Kino-Tipp

Europäischer Abend mit dem Berlinale-Gewinner im Metropolis

„Seefeuer“ oder im Original: „Fuocoammare“

„Seefeuer“ oder im Original: „Fuocoammare“

Foto: Weltkino Filmverleih GmbH

Europa schwächelt zurzeit ganz bedenklich, da kann es einen eigenen Filmabend gut gebrauchen. Der wird heute im Rahmen der aktuellen Europawoche im Metropolis gefeiert.

Im Zentrum steht der Dokumentarfilm „Seefeuer“. Bevor er am 28. Juli in die Kinos kommt, kann man Gianfranco Rosis Goldenen Bärengewinner vorab sehen. Er erzählt vom zwölf Jahre alten Samuele, der auf Lampedusa lebt. Bewaffnet mit einer Steinschleuder zieht er nach der Schule durch die Gegend oder trifft Freunde. Er möchte Fischer werden – so, wie es sein Vater war. Die Inselbewohner sind daran gewöhnt von dem zu leben, was das Meer ihnen bringt. Seit einigen Jahren sind das Flüchtlinge.

Als Gianfranco Rosi zum ersten Mal auf Lampedusa war, hatte ber eigentlich vor, einen zehn Minuten langen Kurzfilm über die Insel zu drehen. Aber als er dort ankam, fand er, dass er so dem Thema nicht gerecht werden konnte. Auf der Suche nach einem anderen Ansatz traf er den einzigen Arzt der Insel, Pietro Bartolo, der ihm von seinen Erfahrungen mit den Flüchtlingen erzählte, den medizinischen und humanitären Notfällen. Er ist jetzt einer der Protagonisten in dem Dokumentarfilm.

Regisseur Rosi, der in Eritrea geboren wurde, blieb insgesamt ein Jahr auf der Insel und schreibt über diesen Zeit rückblickend: „Ich lernte den wahren Rhythmus der Flut der Migranten kennen. Es war wichtig, die Vorgehensweise der Medien zu durchbrechen, die immer nur dann nach Lampedusa kamen, wenn es eine Katastrophe gab. Als ich dort lebte, merkte ich, dass der Begriff Katastrophe bedeutungslos war. Es gab jeden Tag eine Katastrophe.“

Im italienischen Original heißt der Film „Fuocoammare“, was sowohl Leuchtturm als auch „brennendes Meer“ bedeutet. Auch der deutsche Titel ist mehrdeutig. „Seefeuer“ nennt man das Lichtsignal auf Leuchttürmen, aber auch eine historische Brandwaffe. Sie wurde insbesondere gegen Schiffe eingesetzt und konnte mit Wasser nicht gelöscht werden.

Eröffnet wird der Filmabend mit Dietrich Brüggemanns Film „One Shot“. Es geht darin um einen deutsch-türkischen schwulen Filmkuss. Danach gibt es im Metropolis eine Talkrunde mit parteipolitischen Jugendorganisationen.

Europäischer Filmabend Mo 23.5., 18.00, Metropolis, Kleine Theaterstraße 10, Eintritt frei, Anmeldung erbeten unter info@ced-hamburg.eu