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Millionen schwören auf Rezepte aus Hoheluft

| Lesedauer: 6 Minuten
Juliane Lauterbach
Michaelle Teuscher steht fast jeden Abend in der Küche und probiert neue Rezepte für ihren Blog „Elle Republic“ aus. Gemüse gehört fast immer zu den Zutaten.

Michaelle Teuscher steht fast jeden Abend in der Küche und probiert neue Rezepte für ihren Blog „Elle Republic“ aus. Gemüse gehört fast immer zu den Zutaten.

Foto: Andreas Laible

Michaelle Teuscher betreibt einen erfolgreichen Foodblog für Gemüseküche. Warum Schinkennudeln trotzdem am besten laufen.

Hamburg. Wofür Michaelle Teuscher ihr erstes selbst verdientes Geld ausgegeben hat? Na, für das, was sie am liebsten mag natürlich: Gemüse. Von Kohlrabi bis Blattspinat, von Gemüsezwiebel bis Rote Bete: Michaelle war schon immer ein echter Gemüse-Junkie. Und in ihrer Heimat Kanada, wo sie bis Ende 20 lebte und BWL studierte, war das fast schon ein bisschen normal. „Da drehte sich alles um Draußensein, Lifestyle und gesunde Ernährung“, so die 48-Jährige.

In Deutschland, genauer: Süddeutschland, wohin es sie dann der Liebe wegen verschlagen hat, sah das mit dem „Lifestyle“ dann schon etwas anders aus. „Plötzlich gab es viel Deftiges, Wurst und Fleisch. Das war für mich schon eine Umstellung.“ Aber „Elle“, wie Michaelle von vielen Freunden genannt wird, änderte ihre Gewohnheiten nicht: Tiefkühlpizzen und andere Fertigprodukte kamen bei ihr genauso selten auf den Tisch wie fettiges Fleisch und zuckerreiche Lebensmittel.

Ihr Mann gab ihr den nötigen Schubser

Aber bis aus ihrem Hobby mehr wurde, sollte es noch einen Schubser benötigen. Und der kam aus Hamburg und zwar von dem Mann, den sie hier vor acht Jahren kennenlernte und der bis heute an ihrer Seite ist: Thilo, 53, selbstständiger Marketing-Spezialist, keine große Ahnung vom Kochen, aber einen guten Blick dafür, dass die Kochleidenschaft von „Elle“ mehr Potenzial birgt.

Die Idee stand schnell im Raum: Aus Elles Rezepten sollte ein Blog werden. Einer, der zeigt, dass gesundes und leckeres Kochen nicht schwer sein muss und auch in einem stressigen Alltag möglich ist. Und so geschah es dann auch: Im Jahr 2014 ging der Blog mit dem Namen „Elle Republic“ (Elles Welt) online.

Rezeptideen holt sich Elle auf dem Isemarkt

Die Rezeptideen holt sich Elle, die mit Thilo und dessen Kindern in Hoheluft-West lebt, meist zweimal pro Woche auf dem Isemarkt. „Meist habe ich eine bestimmte Gemüsesorte im Kopf und lasse mich dann weiter inspirieren.“ Über die Jahre habe sie ein gutes Gespür dafür entwickelt, welche Zutaten und Aromen zusammenpassen.

„Ich habe viel darüber gelesen und weiß, dass auch Kombinationen möglich sind, die man auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt erwartet.“ Fast jeden Abend steht Elle in der Küche und probiert neue Gerichte aus. „Nur die, die wirklich etwas Besonderes sind, schaffen es auf den Blog.“

Partner Thilo unterstützt, wo er kann

Partner Thilo unterstützt, wo er kann: Natürlich beim Testessen, aber auch beim Übersetzen der Rezepte vom Englischen ins Deutsche und beim Nachkochen. „Das Ziel ist immer, dass auch jemand wie ich, der nicht viel Erfahrung hat, die Rezepte umsetzen kann“, sagt Thilo. Und so fischt er manchmal noch das eine oder andere Fremdwort heraus und erklärt, was wirklich hinter sautieren, anschwitzen und dünsten steckt. Thilo: „Für mich war das nämlich auch vor nicht allzu langer Zeit noch alles das Gleiche.“

Und dann die Überraschung: Die Rezepte kommen richtig gut an. Schnell sind sie bei 5000 Seitenbesuchern pro Monat – inzwischen sind es mehr als eine Million. Bei der Plattform Pinterest liegt die Reichweite inzwischen sogar bei acht Millionen. Kein Wunder, dass auch Firmen auf sie aufmerksam wurden.

Langfristige Kooperationen

Aber Elle betont: „Ich gehe nur langfristige Kooperationen ein und auch nur solche, die wirklich zu mir passen.“ Das lu­krative Angebot eines Fleischproduzenten etwa habe sie abgelehnt. „Ich habe zwar nicht nur vegetarische Rezepte, aber der Fokus liegt auf gesunder Gemüseküche“, sagt Elle, die sich als „Flexitarian“ bezeichnet, also eine flexible Vegetarierin.

Dass Elles Welt weiter wachsen soll, haben sich Michaelle und Thilo im ersten Lockdown überlegt. „Wir wollten gerne Gewürzmischungen anbieten, die zu meinen Rezepten passen“, erzählt Elle. Und so machten sie sich auf die Suche nach Anbietern, die auch mit kleinen Mengen starten und mit Bio-Zutaten arbeiten.

Elf verschiedene Gewürzmischungen

Schließlich wurden sie fündig und entwickelten elf verschiedene Gewürzmischungen. „An jeder einzelnen haben wir so lange getüftelt, bis sie genau so geschmeckt hat, wie wir es uns vorgestellt haben.“ Und weil auch die Gewürze (über www.ellerepublic.de und www.elleherbs.de erhältlich) gut angelaufen sind, soll das Sortiment nun noch erweitert werden.

Doch auch, wenn in Elles Welt ziemlich viel ziemlich gut läuft, betont sie: „Man darf sich keine falschen Vorstellungen machen. Es hat Jahre gedauert, bis der Blog kein Minusgeschäft mehr war. Und so einen langen Atem hat man auch nur, wenn wirklich Leidenschaft dahinter steckt“, sagt Elle, die nach wie vor hauptberuflich bei einem großen Hamburger Energieversorger arbeitet.

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„Aber wenn es einem Freude macht, dann ist es eine wundervolle Sache.“ Was ihr am meisten Freude bereitet? „Wenn das Feedback gut ist und ich mit meinem Rezepten jemandem zum gesunden Kochen gebracht habe.“ Und ein Geheimnis verrät Elle noch. Nämlich, welches Rezept über die Jahre eines der beliebtesten war: Thilos Schinkennudeln. Aber Elle nimmt es mit Humor und sagt: „Sie sind ja auch wirklich gut.“

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