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Von Mäusekonten und Mischfonds

Lesedauer: 8 Minuten
Steffen Preißler

Wollen Eltern oder Großeltern für Kinder Geld anlegen, gibt es viele Möglichkeiten - nicht alle sind gleich gut

Spätestens zur Schuleinführung steckt es in der Schultüte: ein Sparbuch. Denn Eltern oder Verwandte wollen, dass es ihren Kindern an nichts fehlt, und sorgen vor. Auch Geld, das die Kinder als Geschenk erhalten, kann mit einbezogen werden. Nach Erhebungen der Kids-Verbraucheranalyse 2012 bekommen die Sechs- bis 13-Jährigen zu Weihnachten, Ostern und zum Geburtstag durchschnittlich 210 Euro pro Jahr. Und auch vom Taschengeld lässt sich noch etwas abzweigen, "denn die Eltern sind wieder großzügiger geworden", sagt Ralf Bauer vom Egmont Ehapa Verlag, der die Studie herausgibt. So bekommt Deutschlands Nachwuchs so viel Taschengeld wie nie zuvor. Gut 27 Euro stehen Kindern zwischen sechs und 13 Jahren nach der Studie zur Verfügung und damit zehn Prozent mehr als 2011. "Rechnet man allein das Taschengeld und die Geldgeschenke der Kinder zusammen, so stehen dieser Gruppe 2012 insgesamt 2,87 Milliarden Euro zur Verfügung", erläutert Bauer.

Die derzeit extrem niedrigen Zinsen machen es allerdings nicht einfach, das Geld der Kinder ertragreich anzulegen, also so zu investieren, dass einerseits die Inflationsrate von aktuell 2,1 Prozent ausgeglichen und andererseits noch ein Ertrag erzielt wird. "Eltern sollten sich auf dem Markt für Geldanlagen sehr genau umsehen und auch auf das Kleingedruckte achten", sagt Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg. Gut aufgehoben ist das Geld zum Beispiel auf dem "Mäuse-Konto" der Hamburger Sparkasse (Haspa), denn für die ersten 500 Euro gibt es hier vier Prozent Zinsen. "83 000 junge Sparer haben das Produkt inzwischen", sagt Andre Grunert von der Haspa. Das Konto kann für Kinder von der Geburt bis zum 14. Lebensjahr genutzt werden. Wer mehr als 500 Euro parkt, erhält allerdings für den darüber hinausgehenden Betrag nur noch 0,3 Prozent Zinsen.

Auch die Hamburger Volksbank zahlt vier Prozent für die ersten 500 Euro; diesen Satz gibt es sogar bis zum Ende der Ausbildung. Die PSD Bank Nord hat ein attraktives Angebot für junge Sparer vom zehnten bis zum 25. Lebensjahr: Für sie gibt es ein Girokonto, auf dem die ersten 1500 Euro mit fünf Prozent verzinst werden, höhere Beträge jedoch nur noch mit 0,25 Prozent.

Niedrige Zinsen machen auch Banksparpläne nicht sehr attraktiv, da die Rendite bei vielen Angeboten unter drei Prozent bleibt (siehe Tabelle unten). Aber sie sind sicher und bequem für den Anleger: Er zahlt monatlich einen festen Betrag ab 25 Euro ein. Unterstellt wurde in der Tabelle, dass über einen Zeitraum von fünf Jahren monatlich 50 Euro gespart werden.

"Solche Banksparpläne sollten in der Regel nicht länger als sechs bis sieben Jahre laufen, im Ausnahmefall vielleicht einmal zehn Jahre, wenn ein hoher Zins das rechtfertigt", sagt Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg. "In Etappen sparen ist immer besser, als sich für einen unübersichtlichen Zeitraum zu binden." Sparer sollten deshalb immer fragen, ob sie auch vorher an das Geld kommen. Bei der VTB Direktbank gibt es zum Beispiel eine vierjährige Kündigungssperrfrist. Viele Sparpläne haben zudem nur eine Basisverzinsung von einem Prozent pro Jahr. Die höhere Rendite wird über einen Bonus erreicht, der mit der Laufzeit ansteigt. Bei vielen Angeboten ist der Zinssatz variabel, sodass er während des Sparvorgangs auch noch sinken kann.

Eine andere Möglichkeit ist, das Geld auf einem gut verzinsten Tagesgeldkonto anzusparen und dann in eine länger laufende Anlage mit höherer Verzinsung umzuschichten. In der Regel wird das ein Sparbrief sein. Über das Geld kann dann aber nicht vorzeitig verfügt werden. Die höchsten Zinsen bei drei oder fünf Jahren bietet derzeit die Von Essen Bankgesellschaft, die dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken angehört. Für fünf Jahre beträgt der Zinssatz 3,4 Prozent und für drei Jahre 2,75 Prozent. Mindestanlage: 2500 Euro.

Eine höhere Rendite gibt es nur bei höherem Risiko. Wenn für die Kinder langfristig gespart werden soll, kann ein Investmentsparplan eingerichtet werden. Das Geld fließt dann in Aktien- oder Mischfonds, die eine höhere Rendite als Sparprodukte bringen können. Mischfonds legen das Geld breit gestreut an und sind daher nicht ganz so risikoreich. Viele Direktbanken wie Comdirect oder Direkt Anlage Bank bieten auch kostenlose Depots für Minderjährige und eine große Fondsauswahl mit reduziertem Ausgabeaufschlag. Einmal im Jahr sollte man überprüfen, ob sich der Fonds noch im oberen Mittelfeld befindet. Sonst sollte er gegen einen besseren ausgetauscht werden. Wird das Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigt, sollten die Anteile etwa drei Jahre vorher in schwankungsärmere Investmentfonds umgeschichtet werden, raten Experten.

Seit die Überschussbeteiligung der Lebensversicherung immer geringer ausfällt, hat auch die Ausbildungsversicherung an Bedeutung verloren. Denn das ist nichts anderes als eine Lebensversicherung, die schon mit 18 oder 20 Jahren ausgezahlt wird. "Ohnehin sind diese Produkte wegen mangelnder Flexibilität und hohen Abschlusskosten nicht empfehlenswert", sagt Castello. Die Versicherungen bieten deshalb jetzt Rentenversicherungen an, die die Großeltern für die Enkel abschließen sollen und die später von den Enkeln selbst weitergeführt werden. "Finger weg von solchen über Jahrzehnte laufenden Verträgen, denn es gibt keine Wechselmöglichkeiten", sagt Castello. Die Assekuranz peppt diese Enkel-Vorsorge mit zahlreichen Leckerbissen auf, die die Flexibilität der Produkte unterstreichen sollen. "Je mehr Zusatzbausteine, umso weniger Geld fließt in den Spartopf, denn alles muss finanziert werden", sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. "Großeltern sollten wegen ihres Alters ohnehin nicht die Versicherungsnehmer sein, denn das schmälert die Rendite aufgrund ihres hohen Risikoanteils bei diesen Policen zusätzlich."

Wer für seine Kinder früh einen finanziellen Grundstock legt, sollte auch an die Steuern denken. Damit das Geld auch wirklich für den Nachwuchs zur Verfügung steht, ist es gut, Konto oder Depot auf den Namen des Kindes einzurichten. Dann kann es auch seine Freibeträge voll ausnutzen - denn jedes Kind hat einen eigenen Sparerpauschbetrag von 801 Euro im Jahr. Bis zu dieser Höhe sind Zinseinkünfte und Kapitalerträge steuerfrei. Damit können 32 000 Euro zu 2,5 Prozent pro Jahr angelegt werden. Die Eltern müssen dazu bei der Bank einen Freistellungsauftrag für das Kind stellen.

Wird das Konto auf den Namen des Kindes geführt, steht es ihm auch zu. Die Eltern dürfen es zwar bei Minderjährigen verwalten, das Geld aber nicht für ihre Zwecke nutzen. Sobald das Kind volljährig ist, kann es selbst über die Ersparnisse verfügen.

Fallen die Kapitalerträge des Kindes, etwa durch größere Schenkungen, doch höher als 801 Euro pro Jahr aus, können auch solche Stummen steuerfrei vereinnahmt werden: Hat der Nachwuchs noch kein eigenes Einkommen, lässt sich auch der Grundfreibetrag von 8004 Euro jährlich für Kapitalerträge nutzen. Dazu muss eine sogenannte Nichtveranlagungsbescheinigung beim Finanzamt beantragt werden. Sie ist mehrere Jahre gültig und wird der Bank vorgelegt. Diese führt dann auch keine Abgeltungsteuer ab, wenn der eigentliche Freibetrag von 801 Euro schon überschritten ist. Seit diesem Jahr muss auch nicht mehr befürchtet werden, dass hohe Kapitaleinkünfte des Sprösslings den Bezug des Kindergeldes oder den Kinderfreibetrag gefährden.