Theater-Tipp

„Ein Sommernachtstraum“ zeigt das Paradox der Liebe

Sophia Vogel spielt in „Ein Sommernachtstraum“

Sophia Vogel spielt in „Ein Sommernachtstraum“

Foto: Sinje Hasheider

Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ ist so beliebt wie gefürchtet unter Regisseuren. Schließlich hat zu diesem Klassiker jeder eine Meinung. Clara Weyde schreckt das nicht, im Gegenteil. Die Regisseurin, Absolventin der Theaterakademie Hamburg, hat am Jungen Schauspielhaus bislang ganz unterschiedliche Texte umgesetzt. „Bei der Auswahl eines Stoffs suche ich nach einer Fragestellung in Bezug auf die Gesellschaft, die ich wirklich relevant finde. Dabei lege ich mich nicht auf ein Genre, einen Themenkreis oder eine Form fest. Dazu gibt mir Klaus Schumacher (Leiter des Jungen Schauspielhauses, Anm. d. Red.) die Möglichkeit.“

Dem klassischen Stoff über die vier jungen Liebenden, die erst mal alle an den Falschen geraten, einen frechen Puck und ein Strippen ziehendes Elfenkönigspaar nähert sie sich mit einer klaren Idee. „Wir bringen dieses Stück, in dem es im Original 22 Rollen zu besetzen gibt, mit vier Spielerinnen und Spielern auf die Bühne. Trotzdem haben wir kaum etwas gestrichen. Das ist eine starke Setzung.“

Weyde erzählt den Shakespeare-Stoff in mehreren Boxring-Runden

Alle Welten kommen vor, alle Figuren und alle Handlungsstränge der von Angela Schanelec unter Mitwirkung von Jürgen Gosch und Wolfgang Wiens geschaffenen Fassung. Die Bühne wird eine Mischung aus klassischer Wanderbühne und einem Boxring sein, in dem wie in sportlichen Runden die jeweilige Welt verhandelt wird. „Das gibt uns die Möglichkeit, mit Distanz auf das Phänomen Liebe zu gucken, sie sozusagen lustvoll zu filetieren.“ Denn um die Liebe in all ihren Facetten geht es natürlich. „Wir stellen die Frage, warum so viele Menschen an ihrer Suche nach der absolut gültigen Zweierbeziehung festhalten, obwohl dies in Anbetracht des Wesens der Liebe, das uns als flüchtig und oft verletzend bekannt ist, eigentlich paradox ist.“

Hermia soll Demetrius ehelichen, liebt aber den sie ebenfalls begehrenden Lysander. Helena wiederum liebt Demetrius, doch der ist in Hermia verschossen. Alles kulminiert in einer rauschhaften Nacht im Wald. Dabei entsteht eine hohe Spielenergie, die die Regisseurin nutzen will. Die von Katrin Plötzky geschaffene Traumwelt wird eher nüchtern aussehen und eher weniger von feenhaften Wesen und Schmetterlingen bevölkert sein.

„Wann beginnt der Traum im ,Sommernachtstraum‘ eigentlich und endet er überhaupt? Ist das gemeinsame Erleben von Fantasie ein flüchtiger, klar umgrenzter Ausflug oder hinterlässt es bleibende Spuren, die die Träumenden verändern?“, fragt Clara Weyde. Die 32 Jahre alte Regisseurin inszeniert gern, aber längst nicht ausschließlich für Kinder und Jugendliche. Kürzlich erntete sie für die freie Arbeit „Das Totenschiff“ von B. Traven im Lichthof-Theater den Rolf-Mares-Preis. „Ich glaube, dass junge Menschen bestimmten Fragen existenzieller, offener ausgesetzt sind“, sagt Clara Weyde. „Sie erleben Situationen zum ersten Mal, stehen zum ersten Mal vor großen Entscheidungen. Ich glaube, wenn man jung ist, erlebt man manches intensiver, man fühlt und handelt radikaler.“

Der beliebte Stoff ist für Jugendliche ab 13 Jahren in jedem Fall verständlich. Auch ohne großes Vorwissen hinsichtlich der mythologischen Hintergründe.

„Ein Sommernachtstraum“ Vorstellungen 23.1., 24.1., jew. 19 Uhr, 24.1. auch 10.30 Uhr, Junges Schauspielhaus, Gaußstraße 190, Karten zu 13,- unter T. 24 87 13; www.schauspielhaus.de