Konzert-Tipp

The Jayhawks im Gruenspan: Harmonien zum Niederknien

Foto: Hamburg Konzerte

„It’s the Start of a brand new Adventure“, singt Gary Louris in „Quiet Corners & Empty Spaces“, dem Eröffnungssong des aktuellen Jayhawks-Albums „Paging Mr. Proust“. So ganz neu ist dieses Abenteuer jedoch nicht, wenn man sich die Besetzung der Americana-Band aus Minneapolis ansieht. Louris, Sänger und Gitarrist, und Bassist Marc Perlman sind seit Gründung der Gruppe Mitte der 80er-Jahre dabei, Keyboarderin Karen Grotberg gehörte auch schon mal 1995 zur Besetzung, machte dann eine Pause und stieg 2008 wieder ein, Tim O’Reagan trommelt seit 1995 für die Combo, die maßgeblich von Mark Olson, dem zweiten Gitarristen, geprägt war. Der hat sich 2012 endgültig von den Jayhawks getrennt, weil sein Verhältnis zu Gary Louris von zunehmenden Spannungen geprägt war. Aber Umbesetzungen gehörten schon immer zur Geschichte dieser wichtigen amerikanischen Gruppe.

„Paging Mr. Proust“ ist das ersteAlbum nach der Comeback-Platte„Mockingbird Time“ (2011). Stilistisch hat sich nichts Wesentliches geändert. Der Sound enthält vielleicht etwas weniger Country-Elemente und stattdessen mehr klassischen 60er-Jahre-Rock durch Louris Gitarrenspiel.

Das entscheidende Merkmal der Jayhawks ist jedoch geblieben: dieser unbeschreibliche schöne mehrstimmige Harmoniegesang, für den Louris, Grotberg und O’Reagan verantwortlich sind. Vergleiche mit einer legendären Band wie Crosby, Stills & Nash muss die Combo aus Minnesota absolut nicht scheuen. Nummern wie „Bad Time“ von „Tomorrow Is The Green Grass“ (1995) oder „Hide Your Colours“ von „Mockingbird Time“ fräsen sich in die Ohren und bleiben darin ­hängen.

Wer sich manchmal fragt, was die Mitglieder von R.E.M. nach ihrer Auflösung im Jahr 2011 so machen, findet zumindest im Fall von Gitarrist Peter Buck eine Erklärung, wenn er sich im CD-Booklet von „Paging Mr. Proust“ durchliest, wer an der Platte beteiligt war. Buck ist der Co-Produzent des insgesamt neunten Jayhawks-Albums, aufgenommen hat die Band es in Portland (Oregon), einem der Hot Spots der US-Rockszene. Auch Mike Mills, Multiinstrumentalost von R.E.M., ist bei einem Song dabei: Bei „Leaving The Monsters Behind“ singt er im Background.

Bevor die Jayhawks nach Portland reisten, hatten sie jedoch schon ihre Hausaufgaben gemacht: Im Heimstudio von Gary Louris, der auch alle neuen Songs geschrieben hat, nahmen die vier Musiker die Demoversionen der aktuellen Stücke auf. Auf einer Bonus-Disc zu „Paging Mr. Proust“ haben die Jayhawks ein paar dieser ersten Entwürfe veröffentlicht.

Der Titel bezieht sich auf den französischen Schriftsteller Marcel Proust und ist eine Reverenz an seinen Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. In Louris’ Songs stecken noch eine Reihe weiterer literarischer Anspielungen auf Autoren wie Robert Frost, David Foster Wallace und John Keats.

Das Konzert der Jayhawks am 11.9. im Gruenspan könnte übrigens ein langer Abend werden. Auf der Setlist eines Auftrittes in England standen 26 Songs ...

The Jayhawks So 11.9., 20 Uhr, Gruenspan, Große Freiheit 58, Karten 36,60 Euro an der Abendkasse