Coronavirus

Häufig Hirnschäden durch Corona? UKE widerspricht Lauterbach

Foto: picture alliance / Sven Simon

Laut dem Chef-Neurologen am UKE gibt es noch keine wissenschaftlichen Daten zu Spätfolgen. Ein weiterer Experte wird noch deutlicher.

Hamburg. Für Aufsehen hatte am Wochenende Karl Lauterbach, Bundestagsabgeordneter der SPD und Gesundheitsexperte seiner Partei, mit seiner Einschätzung zu möglichen Spätfolgen von Corona gesorgt. „Die Menschen müssen verstehen, dass Covid-19 nicht nur zum Tod führen kann. Viele von denen, die es überleben, werden bleibende Schäden behalten und erhebliche Behinderungen erleiden“, sagte Lauterbach der „Passauer Neuen Presse“. Der Politiker und Mediziner sagte weiter: „Viele Ältere, die es überstehen, werden danach ein Pflegefall sein. Die Muskulatur und die Hirnleistung werden abgebaut.“

Auf Abendblatt-Anfrage erklärte dazu Prof. Christian Gerloff, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie im UKE: „Wir haben noch keine belastbaren wissenschaftlichen Daten zu spezifischen Covid-19-Spätfolgen, schon gar nicht in Bezug auf das Gehirn. Die meisten Patienten machen die Infektion als eher milde Erkrankung der Atemwege durch und wir haben keinen Grund anzunehmen, dass diese Patienten Spätschäden des Nervensystems davontragen könnten.“

Vielzahl von Schäden nach masssivem Sauerstoffmangel möglich

Richtig sei zwar, dass der Virus über Rachen- und Nasenraum eintrete und häufig Riechstörungen verursache: „Riechen ist eine Leistung des Gehirns, insofern ist also das Gehirn vom Virus schon früh betroffen. Bei anderen viralen Erkrankungen der Atemwege sind diese Störungen aber typischerweise nur vorübergehend und es kommt nicht zu einer schweren Gehirnentzündung.“

Zu einer „Vielzahl von Schäden“ – auch für das Nervensystem - könne es dagegen bei „schwerstkranken“ Corona-Patienten kommen, wenn sie etwa zeitweise unter massivem Sauerstoffmangel gelitten hätten. „Deswegen ist es ja so wichtig, dass nicht zu viele Menschen gleichzeitig erkranken und wir genügend Intensivkapazitäten in den Krankenhäusern haben, um genau solche Komplikationen zu vermeiden“, sagt Gerloff.

Neurowissenschaftler findet deutliche Worte für Lauterbach

Gegenüber Focus Online hatte bereits der Neurowissenschaftler Prof. Ernst Pöppel Lauterbach scharf kritisiert: „Das ist Schwachsinn. Herr Lauterbach hat von Hirnforschung offenkundig keine Ahnung.“ Der ehemalige Professor für Medizinische Psychologie an der Universität München sagte weiter:

„Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Hirnleistung verschlechtert ebenso hoch, wie dass sie gleichbleibt oder sich verbessert – wir haben einfach noch keine Daten.“ Es sei ungeheuerlich, mit einer solchen Äußerung an die Öffentlichkeit zu gehen: „Es ist Angst, reine Panikmache, die er da in die Welt hinausträgt. Wer sich so verhält, sollte sein politisches Amt niederlegen.“