jungs und Mädchen, zwingen sie in ein dunkles Laboratorium, setzen ihnen Kabel an die Köpfe, und los geht's: Aus den Hirnen der Minderjährigen strömen helle Blitze. Sie vereinen sich zu einem einzigen Lichtstrahl, der durch die Decke, quer über das Firmament auf einen gigantischen Turm zurast, an dessen schwarzen Mauern er zerschellt.

Wem läge da nicht eine Hymne der Ton Steine Scherben aus dem Jahr 1981 auf der Zunge? In ihr spannte Sänger Rio Reiser weite Assoziationsbögen vom Goldenen Kalb über Nietzsche bis Old Shatterhand, um dann das Ende allen Seins im Refrain zu jubeln: "Halleluja, der Turm stürzt ein!" Stephen King hätte sicher seine Freude an diesem Lied. Denn auch der damals schon welt­berühmte Autor setzte zu Beginn der 80er-Jahre einen Turm in das Zentrum eines Werkes, das mittlerweile acht Romane umfasst. Es geht in "Der Dunkle Turm" um eine Art letzten Ritter, den Revolvermann Roland Deschain, der den Scharlachroten König daran hindern muss, die Welt zu zerstören.

Die Frage war nicht, ob diese Romane irgendwann verfilmt werden, sondern wann wer in welcher Form den Anfang machen könnte. Die Wahl fiel letztlich auf den vielseitigen dänischen Filmemacher Nikolaj Arcel. Er nahm sich die Freiheit heraus, die Saga vom dunklen Turm nicht chronologisch nachzuerzählen. Bei ihm dreht sich erst einmal alles um Jake Chambers (Tom Taylor). Der elfjährige Junge aus New York leidet unter dem Verlust seines Vaters, eines Feuerwehrmanns. In seinen Albträumen wird Jake von Visionen heimgesucht, in denen auch ein schwarz gewandeter Magier einen alten Revolvermann umbringt, der in den Armen seines Sohnes stirbt. Jake soll in die Psychiatrie, doch in letzter Sekunde entdeckt er ein Portal, das ihn umgehend in die "Mittel-Welt" bringt. Dort trifft er die Gestalten aus seinen Träumen: Roland (Idris Elba), den nunmehr von Rache getriebenen Sohn des ermordeten Revolvermanns und den "Mann in Schwarz", Vorname Walter (Matthew McConaughey), der im Hauptberuf jenes Verstrahlen von Kindern organisiert, das zu Beginn des Films zu sehen gewesen war. Jake dingt sich Roland als Gefährten an, und gemeinsam begeben sich die beiden auf die Reise, um den Turm im Zentrum des Universums vor dem Einsturz zu bewahren.

Das alles klingt nun nach einem konventionellen Fantasy-Abenteuer, das mit 94 Minuten Laufzeit auch nicht gerade epische Ausmaße erreicht. Wenn man jedoch in Betracht zieht, dass hier auch ein unbelesenes Publikum erst einmal in ein düsteres Multiversum eingeführt werden muss, dann bleibt anzuerkennen, dass Nikolaj Arcel einen soliden Job gemacht hat. Vor allem in Idris Elba hat er einen Roland gefunden, der auch die kommenden Teile des "Dunklen Turms" mit bestechendem Charisma prägen wird. Und mit einem unkonventionellen, fast statischen Schnitt verleiht Arcel seinen Actionszenen eine eigenartige Gravität. So entstehen immer wieder Momente wider die Sehgewohnheiten, in denen die Zeit wirklich aus den Fugen zu gehen scheint, als könne sich mitten im Kino tatsächlich ein Portal in eine andere Welt öffnen.

"Der Dunkle Turm" USA 2017, 94 Minuten, ab 12 Jahren, Regie: Nicolaj Arcel, Darsteller: Idris Elba, Matthew McConaughey, täglich im Cinemaxx Dammtor/Harburg/Wandsbek, Savoy (OF), UCI Mundsburg/Othmarschen Park/Wandsbek

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