Projekt

Hamburger Schüler lernen im "Segelnden Klassenzimmer"

Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland, darunter sechs aus Hamburg, starten Sonnabend auf der "Johann Smidt" von Hamburg aus auf große Fahrt

Foto: MBodenstein/CLIPPER Deutsches Jugendwerk zur See e.V.

Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland, darunter sechs aus Hamburg, starten Sonnabend auf der "Johann Smidt" von Hamburg aus auf große Fahrt

Sie gehen mit Jugendlichen aus ganz Deutschland sechs Monate auf große Fahrt. Die Hochseeschüler navigieren nach kurzer Zeit selbst.

Sechs Monate lang werden vom kommenden Sonnabend an sechs Hamburger Schülerinnen und Schüler an Bord des Zweimasters "Johann Smidt" um die Welt segeln. Auf einem traditionellen Großsegler werden sie den Atlantik überqueren, gemeinsam Stürmen trotzen, ferne Länder entdecken, Menschen am anderen Ende der Welt kennenlernen und dabei die eigenen Stärken und Grenzen erfahren: Das ist die High Seas High School – das von der Hermann-Lietz-Schule Spiekeroog initiierte segelnde Klassenzimmer.

Am Sonnabend, 8. Oktober, startet der 24.Törn der High Seas high School (HSHS) um 9.30 Uhr in Hamburg (Sandtorhöft, Kehrwiederspitze). An Bord des Topsegelschoner 'Johann Smidt' brechen dann 26 Schülerinnen und Schüler auf über den Atlantik nach Mittelamerika, darunter Zehntklässlerin Claire vom Johanneum in Hamburg, Damaris vom Gymnasium Grootmoor, Zehntklässlerinnen Johanna vom Wilhelm-Gymnasium und Karla vom Gymnasium Meiendorf. Dabei sind auch Sonja von der Französischen Schule Hamburg und Tesse vom Waddörfer Gymnasium. Auf der Homepage des Projekts stellen sich alle Teilnehmer vor. Dort werden auch die Hamburger Schüler im Blog von ihren Erfahrungen und Abenteuern während der Reise berichten.

Bewerben für das Segelprojekt konnten sich deutschlandweit Neunt- und Zehntklässler. Voraussetzungen für die Teilnahmen waren allerdings nicht nur gute Noten. Neugier und Interesse an anderen Ländern, Kulturen und Menschen, Verantwortungsbewusstsein, Engagement im sozialen, sportlichen oder kulturellen Bereich wurden erwartet. Nur Segelkenntnisse waren nicht erforderlich.

Segelsetzen, steuern, das Wetter lesen, die Gezeiten verstehen

Der Hamburger Verein "Clipper Deutsches Jugendwerk zur See" veranstaltet die Schülerreise. Der erste Stopp nach Hamburg ist Teneriffa. Von dort aus geht es in die Karibik, nach Panama und Kuba und wieder zurück nach Deutschland. Segelsetzen, steuern, das Wetter lesen, die Gezeiten verstehen, navigieren: Das alles übernehmen die Hochseeschüler nach einigen Wochen selbst, bei Tag und Nacht, Wind und Wetter. Über sechs Monate lang sind die Jugendlichen unterwegs; in Lateinamerika erkunden sie den Regenwald, arbeiten auf einer Finca mit, lernen Tauchen und leben in Gastfamilien – eine echte Entdeckungsreise. Entstehungsgeschichte

Zum ersten Mal stach die High Seas High School 1993 in See; der damalige Leiter der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog, Hartwig Henke, hatte sich das mutige Unterfangen ausgedacht – ganz im Sinne des Lietzschen Mottos: Lernen mit Kopf, Herz und Hand.

Ziele des Segelprojekts

Verantwortung übernehmen: Beim gemeinsamen Manövrieren und Navigieren lernen die Schüler, Verantwortung für sich und die Gemeinschaft zu tragen. Herausforderungen meistern: An Bord wird jede Hand gebraucht, um den Kräften der Natur zu trotzen. Das macht selbstbewusst, belastbar und gelassen. Mathematik, Biologie und Geschichte zum Anfassen: Bei der HSHS wird Bücherwissen lebendig, die Schüler entdecken neue Motivation und Freude am Lernen. Andere Menschen und Kulturen kennenlernen: In der Karibik, in Costa Rica oder Kuba lernen die Jugendlichen, fremde Menschen zu verstehen – ganz wörtlich, indem sie deren Sprache üben, und im übertragenen Sinn, indem sie eine Zeit lang in deren Gemeinschaft leben.

Lernen unter Segeln

Während des Törns kommt der Schulunterricht nicht zu kurz, im Gegenteil: Mathematik und Physik werden beim Segeln und Navigieren lebendig, Erdkunde zum Anfassen bieten Regenwald-Expeditionen, Geschichte und Politik lassen sich auf historischen Routen großer Entdecker nacherleben, Biologie wird in Tauchkursen zum Abenteuer. An Bord unterrichten vier Lehrer. "Die meisten Schüler kommen von der großen Fahrt ins Leben gereifter, stärker und gelassener zurück", so Florian Fock, Schulleiter der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog. Die Teilnehmer nehmen die Erfahrungen des sechsmonatigen Segeltörns mit ins Leben und gehen meist als gestärkte Persönlichkeiten hervor, die ein Pflichtbewusstsein für sich und andere entwickelt haben und Ihre Stärken und Schwächen kennen.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.