Literatur-Tipp

Zwei Welten: Paul McVeigh liest, Max Goldt erzählt

Paul McVeigh hat zahlreiche Comedy-Serien geschrieben

Paul McVeigh hat zahlreiche Comedy-Serien geschrieben

Foto: Roelof Bakker

Ein fulminanter Debütroman ist dem irischen Theater- und Comedy-Autor Paul Mc Veigh gelungen, am heutigen Freitag gastiert erstmals in Hamburg mit einer zweispachigen Lesung im Buchladen Osterstraße: „Guter Junge!“ spielt im Belfast der 1980er-Jahre, als der Krieg zwischen Katholiken und Protestanten, zwischen Engländern und (Nord-)Iren auf seinem Höhepunkt tobte. Mittendrin wohnt Mickey, ein heranwachsender Junge, aus dessen Perspektive der Roman geschrieben ist. An die vielen Dialoge muss man sich erst mal gewöhnen, doch das Buch wird dann derart packend, dass man es gar nicht mehr weglegen kann.

Die Direktheit, mit der Mickey sich als Sohn eines Säufers und einer ständig schuftenden Mutter durchs Leben schlägt und zum Glück erfährt, wie sich junge Liebe anfühlt, holt das Geschehen extrem nah ran. Tagträume von einer Zukunft als Schauspieler schleichen sich durch seinen harten Alltag und helfen dem sensiblen Jungen, alles durchzustehen. „Wenigstens ein Mann mit Hirn in der Familie“, sagt seine Mutter. Und sie meint ihn, Mickey. Denjenigen, den keiner mag und der der Mutigste und Beste von allen ist.

Im deutschen Sprachraum bisher weitaus bekannter als Mc Veigh ist Max Goldt. Auszeichnungen hat der Glossengott einige erhalten, 2008 etwa den Kleist-Preis und in diesem Frühjahr in seiner Heimatstadt den Göttinger Elch.

Doch auch für die Kunst der Abschweifung ist der Schriftsteller und Musiker--- etwas älteren Semestern womöglich als Teil des Duos Foyer des Arts („Wissenswertes über Erlangen“) bekannt – stets ebenso gut gewesen wie für Wortwitz als Kolumnist der „Titanic“ und sprachliche Feinheiten. In seinem neuen Buch „Lippen abwischen und lächeln“ vereint Max Goldt die nach eigenen Angaben „prachtvollsten Texte von 2003 bis 2014“. Köstlich darin das Kapitel , wie sich der 58-Jährige darüber wundert, dass bei Restaurantkritiken die oft mangelnde Qualität von Esstischen und deren Füßen, etwa mit nur einem Mittelsockel, keine Rolle spielt. „Ein hungriger Mensch hat nicht nur einen Mund, sondern auch zwei Beine. Ein guter Esstisch hat meines Erachtens vier Beine“, schreibt Goldt.

Und weil Onkel Max heute Abend bei seiner alljährlichen Winterlesung im Schauspielhaus auch Texte aus den 90ern präsentiert, dürfte es ein sehr amüsanter Abend werden.

Lesung und Gespräch Paul Mc Veigh: „Guter Junge!“ Moderation und Übersetzung: Ingo Herzke, Fr 18.11., 20 Uhr, Buchladen Osterstraße 171, Eintritt 7 Euro Lesung Max Goldt Fr 18.11., 20.30 Uhr, Schauspielhaus, Kirchenallee 39, Karten zu 18, ermäßigt 12 Euro an der Abendkasse und unter T. 24 87 13