Gastronomie

So leiden Hamburgs Restaurants unter der Corona-Krise

Hobenköök vor Schließung - Corona-Angst hält Gäste fern

Vor zwei Wochen war die Welt für Geschäftsführer Frank Chemnitz noch in Ordnung: Seine Hobenköök ein erfolgreicher und vielfach gefeierter Gastronomiebetrieb. Jetzt weiß Chemnitz nicht mehr, wie er seine Mitarbeiter bezahlen soll.

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Hamburger Restaurants zählen immer weniger Gäste. Einige melden Kurzarbeit an und müssen die Zahl ihrer Plätze reduzieren.

Hamburg.  Größerer Abstand zwischen den Tischen, häufige Stornierungen und weniger Gäste: Viele Restaurants in Hamburg leiden unter der Corona-Pandemie. „Wir machen uns schon Gedanken um unsere Existenz“, sagt Kirill Kinfelt. Der Küchenchef betreibt das Trüffelschwein in Winterhude und das Kinfelts Kitchen and Wine in der HafenCity: „In den vergangenen Tagen haben wir sehr wenige Buchungen und viele Absagen reinbekommen.“

Die Schließung der Elbphilharmonie macht seinem Betrieb Am Kaiserkai besonders zu schaffen. „Den Abstand zwischen den Tischen halten wir ein. Alle Mitarbeiter tragen Handschuhe, wir haben überall Desinfektionsmittel. Einem schönen Erlebnis bei uns steht nichts im Wege“, sagt Kinfelt, der wegen der sinkenden Gästezahl auch beim Wareneinkauf jonglieren muss: „Wir machen alles frisch und haben keine Tiefkühlware.“

80 Prozent weniger Umsatz in der Hobenköök

„Planung von Tag zu Tag“ ist die Devise in der Hobenköök an der Stockmeyerstraße. „Anders geht es gerade nicht“, sagt Geschäftsführerin Neele Grünberg. Manche Tische werden in dem weitläufigen Lokal nicht besetzt oder eingedeckt, sodass der Abstand gewahrt wird. Umsatzeinbrüche bis zu 80 Prozent hat Grünberg aktuell verzeichnet.

Im Gourmet-Restaurant im Landhaus Scherrer stehen die Tische immer weit auseinander, damit sich die Gäste ungestört unterhalten können. „Aber natürlich haben wir weniger Besucher“, sagt Inhaber Heinz O. Wehmann, der am vergangenen Freitag 65 Jahre alt wurde und seit 40 Jahren an der Elbchaussee am Herd steht. Er sei von Haus aus Optimist, sein Team ziehe großartig mit: „Die Planungen für das Catering zum Spring-Derby Ende Mai laufen weiter, für die Gastro-Messe Internorga gibt es vom
20. bis 24. Juni einen neuen Termin.“

Im Restaurant L’Orient in Eimsbüttel sitzen die Gäste normalerweise ziemlich eng beieinander. „Jetzt haben wir in beiden Räumen 13 Tische weniger“, sagt Nisrin Nay, die mittags die orientalischen Köstlichkeiten serviert. Die Stimmung sei anders als sonst. „Wir haben rückläufige Reservierungen. Auf der Osterstraße ist viel weniger Verkehr, also kommen auch nicht so viele Gäste spontan zu uns.“ Beim Wareneinsatz gibt es keine bemerkenswerten Veränderungen. „Wir machen zum Beispiel unsere zahlreichen Vorspeisen jeden Tag frisch und kaufen entsprechend ein.“

Für Mitarbeiter des Fischereihafens gilt Kurzarbeit

Im Fischereihafen Restaurant laufen noch die normale Speisekarte und das Mittagsangebot. „Aber wir haben Umsatzeinbußen von circa 75 Prozent. Die Absagen kommen in rauen Mengen“, muss Inhaber Dirk Kowalke feststellen. Alle Tische bleiben in den Gasträumen stehen, manche werden aber nicht besetzt. „Das sind rund 90 Plätze weniger.“

Wer nicht auf die Fisch-Spezialitäten aus dem Lokal an der Hafenkante verzichten möchte, kann Speisen telefonisch bestellen und abholen. „Das gilt für alle Gerichte bis auf wenige Ausnahmen.“ Etwa 50 Angestellte hat Kowalke, seit Montag gilt für sie die Kurzarbeiterregelung, die finanzielle Hilfe der Bundesregierung vorsieht: „Ich möchte möglichst alle Mitarbeiter behalten, damit wir gemeinsam durch die Krise kommen.“

Für rund fünfmal so viele Angestellte trägt Peer Petersen die Verantwortung in seinen Betrieben The Locks, Wellingten und Mellinghus, Balducci und Neumann’s. Und der Gastronom wünscht sich klare Worte der Politiker: „Sie sind nicht resolut genug. Ein totaler Shutdown wäre wirtschaftlich perfekt. Dann greifen entsprechende Hilfsregelungen. Zurzeit ist die Situation unkalkulierbar, und wir haben mindestens 50 Prozent Umsatzeinbußen.“

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Störtebeker in der Elbphilharmonie ist geschlossen

Tische in seinen Lokalen bleiben stehen, werden aber nicht eingedeckt und mit einem „Reserviert“-Schild versehen. „Wir wollen ja ein gewisses Ambiente bieten und nicht wie ein Möbelladen im Ausverkauf aussehen“, sagt Petersen. Online kann man auch entsprechend weniger Plätze buchen. In normalen Zeiten werden rund 60.000 Gäste im Monat bewirtet. Beim Wareneinkauf passt sich der Chef an. „Unsere Aktionskarten laufen aus, wir reduzieren die Bestände.“

Für ihn ist es jetzt das Wichtigste, sich um sein Team zu kümmern: „Ich muss sicherstellen, dass es allen gut geht und wir das zusammen durchstehen.“

Im Hanoi Deli nahe dem Rathaus haben am Montag bis zu 90 Prozent weniger Gäste als sonst Mittag gegessen. „Wir haben nicht gedacht, dass es so schnell geht“, heißt es in dem Asia-Restaurant.

Geschlossen ist bereits das Störtebeker in der Elbphilharmonie, da das Konzerthaus und die Plaza für Besucher nicht mehr zur Verfügung stehen. Abgesagt wurde auch das längst ausverkaufte Koch-Festival „Pottkieker“ am 29. März in der Rindermarkthalle. Einen Ersatztermin gibt es nicht, alle Kunden bekommen ihr Geld zurück. Im Frühling 2021 soll das kulinarische Event wieder stattfinden.