Gastro-Tipp

Im Fat Lenny’s trifft „Howdy“ auf ein fröhliches „Moin“

Malte Pielandt und Sönke Johannsen vom Fat Lenny´s beim Bier

Malte Pielandt und Sönke Johannsen vom Fat Lenny´s beim Bier

Foto: Marcelo Hernandez

Ein neuer Laden, der „BBQ-Kultur gepaart mit Elbcharme“ verspricht, macht erst einmal neugierig. Wie lassen sich Küche und Lebensgefühl der US-Südstaaten nach Hamburg verfrachten? Die Betreiber von Fat Lenny’s direkt gegenüber der Fabrik in Altona haben diese anspruchsvolle Aufgabe im doppelten Sinne geschmackvoll gelöst. Die Location, zuvor Heimat der New Essbar, haben sie von ihrer doch recht dunklen Atmosphäre befreit.

Viel helles Holz sorgt für ein uriges wie freundliches Ambiente. Im Eingangsbereich empfängt den Besucher der Tresen, in dem – im Kantinenstil in Heizschalen – die Speisen dampfen. Im hinteren Bereich wiederum bietet eine Bar eine feine Auswahl an Craft-Bieren – zehn Sorten aus dem Zapfhahn und 28 aus der Flasche. Der Blick fällt auf einen 100 Jahre alten Lastkahnbug, der zum DJ-Pult umgebaut wurde, sowie auf eine aus Containerteilen bestehende Bühne, auf der immer mal wieder Konzerte stattfinden. Die Polka-Popper von Ticos Orchester haben dort bereits aufgespielt, ebenso die Retro-Rocker Dusty Dave And The Heart Attacks. Ein beherztes „Howdy“ trifft also durchaus auf ein nordisches „Moin“ an der Bahrenfelder Straße 221.

Doch nun zum Essen. Diskussionen im Internet zwischen den Extrempositionen „Fleisch zu trocken“ und „Bester Mittagstisch in Ottensen“ (ab 4,20 Euro wohl gemerkt) ließen uns äußerst gespannt sein, was denn da nun auf die Teller kommt. Zunächst stellten wir aber erst einmal fest: Auf die Teller kommt schon mal gar nichts. Denn im Fat Lenny’s wird die Ware in der Regel im Imbissstil in Pappschalen auf Tabletts serviert. Der Weg zum individuell zusammengestellten Menü funktioniert wie folgt: Am besten direkt an den Speisetresen gehen und sich mit allen Sinnen inspirieren lassen. Das Personal informiert im lässig-sympathischen Schnack über Herkunft und Zubereitung der Gerichte. So lässt sich etwa lernen, dass Süsländer Schwein, Black Angus Weiderind und Kokländer Huhn verarbeitet wird – alles artgerecht und nachhaltig aufgezogen.

Um möglichst viel probieren zu können, entschließen wir uns, zu zweit eine „Kombo L“ mit drei Hauptlagen und einer Beilage sowie Cole Slaw und Brot zu teilen (15,50 Euro). Für den kleineren Hunger gibt es die „Kombo S“ mit einer Hauptlage (9,90 Euro) sowie die „Kombo M“ mit zwei Hauptlagen (12,90 Euro). Und ab Januar soll alles noch viel einfacher werden: Der Gast kann dann alle Komponenten einzeln auswählen. Zudem wird es Specials wie Hohe Rippe und Carolina Low Country Boil, ein Eintopf mit Garnelen und Wurst, gegen Vorbestellung geben. Absoluter Favorit unter den circa zehn Fleischkreationen ist das Brisket, ein Stück Rinderbrust, das im Texas-Style für 15 Stunden in einem der original US-Smoker-Öfen gegart wurde und super zart daher kommt. Wunderbar würzig sind die Baby Back Ribs, auch Kotlett­rippen genannt, die jedoch noch etwas leichter vom Knochen hätten fallen können. Das Pulled Pork, zwölf Stunden lang bei niedrigen Temperaturen im Holzrauch gegart und anschließend handgezupft, schmeckt schön saftig. Wir pimpen es aber noch mit der lecker säuerlichen „Carolina PP Tsour“, einer von rund zehn Saucen, die immer wieder neue Variationen von fruchtig bis rauchig ermöglichen.

Die Portion Mac ‘n’ Cheese (2,90 Euro), die wir zusätzlich geordert haben, hätte heißer sein können. Dafür werden wir mit dem sehr interessanten Verkostungserlebnis von „Pulled Jack“ entschädigt. Diese vegetarische BBQ-Option wird aus der noch unreifen grünen Jack Fruit gefertigt – delikat-frisch!

Im Englischen heißt solch eine Mahlzeit „Comfort Food“, also Wohlfühlessen. Und ein behagliches Gefühl stellt sich tatsächlich ein. Fazit: Das Fat Lenny’s ist ein Laden, der viele Menschen ansprechen dürfte. Familien zum Beispiel, denn Kinder lieben es gewiss, nicht „ordentlich“ vom Porzellan essen zu müssen, sondern sich die Pfoten dreckig machen zu dürfen. Oder auch Freundescliquen, die einen geselligen Abend mit Musik, Kickern oder auch mal einem Football-Spiel verbringen möchten, das über den Fernseher in der Ecke läuft. Das Fat Lenny’s ist nicht nur Lokal, sondern letztlich auch Kneipe und lädt daher ebenso zu einem netten Nachbarschafts- oder Feierabendbier ein. Zum Trinken und Plaudern ohne zu essen. So oder so – eine Bereicherung!

Fat Lenny’s Bahrenfelder Str. 221, Di+Mi 12-23 Uhr, Do 12-24 Uhr, Fr ab 12 Uhr, Sa ab 14 Uhr (dann jew. „so lange es eben geht“), So 14 Uhr-00 Uhr, T. 333 10 102, fatlennys.com; kommende Termine: So 25.12., Blue Moon Jam: verschiedene Bands, Grünkohl satt, Eintritt frei;
Sa 31.12., Fat Lenny’s Sylvester, Eintritt frei; Mi 11.1. Craft Bier Tasting mit der Wildwuchs Brauerei aus Hamburg, 19 Euro inkl. Pulled Pork Burger; Sa 21.1., Fat Lennys Halbjahres-Eröffnungsparty, Eintritt frei