Literatur-Tipp

Don Winslow stellt seinen neuen Thriller „Germany“ vor

Der gebürtiger New Yorker Don Winslow, 62, hier am Strand von Lagina Beach (Kalifornien), hat literarisch Deutschland im Visier

Der gebürtiger New Yorker Don Winslow, 62, hier am Strand von Lagina Beach (Kalifornien), hat literarisch Deutschland im Visier

Foto: Getty Images / Los Angeles Times/Getty Images

Legenden ranken sich gern um erfolgreiche Autoren. So sollen die ersten Worte, die Georges Simenon als Baby gehört hat, „Geld, Geld, Geld“ gewesen sein. Und Joanne K. Rowling schrieb ihre ersten beiden Harry-Potter-Bestseller nahezu mittellos in einem schäbigen Café. Sagt man. Der amerikanische Thrillerautor Don Winslow wurde 1953 ausgerechnet in der Nacht zu Halloween geboren. Das ist zwar keine Legende, wirft aber auf die spätere Bestimmung Winslows ein sehr frühes Licht. Angst und Schrecken waren ihm quasi in die Wiege gelegt.

In Deutschland wurde Don Winslow gegen Ende der 1990er-Jahre bekannt, später auch dank der Verfilmung seines Kriminalromans „Savages“ („Tage der Toten“) von Oliver Stone. In seinem aktuellen Roman „Germany“ nun führt Winslow, der auf einer Farm in Kalifornien lebt, seinen Ermittler Frank Decker bis nach Deutschland.

Alles nimmt seinen Anfang mit dem Auftrag von Franks altem Irakkrieg-Freund Charlie, dessen schöne, aber verschwundene Ehefrau Kim zu finden. Kims Auto wird dann zwar in den Gettos von Miami entdeckt, die Spur aber führt nach Deutschland.

Es ist nicht das freundliche Deutschland der Willkommenskultur, das Winslow skizziert, es ist ein kaltes Land, in das Frank Decker kommt, ein Land, in dessen Rotlichtvierteln der Drogenkrieg tobt. Und es ist ein harter Job, der in Berlin, Hamburg und sogar im beschaulichen Lüneburg auf Decker wartet, doch der Privatermittler ist auch ein harter Hund.

Noch immer zählt Winslow zu den Großen der amerikanischen Thriller-Literatur, das Niveau seiner fulminanten frühen Kriminalromane wie „Tage der Toten“, „Kings of Cool“ oder „Die Sprache des Feuers“ erreicht er derzeit jedoch nicht. Böse schriftstellerische Entgleisungen wie der Blut-und-Boden-Thriller „Vergeltung“ gehören allerdings wohl auch der Vergangenheit an.

Gleichwohl sind Lesungen mit Winslow immer Ereignis, was nicht zuletzt auch an seinem Nebenmann auf dem Podium liegt: Die übersetzten Passagen liest Dietmar Wunder, die deutsche Stimme von Daniel Craig als James Bond.

Don Winslow „Germany“ Moderation: Günter Keil, deutsche Lesung: Dietmar Wunder, Di 15.3., 19.30 Uhr, Magazin-Kino, Fiefstücken 8a, Eintritt 14, ermäßigt 10 Euro