Klassik-Tipp

Spaß mit Brass und der Blaskapelle Blechschaden

Die Musiker von Blechschaden beherrschen auch die Tastatur des Humors

Die Musiker von Blechschaden beherrschen auch die Tastatur des Humors

Foto: Konzertdirektion Hamburg

Klassik und Entertainment müssen sich nicht ausschließen. Das hat im vergangen Jahrhundert schon der dänisch-amerikanische Pianist und Komödiant Victor Borge erkannt und praktiziert – er konnte übrigens auch Opern dirigieren. „Ein Lächeln ist die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen“, lautete sein Credo. In diesem Jahrhundert klärt der Niederländer Hans Liberg sein Publikum über Zusammenhänge zwischen Bach, Beethoven und Beatles auf – regelmäßig auch in der Laeiszhalle, in welcher der Pianist, Komponist und Comedian alljährlich mit schöner Regelmäßigkeit und humorvollen Anspielungen gastiert.

Aber ein Neujahrskonzert, das man nicht ganz ernst nehmen kann und sollte? Das ist nichts für Solisten, sondern auch in Hamburg ein Fall für Blechschaden. Seit Jahren schon gibt diese Combo am Brahms-Platz ihr „etwas anderes Neujahrskonzert“, seit Jahren spielt sie Anfang Januar in Hamburg, 2017 zwar erst am 7. Januar, dann aber zur Primetime. Frei nach ihrem Motto: „Spaß mit Brass“ gilt die mit einem Schlagzeuger verstärkte Truppe von elf Blechbläsern aus sechs Ländern längst als Fremdenlegion der Münchner Philharmoniker.

Die Herren Musiker verstehen nicht nur etwas von ihren Instrumenten, sondern auch Spaß. Allen voran Bob Ross. Das Ensemble steht und fällt mit seinem schottischen Chef. Der Zeremonienmeister führt die Profimusiker zu für einige noch immer ungeahnten Tönen. Vor einem Jahrzehnt noch ein Geheimtipp, gilt Blechschaden inzwischen als Pflicht für Musikkenner mit Humor oder eben Humorfreunde mit Freude an Musik. Denn das Orchester bietet viel mehr als bloße Musik-Comedy.

Das Konzept, Virtuosität und Humor zu verbinden, entstand übrigens per Zufall: 1989 hatte die Band aus Posaunisten, Trompetern, Tubisten und Hornisten für ein Konzert auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin nicht genug Programm. Bob Ross, mit knapp 1,60 Meter Körpergröße der personifizierte Schottenwitz, überbrückte die Pausen mit launigen Ansagen und Gags über Musiker. Ein ganz neues Erfolgsrezept war geboren. Der umtriebige Schotte Ross leitet Blechschaden zwar schon seit der Gründung der Combo 1984, sein Repertoire an neuen Ideen scheint aber bis heute schier unerschöpflich zu sein.

Klassik oder Jazz, Elitäres, Populäres, Renaissance, Rock oder Rap – kaum eine Stilrichtung, welche die „Men in Blech“ seitdem nicht schon durch ihre Hörner gejagt hätten: Sie spielten Strauss’ „Also sprach Zarathustra“, Wagners Walkürenritt, feurige Salsa oder Verdis Triumphmarsch auch mal auf sechs Gartenschläuchen, gekrönt von „We Are The Champions“. Kein Stück ist vor ihrem Humor sicher, bei Blechschaden verschmelzen Kalauer und Klamauk, Witz und Virtuosität zu Entertainment. 1999 und 2002 erhielt das Ensemble für seine CDs „Brassomania“ und „Blechschaden in Blech“ gleich zweimal den Schallplattenpreis Echo-Klassik, 2009 zudem den Bayerischen Kulturpreis.

„Blechschaden, das ist eine Mischung aus Last Night of the Proms und Wiener Neujahrskonzert“, beschrieb ein Kritiker das Geheimnis der Erfolgsbläser. Es ist auch die Gabe wahrer Künstler, eine Sache leicht zu nehmen, weil sie diese ernst nehmen. Ross, der Boss, hat seine Position mal so skizziert: „Weil ich die Noten gekauft habe, durfte ich auch dirigieren.“

Blechschaden: „Das etwas andere ­Neujahrskonzert“ Sa 7.1., 20 Uhr, Laeiszhalle , Johannes-Brahms-Platz, Karten zu 50,70 bis 67,20 (zzgl. Gebühren) in der ­Abendblatt-Geschäftstelle, Großer Burstah 18–32, HA-Ticket-Hotline T. 30 30 98 98