Konzert-Tipp

Die Hamburger Punkband Slime in der Großen Freiheit

Foto: dpa Picture-Alliance / Jazz Archiv/Rainer Merkel / picture alliance / Jazzarchiv

Einen der größten Erfolge ihrer langen Karriere hat die Hamburger Punkband Slime gerade erst errungen: Am Millerntor, dem Stadion des FC St. Pauli, hat ihr Song „Let’s Get United“ das überaus beliebte „Antifa Hooligans“ von Los Fastidios als Einlaufmusik zur zweiten Halbzeit abgelöst. Was allerdings selbst die Italiener von Los Fastidios kaum schmerzen dürfte, sind sie an diesem Solidaritätssong mit dem Gänsehaut-Refrain doch selbst beteiligt. Ebenso übrigens wie The Wakes (Glasgow) oder Irie Révoltés (Heidelberg). Hoch die internationale Solidarität? Hier wird’s gelebt.

St.-Pauli-Fans sind Slime schon seit Jahrzehnten – auch wenn sich auf ihrem ‘82er Album „Yankees raus“ die HSV-Fan-Hommage „Block E“ fand. Aber das waren eben noch andere Zeiten. Zeiten, in denen Fußball der linken Szene ohnehin eher suspekt war und der FC St. Pauli nicht nur bundesweit, sondern auch in Hamburg so gut wie keine Rolle spielte. Das kam ja erst, als die Hafenstraßler den Club für sich entdeckten und die erste Totenkopf-Flagge im Stadion wehte. Heute gehören Sänger Dirk „Dicken“ Jora & Co. zur St.-Pauli-Folklore, sind Teil der aktiven Fan­szene und dürften zum inzwischen traditionellen Jahresabschluss-Konzert wieder jede Menge St. Pauli-Fans in die Große Freiheit 36 locken.

Natürlich geht es dann nicht ohne unkaputtbare Gassenhauer aus mehr als 35 Bandjahren. „Alle gegen alle“, „Störtebecker“, „Deutschland“, „A.C.A.B.“ und „Legal, illegal, scheißegal“ gehören dazu. Ein Klassiker ist auch die Nummer „Linke Spießer“, mit typischem Slime-Klartext: „Sozialarbeiter und Studenten/Ihr seid so frei und unverklemmt/Ihr seid sozial auch sehr gut drauf/Doch ihr habt eure Seele dem System verkauft“.

Eine Oldies-Abspielstation für Beschwörer einer glorreichen Vergangenheit ist Slime dennoch nicht, dafür sind auch die neueren Alben viel zu gut. Immerhin gehört eine Nummer wie „Let’s Get United“ zu den absoluten Karriere-Highlights und nimmt dabei auch noch ein brandaktuelles Thema auf: Die Notwendigkeit, angesichts eines nicht nur europäischen Rechtsrucks zusammenzustehen. Nicht nur im Stadion, auch auf der Straße.

Slime Fr 22.12., 19 Uhr, Große Freiheit (U St. Pauli), Karten zu 22,70 Euro im Vorverkauf