Bildung

Schleswig-Holstein: CDU mit Plänen für G9-Abi in der Kritik

Der schleswig-holsteinische CDU-Fraktionsvorsitzende Daniel Günther

Der schleswig-holsteinische CDU-Fraktionsvorsitzende Daniel Günther

Foto: Carsten Rehder / dpa

SPD sieht durch Vorstoß für längere Gymnasialzeit Schulfrieden gefährdet. Zum Parteitag wird Angela Merkel in Neumünster erwartet.

Kiel. Die schleswig-holsteinische CDU will im Falle eines Wahlsiegs bei der Landtagswahl am 7. Mai an Gymnasien wieder das Abitur nach neun Jahren verbindlich einführen. Die Argumente, mit denen sich auch die Union vor Jahren für das G8-Abitur eingesetzt hatte, seien nicht mehr aktuell, sagte der CDU-Landesvorsitzende und designierte Spitzenkandidat, Daniel Günther.

Die Wehrpflicht sei entfallen und der sogenannte Bologna-Prozess habe zu kürzeren Studienzeiten geführt. Daher dauere es in Deutschland im europäischen Vergleich nicht mehr zu lange, bis junge Menschen ins Berufsleben starteten. Im Vordergrund müsse jetzt stehen, die Gymnasiasten mit einer längeren Gymnasialzeit wieder fit für die Uni zu machen, sagte Günther.

Große Defizite bei den Schülern

Derzeit gebe es hier große Defizite: „Es kann nicht sein, dass Abiturienten nach acht Jahren Schulzeit Eingangskurse an den Universitäten machen, um dort Rechnen, Schreiben und Lesen zu lernen.“ In Schleswig-Holstein ist das G9 zurzeit zwar Standard an den Gemeinschaftsschulen. Fast alle Gymnasien haben aber G8, elf noch G9 und vier Gymnasien bieten beide Optionen an.

Als Aufkündigung des Schulfriedens und unnötige Strukturdebatte lehnten die SPD und Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) den Vorstoß ab. Auch die FDP, Wunschpartner der CDU im Falle eines Wahlsieges, ging auf Distanz. Dagegen begrüßte der Philologenverband die CDU-Pläne als „eine überfällige Korrektur zum Wohle“ der Schüler.

Kritik von der GEW

Die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke sagte, „G8/G9 ist zurzeit an den Schulen kein Thema. Die meisten Gymnasien haben sich mit G8 arrangiert. Da würde eine Rückkehr zu G9 an den Schulen nur unnötige Unruhe bringen. Wir können doch nicht von Wahlperiode zu Wahlperiode das Bildungssystem in elementaren Punkten grundlegend umkrempeln. Wichtiger als ein Wechsel von G8 zu G9 sind bessere Arbeitsbedingungen für die Lehrkräfte und bessere Lernbedingungen für Schülerinnen und Schüler.“

Die schulpolitische Wende der CDU sieht außerdem die Wiedereinführung von Schulartempfehlungen vor. Diese sollen aber nicht verbindlich sein, sondern den Eltern jede Freiheit lassen, erläuterte ein CDU-Sprecher auf Nachfrage. Unter der jetzigen Regierung von SPD, Grünen und SSW wurde die Schulartempfehlung durch ein obligatorisches Elterngespräch über den Leistungsstand ihres Kindes ersetzt.

Inklusion auf dem Prüfstand

Das gemeinsame Lernen von Kindern ohne und mit Behinderung an den Schulen hat sich nach Auffassung der CDU nicht überall bewährt. Lehrer und Kinder seien in manchen Fällen überfordert. Daher sollten wieder mehr Kinder mit Behinderungen in Förderzentren unterrichtet werden, wo sie mit Fachpersonal bessere Chancen hätten, sagte Günter. „Wenn dadurch die Inklusionsquote insgesamt sinkt, halte ich dies für hinnehmbar“, sagte Günther.

Auch bei der Lehrerausbildung will die CDU zurück zur früheren Gymnasiallehrer-Ausbildung. So soll an der Universität Kiel wieder eine reine Gymnasiallehrer-Ausbildung eingeführt werden. Dort ist geplant, im Wintersemester 2017/18 die Ausbildung auf schulartübergeifende Stufenlehrer umzustellen (Sekundar- I und Sekundarstufe II).

"Führungsstil von Donald Trump"

„Die CDU kündigt den Schulfrieden auf“, kritisierte SPD-Fraktionschef Ralf Stegner. „Jetzt beginnt wieder eine Debatte um das Schulsystem – nicht im Dialog mit der Basis, sondern auf Ansage von oben – der Oppositionsführer orientiert sich offenbar an dem Führungsstil von Donald Trump.“

FDP-Landtagsfraktionschef Wolfgang Kubicki betonte: „Wir bleiben dabei, dass wir es Eltern, Schülern und Lehrern überlassen wollen, welches Modell sie an ihren Gymnasien – G8, G9 oder G-Y – für das richtige halten.“ Bildungsministerin Ernst äußerte Unverständnis: „Die Schulen in Schleswig-Holstein brauchen keine neue Strukturdebatte.“ Priorität habe die Unterrichtsversorgung und die Gewinnung guter Lehrkräfte für alle Regionen des Landes.

Die Qualität des Unterrichts sei gestiegen. Die aktuelle IQB-Schulleistungsstudie bescheinige den Schülern im Norden „teilweise Spitzenergebnisse im Ländervergleich“.

Parteitag in Neumünster

Schleswig-Holsteins CDU kommt am heutigen Freitagabend (18 Uhr) in Neumünster zu einem zweitägigen Landesparteitag zusammen. Dabei sollen die Weichen für die Landtagswahl am 7. Mai und für die Bundestagswahl am 24. September gestellt werden. Zum Auftakt wird am Freitagabend die Kandidatenliste für die Bundestagswahl aufgestellt. Am Sonnabend spricht Bundeskanzlerin Angela Merkel vor den rund 240 Delegierten. Am gleichen Tag soll Günther zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl gekürt werden.