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Warum Steffen Henssler Herausforderungen liebt

| Lesedauer: 6 Minuten
Rüdiger Sturm
Steffen Henssler in seiner Showküche in Neumühlen. Er trinkt kaum Alkohol
und sagt: „Ich bin Kakaotrinker.“

Steffen Henssler in seiner Showküche in Neumühlen. Er trinkt kaum Alkohol und sagt: „Ich bin Kakaotrinker.“

Foto: Michael Rauhe

Der bekannte Fernsehkoch spricht im Abendblatt über sein neues Buch, die Corona-Pandemie und weshalb er Montage liebt.

Hamburg.  Als prominenter Gastronom, Koch und Live-Entertainer ist Steffen Henssler massiv von den Maßnahmen des Lockdowns betroffen. Doch der 48-Jährige lässt sich seine Verärgerung im Gespräch kaum anmerken. Wie man seinem Sprechtempo anmerkt, sprüht er vor Energie, wenn er sein neu erschienenes Kochbuch „Hensslers schnelle Nummer“ mit Rezepten ohne großen Zeitaufwand vorstellt. Immerhin ist er es auch gewohnt, mit lebensgefährlichen Herausforderungen zurechtzukommen. Richtiges Kopfzerbrechen bereitete ihm nur sein eigener Lieferservice.

Hamburger Abendblatt: Momentan muss man speziell als Gastronom angesichts der Tagespolitik seine Nerven beruhigen. Welches Rezept aus Ihrer „Schnellen Nummer“ ist dafür am besten geeignet?

Steffen Henssler: Das Reiben an der Tagespolitik gehört jetzt dazu. Aber ich habe meine Nerven gut im Griff. Zur Beruhigung würde ich ein Glas Wein bevorzugen. Aus dem Buch würde ich eines von den Rezepten nehmen, die länger dauern, wobei es davon nicht so viel gibt – vielleicht knusprige Chicken Wings mit Chili-Honig-Marinade.

Das heißt, Sie können sich trotz des Lockdowns auf die kreativ-produktiven Aspekte Ihres Berufs konzentrieren?

Henssler: Nach einem Jahr ist die Sache immer noch genau wie vorher, und das ist natürlich unbefriedigend. Aber wir haben aus dem Konzept der „Schnellen Nummer“, das es schon länger gibt, jetzt eine richtige Marke gemacht. Vielleicht wären wir ohne Lockdown nicht dazu gekommen. Ich habe jedenfalls gute Ideen, habe in der Krise auch zwei neue Popup-Restaurants in Frankfurt und München aufgemacht. Man muss sich eben anpassen, dadurch wird man stärker. Klar, mache ich mir gesamtgesellschaftliche Gedanken, aber ich versuche selbst immer weiterzugehen.

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Wann kommen Sie bei Ihren ganzen Betätigungen komplett zur Ruhe – abgesehen vom Glas Wein?

Henssler: Ich muss zugeben, ich trinke eigentlich fast keinen Wein. Wenn ich mich mit Kollegen vergleiche, dann gibt es kaum einen, der weniger Alkohol trinkt als ich. Ich bin Kakaotrinker. Und ich mag auch einen schönen Espresso. Und ich komme völlig zur Ruhe, wenn ich mich abends ins Bett lege – oder im Kreis meiner Familie bin. Aber wenn ich eine Idee habe, die mich umtreibt, dann versuche ich sie umzusetzen. Wenn ich am Morgen wieder die Augen aufmache, dann geht es los.

Sie haben auch das Motto „Kochen am Limit“ geprägt. Wann sind Sie außerhalb der Küche an Ihre Grenzen gekommen?

Henssler: Ich war früher oft in den Bergen unterwegs, seit letztem Jahr fehlt mir leider die Zeit. Zum Beispiel war ich auf dem Montblanc, dem Aconcagua oder dem Kilimandscharo, da geht man auch ans Limit. Aber ich bin kein ständiger Grenzgänger. Ich bin ein lebensbejahender Mensch, habe Bock, viele Sachen zu machen, und versuche querzudenken - aber nicht im Sinne der ‚Querdenker’. Der Satz „Schuster bleib bei deinem Leisten“ ist nicht für mich gemacht worden.

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 2311 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 430.228), 465 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 44), 2373 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1435,3 (Stand: Sonntag).
  • Schleswig-Holstein: 1362 Corona-Fälle (477.682), 623 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 39). 2263 Todesfälle (+5). Sieben-Tage-Wert: 1453,0; Hospitalisierungsinzidenz: 7,32 (Stand: Sonntag).
  • Niedersachsen: 12.208 neue Corona-Fälle (1.594.135), 168 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen, 7952 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1977,6; Hospitalisierungsinzidenz: 16,3 (Stand: Sonntag).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 700 neue Corona-Fälle (381.843), 768 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 76), 1957 Todesfälle (+2), Sieben-Tage-Wert: 2366,5; Hospitalisierungsinzidenz: 11,9 (Stand: Sonntag).
  • Bremen: 1107 neue Corona-Fälle (145.481), 172 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 14), 704 Todesfälle (+0). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 1422,6; Bremerhaven: 2146,1; Hospitalisierungsinzidenz (wegen Corona) Bremen: 3,88; Bremerhaven: 7,04 (Stand: Sonntag; Bremen gibt die Inzidenzen getrennt nach beiden Städten an).

Haben Sie eigentlich Ängste?

Henssler: Nur im privaten Bereich. Als Vater hat man immer Angst um seine Kinder, aber ansonsten nicht.

Auch nicht, wenn Sie die großen Berggipfel hochsteigen?

Henssler: Ich finde es ganz spannend, sich herauszufordern. Trotzdem ist das alles gesichert. Natürlich gibt es ein Restrisiko, aber ich lasse mich nicht davon einschränken. Angst ist nicht auf meiner Festplatte gespeichert.

Wie wär’s dann mit dem Mount Everest?

Henssler: Einen Achttausender habe ich schon immer mal im Hinterkopf, wenn auch nicht unbedingt den Mount Everest. Das wäre phänomenal. Momentan fehlt mir die Zeit, aber ich hoffe, dass ich in drei, vier Jahren wieder eine Tour machen kann. Je älter man wird, desto besser ist man im Bergsteigen, weil man mehr Ruhe mitbringt.

Was war denn die brenzligste Situation, die Sie am Berg überstanden haben?

Henssler: Das war beim Eisklettern im Gebiet von Chamonix. Da ist eine Sicherung rausgeflogen, und wir sind ein paar Meter runtergerutscht. Da geht einem schon das Adrenalin nach oben.

Und was macht man dann?

Henssler: Man haut das Eisbeil ein bisschen fester rein.

Sie lachen, wenn Sie davon erzählen. Woher kommt eigentlich Ihre positive Energie?

Henssler: Die kommt davon, dass ich das Leben so spannend finde. Ich bin neugierig, will immer neue Sachen ausprobieren. Und wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann versuche ich das auch umzusetzen. Diese Umtriebigkeit hat in den letzten Jahren noch zugenommen. Mein Lieblingstag ist der Montag. Am Wochenende vorher hatte ich Zeit für mich, und dann geht es wieder los. Das ist so ein innerer Antrieb. Ich stelle den nicht infrage, sondern hoffe nur, dass er nicht weggeht.

Wie kommen Sie eigentlich mit Problemen klar? Etwa als es dieses Jahr rechtliche Probleme mit dem „Henssler at Home“-Restaurant gab, das Sie ja verkauft hatten.

Henssler: Eine Sache wie „Henssler at Home“ regt mich auf. Denn ich weiß, dass es ein Fehler war, das verkauft zu haben. Aber an sich nehme ich Probleme eher sportlich.

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Können Sie ein Beispiel nennen?

Henssler: Wenn ich mal zu Hause nicht kochen will, dann rufe ich schon mal meinen eigenen Lieferdienst an. Es ist gut, wenn man so etwas hat. Aber das Lustige ist, dass die meisten Fehler bei meinen Lieferungen passiert sind. Zum Beispiel dass der Fahrer zu schnell unterwegs war und etwas umgekippt ist. Von zehn Bestellungen war bei acht etwas im Argen. Mittlerweile haben wir einen Weg gefunden, dass das nicht mehr passiert. Aber das Ganze war schon ein Running Gag.

Und Sie haben das mit Humor genommen?

Henssler: Das kommt darauf an. Ich habe schon mal genervt angerufen: „Das kann doch nicht sein. Jetzt reicht’s.“ Die Antwort war dann: „Das passiert nur bei dir.“ Und ich meinte „Dann ist es gut.“

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