Kino-Tipp

Jim Jarmuschs gelungene Tragikomödie „Paterson“

Szene aus „Paterson“

Szene aus „Paterson“

Foto: Weltkino/Mary Cybulski

Der finnische Kultregisseur Aki Kaurismäki soll einmal über den amerikanischen Kultregisseur Jim Jarmusch gesagt haben: „Er ist der langsamste Filmemacher der Welt.“ Langsam, ja meditativ ist nun auch Jarmuschs neues Werk ­„Paterson“.

Jarmusch erzählt in seinem Film von einem seltsam aus der Zeit gefallenen Typen. Nicht nur, dass sein Paterson als Busfahrer arbeitet und Gedichte verfasst, der junge Mann mit den dunklen Haaren und der angenehm sonoren Stimme hat auch kein Handy. Paterson beschäftigt sich in seinen Versen mit Alltagsdingen, der von ihm und seiner Frau Laura bevorzugten Streichholzmarke etwa. Abwechslung sucht man zunächst vergebens in Patersons Alltag – und doch gibt es für den aufmerksamen Zuschauer manches zu entdecken, etwa den prägnanten Auftritt des Rappers Method Man.

Adam Driver erweist sich mit seinem unveränderlichen Gesichtsausdruck als kongenialer Hauptdarsteller eines höchst unaufgeregten Films. Golshifteh Farahani ist wunderbar als Patersons leicht skurrile, von einer Karriere als Country-Lady träumende, sich indes vor allem auf Backwaren verstehende Ehefrau. „Paterson“ hat auch einen dritten Hauptdarsteller: die mit ihrer trägen Art hervorragend zum Film passende Bulldogge Marvin.

Jarmuschs Minimalismus, sein Blick für Details und Wiederholungen, sein ­Gespür für Rhythmen und Leitmotive sind so faszinierend wie von Beginn des Films an gleichsam einlullend. „Paterson“ kommt nicht nur wie ein Gedicht daher, der fast 120 Minuten währende Film fließt dahin wie ein Gewässer - bei aller Redundanz nie langweilig, bei aller Ereignislosigkeit nie banal.

„Paterson“ F/D/USA 2016, 115 Minuten, ohne Altersbeschränkung, Regie: Jim Jarmusch, Darsteller: Adam Driver, Golshifteh Farahani, Barry Shabaka Henley, täglich im 3001 (OmU), Abaton (OmU), Holi, Strudio (OF), Zeise (OmU)

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