Restaurant Hamburg

Italienische Perfektion auf Basis bester Produkte

| Lesedauer: 3 Minuten
Gerd Rindchen
Genuss­Experte Gerd Rindchen liebt gutes Essen und kennt sich mit guten Weinen aus.

Genuss­Experte Gerd Rindchen liebt gutes Essen und kennt sich mit guten Weinen aus.

Foto: Bertold Fabricius / Libertino

Diesmal ist unser Genussexperte Gerd Rindchen zu Gast im I Vigneri – ein Italiener in der Innenstadt – und ist hellauf begeistert.

Hamburg. Seit vielen Jahren ist das Gallo Nero in Winterhude eine Institution für die Freunde gehobener italienischer Lebensart. Zwar hat sich der Patrone, der stolze Sizilianer Corrado Falco, mit seiner Preisgestaltung im Laufe der Jahre geschmeidig an die Haushaltsnettoeinkommen der nahe gelegenen Sozialbauten am Rondeelteich, An der Alster oder im Harvestehuder Weg angepasst, bietet dafür aber berechenbare Perfektion auf Basis bester Produkte.

Weniger bekannt ist, dass Signor Falco schon vor einigen Jahren eine Dependance mit den nämlichen hehren Qualitätsansprüchen in der Innenstadt eröffnet hat: das I Vigneri in einem prachtvollen Kontorhaus an der Großen Bäckerstraße.

Top-Produkte im italienischen Restaurant I Vigneri

Die Karte ist klein, aber erlesen, basiert auf vielfach selbst importierten hervorragenden Produkten aus Italien, wechselt saisonal und wird flankiert von tagesaktuellen Empfehlungen.

Auch das I Vigneri ist kein Eldorado für Schnäppchenjäger, bietet aber, insbesondere beim Essen, einen fairen Gegenwert fürs Geld. Ein schöner Einstieg in einen Mittag oder Abend dortselbst ist das „Quarteto di Antipasti I Vigneri“ (19,50 Euro): Traulich vereinen sich hier cremige, echte Burrata mit Datteltomaten und Cantabrico-Sardellen, ein perfekt bereitetes Vitello Tonnato, elegantes mediterranes Thunfisch-Carpaccio mit den „one and only“-Kapern von der Insel Pantelleria und Carpaccio vom Fassone-Rind mit einem Hauch gehobelten Trüffel. Passt.

Restaurant in Hamburg: Rindchen ist begeistert

Bei den Hauptgerichten war ich hellauf begeistert vom Winterkabeljau vom Grill mit sizilianischen Datteltomaten, Salina-Kapern und Oliven. Der schneeweiße, sehr ordentlich portionierte und qualitativ herausragende Fisch war auf den Punkt saftig gegart, die aromensatten sizilianischen Datteltomaten in Verbindung mit Kapern und Oliven – genau richtig – nur sanft angeschmort, das Ganze hätte man nicht besser hinkriegen können. Überdies fand ich, nachdem ich neulich fassungslos für ein Kilo Kabeljaufilet über 50 Euro hingeblättert hatte, dieses tolle Gericht mit 29,80 Euro ausgesprochen preiswürdig.

Meine mittafelnde Regierung hatte ebenfalls Glück: Ihr Meeresfrüchte-Eintopf mit viel edlem Fisch und Schalengetier (32,80 Euro) basierte auf einem kraftvoll einreduzierten, kräuterig-würzigen Fond, schmeckte hervorragend und versetzte einen spornstreichs an die Gefilde des Mittelmeers.

Der uns begleitende (und erfreulicherweise die Zeche begleichende) Herr war ebenfalls mehr als zufrieden mit seinen Paccheri-Nudeln mit Mini-Oktopus in leicht-scharfer Tomatensauce (19,80 Euro). Wer noch zu den wenigen Glücklichen mit kaum limitiertem Spesenetat zählt, kann das Essen hier wunderbar mit einem Glas Franciacorta Spumante einleiten. Alle anderen finden 12,90 Euro für 0,1 Liter weißen oder 13,90 Euro für ein Glas rosafarbenen Sekt vielleicht etwas sportlich.

Die sehr spannende Weinkarte zeugt von der Passion des Patrons auch für unbekanntere Gewächse und ist ohne falsche Scheu vor auskömmlichen Aufschlägen kalkuliert. Der 2015 „Brenntal“ von der famosen Cantina Kurtatsch kostet 79 Euro – er ist einer der besten und unterschätztesten Merlots Italiens. Ein preiswerterer Tipp ist der Verdicchio „Le Vaglie“ (Flasche 42 Euro, offen 11,50 Euro/0,2 l).

Große Bäckerstraße 13, Tel. 38 67 08 50, ivigneri.de

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Gastronomie