Wegen Corona

In Bergedorfs Seniorenheimen wachsen die Sorgen

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Anne K. Strickstrock
Mehrer Bewohner eines Seniorenheims in Wentorf (Herzogtum Lauenburg) sind im März an Corona erkrankt gewesen. Sie wurden in ein Krankenhaus eingeliefert.

Mehrer Bewohner eines Seniorenheims in Wentorf (Herzogtum Lauenburg) sind im März an Corona erkrankt gewesen. Sie wurden in ein Krankenhaus eingeliefert.

Foto: christoph leimig / Christoph Leimig

Pflegeheimbetreiber wollen eine Isolation wie beim ersten Lockdown vermeiden. Mehr Tests und schnellere Ergebnisse gefordert.

Bergedorf. Die Anspannung ist hoch, die Sorge vor einer zweiten Corona-Welle wächst auch in Bergedorfs Alten- und Pflegeheimen: „Wir wollen eine Isolation wie beim ersten Lockdown unbedingt vermeiden“, sagt Dr. Henning Scheer, Sprecher von pflegen & wohnen. Das Unternehmen betreibt 13 Einrichtungen in Hamburg, darunter das Bergedorfer Moosberg-Heim (218 Bewohner). Dort hatte sich kürzlich ein Verdachtsfall glücklicherweise nicht bestätigt. „Auf jeden Fall hätten wir gern mehr Tests und schnellere Ergebnisse“, so Scheer.

Für Donnerstag hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Verordnung angekündigt, wonach den Senioreneinrichtungen ein monatliches Kontingent an Schnelltests für Besucher, Bewohner und Beschäftigte finanziert werden soll. Geplant sind bis zu 50 Tests pro Bewohner. Anders als bei den üblichen Virus-Tests (PCR-Tests) könnten Ergebnisse der Antigentests bereits nach wenigen Minuten vorliegen.

Bergedorfer Seniorenheime wollen keine erneute Isolation

„Die Länder müssen klarstellen, wer die Tests durchführen darf, ob wir unser Personal extra schulen müssen. Schade, dass nicht schon vorher darüber nachgedacht wurde“, meint Vera Lütke Wissing. Die Leiterin des Bergedorfer Behrmann-Stifts betont, dass Apotheken schon für 10 Euro Schnelltests verkaufen, die Träger sozialer Einrichtungen bloß auf eine verbindliche Erlaubnis warten: „Grünes Licht für einen Schnelltest wäre ein Segen und eine große Erleichterung für uns.“ Eine zügige Gewissheit würde die Nerven entlasten, schließlich seien gerade 14 Hamburger Heime von Corona betroffen.

Wenn inzwischen auch die Lager mit Schutzmasken, Brillen und Kitteln gut gefüllt sind, ist der Mehraufwand zu Corona-Zeiten enorm, wachsen die Überstunden: „Wir messen täglich bei jedem Bewohner und allen Mitarbeitern die Temperatur und melden jeden Verdachtsfall dem Gesundheitsamt“, sagt Lütke Wissing. Die 106 Senioren essen nicht mehr alle gemeinsam in einem Speisesaal, eine zusätzliche Kraft wird in der Küche eingesetzt. Zudem muss sich jeder Besucher für bestimmte Zeiten anmelden und wissen, dass selbst genähte Masken nicht ausreichend sind.

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Dilemma mit der Inkubationszeit bleibt

„Es ist eine hochgradige Belastung für alle“, sagt auch Albrecht Borowski, der das Elim-Seniorenheim mit 128 Plätzen Am Güterbahnhof führt. Ein Schnelltest könne zumindest dazu führen, dass die richtigen Bereiche zügig isoliert würden. Allerdings bleibe das Dilemma mit der Inkubationszeit – auch bei den Pflegekräften: „Letztlich müssen wir eine Quarantäneregelung haben und können doch gleichzeitig auf keinen einzigen Mitarbeiter verzichten“, so Borowski. Er hoffe vielmehr geduldig auf einen Impfstoff – und „auf einen anständigen, flächendeckenden Tarif, damit sich der eklatante Fachkräftemangel entspannt“.