Kino-Tipp

„Ein Mann namens Ove“: Raue Schale, weicher Kern

Foto: © 2016 Concorde Filmverleih GmbH

Manche Klischees bestätigen sich einfach immer von selbst. Wie diese ewig grantelnden Menschen, die immer was an anderen auszusetzen haben, die pedantisch darauf achten, dass irgendwelche Regeln eingehalten werden, die fest davon überzeugt sind, dass die ganze Welt gegen sie ist, auch wenn die Welt das genau andersrum sieht. Solchen Leuten geht man am besten aus dem Weg. Und jetzt soll man dafür ins Kino gehen und auch noch Geld ausgeben? Ja, unbedingt. Sonst hat man einen herzergreifenden Film verpasst.

Der titelgebende Antiheld ist erst mal ein Griesgram, wie er im Buche steht (buchstäblich: „Ein Mann namens Ove“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Fredrik Backman). Morgens um sechs zieht dieser alleinstehende Ove seine Runde in seiner spießigen Reihenhaussiedlung, guckt, dass auch ja keiner falsch geparkt oder den Müll nicht getrennt hat, und meckert an jedem herum. Oweh! Die gesamte Nachbarschaft redet kaum noch mit diesem Endfünfziger und ist total genervt von ihm. Seine Chefs sind es auch und zwingen ihn in den Vorruhestand.

Ove will dann gleich ganz Schluss machen – und legt sich eine Schlinge um den Hals, um seiner kürzlich verstorbenen Frau zu folgen. Aber mit welchen Mitteln er fortan auch versucht, seinem freudlosen Leben ein Ende zu setzen: Immer wieder geht das schief. Und nicht selten sind daran die neuen Nachbarn schuld, eine Multikulti-Familie, die permanent bei Ove klingelt. Mal wegen einer kleinen Hilfeleistung, mal wegen eines Dankeschöns dafür.

Man ahnt schon, was passieren wird: dass dem alten Sauertopf doch noch das Herz aufgeht. Aber wie das inszeniert ist und wie der schön knorrige dänische Wallander-Darsteller Rolf Lassgård sich da vom Menschenfeind zum Menschenfreund wandelt, das ist herrlich zu erleben. Immer wieder nimmt ihm Bahar Pars als grundoptimistische Iranerin den Wind aus den Segeln, und ihre beiden Kinder sind so süß, dass es auch dem letzten Muffel ein Lächeln entlockt. Am Ende hütet Ove nicht nur die Kinder, er nimmt auch einen jungen Türken auf, der wegen seines Schwulseins verstoßen wurde, und organisiert sogar einen örtlichen Protest, als ein Pflegepatient ins Heim abgeschoben werden soll.

Im Gegensatz zur bisher letzten großen Bestsellerverfilmung aus Schweden, „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, die ja eher schleppend funktionierte, findet Hannes Holm in seiner „Ove“-Verfilmung immer den richtigen, schwarzhumorigen Ton und entgeht allen Kitschfallen mit ironischen Brüchen.

Mit jedem Selbstmordversuch zieht überdies in Rückblenden ein Stück Leben an dem alternden Ove vorbei. Auf diese Weise erfährt man, warum er eigentlich so mürrisch ist und dass er nicht immer so war. Raue Schale, weicher Kern – klar, auch das hat man sich schon gedacht. Aber man verlässt das Kino doch mit dem Gedanken, ob man den Miesepetern aus dem eigenen Umfeld nicht doch mit etwas mehr Verständnis begegnen sollte.

„Ein Mann namens Ove“ Schweden 2015, 116 Minuten, ab 6 Jahren, Regie: Hannes Holm, Darsteller: Rolf Lassgård, Bahar Pars, Filip Berg, Ida Engvoll, täglich im Abaton (auch OmU), Holi, Koralle, Passage, Zeise