Literatur-Tipps

Stadtmeisterschaft und „Wortflut“: Hamburg dichtet

Wortgewitzt beim Poetry Slam

Wortgewitzt beim Poetry Slam

Foto: Heike Kölzer

Eine Hamburger Meisterschaft, die steht im Sport zwar auch für einen Titel, ist aber eher von untergeordneter Bedeutung und allenfalls eine Kurzmeldung wert. Beim Poetry Slam indes sieht das in Hamburg mit der Stadtmeisterschaft etwas anders aus. Schließlich gilt die Freie und Hansestadt seit Jahren als Deutschlands Slam-Hochburg. Bundesweit ist Hamburg die Stadt mit den meisten regelmäßigen Poetry Slams. Der Wettbewerb aus Dichtung (Poetry) und Schlagen (Slam) hat außer den kleinen und mittleren Bühnen längst die Theater erobert: Im Ernst Deutsch Theater, Schauspielhaus und Thalia Theater waren und sind die Abende fast immer ausverkauft, im vorigen August sorgten gut 5000 Besucher beim „Best Of Poetry Slam – Open Air“ auf der Trabrennbahn für einen Weltrekord.

Das Hamburger Veranstalter-Label Kampf der Künste, von Michel Abdollahi und Jan-Oliver Lange 2005 gegründet, hat jedoch seine Wurzeln nicht vergessen und lädt auch anno 2o16 zur Stadtmeisterschaft – nicht nur, aber auch ein Treffen der noch immer wachsenden lokalen Szene. Für das Finale der besten von diesmal 44 Teilnehmern am Sonnabend (27.8.) in der Fabrik hat der Kampf der Künste mit Sebastian23 denn auch eine Trabrennbahn-erprobte Koryphäe der deutschsprachigen, ja sogar internationalen Poetry-Slam-Szene als Moderator gewonnen.

Als ehemaliger Vizechampion der Slam-WM und Sieger der deutschsprachigen Meisterschaften ist er längst auch auf Kabarett- und Comedy-Bühnen gefragt. Sebastian23, vor 37 Jahren als Sebastian Rabsahl in Duisburg geboren, hat aus seinem bisher letzten Bühnenprogramm „Dem Schicksal ein Schnittchen schmieren“ ebenso ein Buch gemacht wie aus ­seinen frischeren Texten im Werk „Theorie und Taxis“. „Ich schreibe, weil ich es muss. Ich gehe damit auf die Bühne, weil ich es kann“, hat er mal gesagt. „Am besten kommen gute Texte an. Egal ob sie lustig sind oder ernst“, weiß er.

Und so haben die Zuhörer in gleich drei (!) Halbfinals am heutigen Donnerstag (25.8.) im Haus 73 (Schulterblatt 73) und im Grünem Jäger (Neuer Pferdemarkt 36) sowie am Freitag (26.8., jeweils 20 Uhr) im Molotow die Qual der Wahl. In der Fabrik etwa wollen Liefka Würdemann, Bente Varlemann und Günther Nacken – er vertritt mit Hamburg ist Slamburg die Mutter aller hiesigen offenen Poetry Slams – den Titelverteidiger Fabian Navarro literarisch kitzeln. Weil auch der Nachwuchs eine Chance erhalten soll, qualifizieren sich beim U20-Finale am Freitag (20 Uhr) in der Molotow-Skybar weitere Starter fürs Finale, ebenso einige Lucky Loser im Haus 73 (Freitag, 22 Uhr).

Wer nach den Vorentscheiden und dem Endkampf in der Fabrik immer noch nicht genug der „Wortflut“ hat, für den/für die werden Sonntag am Störtebeker Ufer die Treppen­stufen zur Tribüne und die Promenade zur Arena – beim Poetry Slam in der HafenCity. Dort küren die Besucher einen weiteren Slamkönig.Wie bei der Stadtmeisterschaft übernimmt das eine zufällig ausgewählte Publikumsjury aus je fünf Personen. Auch bei Regen wird gereimt, gelauscht und gewertet – im HafenCity-Nachhaltigkeitspavillon (Osakaallee 9). Und nachhaltig, nicht bloß Schall und Rauch, sollten ja auch die Texte der besten hiesigen Slam-Poeten sein.

Poetry Slam – Hamburger Stadtmeisterschaft 25. bis 27.8., Finale Sa 27.8., 20.30 Uhr, Fabrik, Barnerstraße 36, Karten zu 6,60 bis 7,70 Euro „Wortflut“ So 28.8,, 17 Uhr, Störtebeker Ufer/Magdeburger Hafen Osakaallee, Eintritt frei