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Wie teuer darf der Profifußball sein?

Bayern und Bremen eröffnen die 54. Bundesligasaison – Transferkosten, Gehälter und Ticketpreise steigen.

Umfragen gehen ja immer. Ganz besonders vor dem Start einer Bundesligasaison, um allerhand Interessantes, aber auch Belangloses zu verkünden. So fand das berufliche Online-Netzwerk Xing bei einer Analyse seiner Mitgliederprofile heraus, dass der SC Freiburg die klügsten Anhänger habe, weil 73,4 Prozent der Anhänger mit Xing-Konto einen Hochschulabschluss besitzen, Beim HSV (Rang 16) sind es nur 63,5 Prozent. Wieder nur der Relegationsrang – der HSV wird es in diesem Fall locker verschmerzen können. Spannender sind da die Ergebnisse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und Unternehmensberatung PwC, die nach einer Befragung unter Dauerkartenbesitzern herausgefunden hat, dass der Fußballfan im Schnitt 326 Euro für sein Saisonticket investiert sowie 700 Euro für Essen und Getränke und 85 Euro für Fanartikel. Ergibt rund 1100 Euro.

326 Euro – dafür sitzt man bei den 17 Heimspielen des HSV in den hohen C-Rängen der Nord- oder Südtribüne. Wer es komfortabler haben will und die teuerste Preisklasse (ohne VIP-Bereich) wählt, muss 805 Euro hinlegen (Mitglieder 785). Um beim Topspiel gegen die Bayern nah dran sein zu können, sind 95 Euro fürs Einzelticket zu zahlen.

An Preiserhöhungen haben sich die Hamburger dabei fast schon gewöhnt, in diesem Jahr versehen mit der Begründung, dass die Sicherheitskosten gestiegen seien. Na ja. Deutlich hörbarer wurde das Grummeln der Basis, als der HSV eine Mindestnutzung der Dauerkarte einführte. Wer nicht zwölf der 17 Heimspiele besucht oder für Ersatz sorgt, droht sein Recht auf seine Jahreskarte zu verlieren. Eine Art von Bevormundung, die zwar nicht einzigartig ist in der Liga, aber doch äußerst diskutabel.

Immer neue Preisrunden oder Vorschriften kratzen an der Treue der HSV-Anhänger. Noch ist der Rückgang der Zuschauerzahlen überschaubar. Sollten aber die sportlichen Leistungen – gerade in den Heimspielen – nicht spürbar anziehen, könnten die Reaktionen der Fans heftiger ausfallen. Die (finanziellen) Anstrengungen beim HSV waren dank Investor Kühne zwar gewaltig, um eine nachhaltige Trendwende einzuleiten. Aus den Transfers einen Automatismus abzuleiten wäre aber naiv.

Die Preise auf dem Markt seien explodiert, hat Dietmar Beiersdorfer gesagt. 48 Millionen Euro für Leroy Sané (ManCity), 42 Millionen Euro für Henrich Mchitarjan (ManU), 45 Millionen Euro für Granit Xhaka (Arsenal) oder 35 Millionen Euro für Mats Hummels (FC Bayern), das sind die irren Transfersummen für heiß gehandelte Spieleraktien. Doch auch die Kurse für Profis der mittleren Kategorie haben angezogen, stolze 14 Millionen Euro musste der HSV für Filip Kostic hinlegen.

Und das war erst der Aufgalopp, bevor der neue milliardenschwere Medienvertrag im kommenden Jahr greift und für neue Transferrekorde und höhere Gehälter der Spieler sorgen wird.

Betrug der Anteil der medialen Verwertung an den Gesamterträgen rund 28 Prozent, so wird er ab 2017 auf deutlich über 30 Prozent steigen. Spielerträge (bisher 19 Prozent) werden im Verhältnis an Gewicht verlieren. Daran sollten die Clubchefs denken, wenn sie das nächste Mal über eine Preiserhöhung für ihre Anhängerschaft reden. Sie riskieren für einen verhältnismäßig kleinen Betrag, dass sich der Fan abwendet, weil er keine Lust hat, wegen immer teurerer Profiverträge mehr zu bezahlen.

Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zeigte, wie der Spagat gelingen kann, im knallharten Ausscheidungskampf vorne zu liegen und dennoch die Kundschaft zu pflegen: Während der Bilanzpressekonferenz (376 Millionen Euro Umsatz) kündigte der BVB-Macher an, die Preise für Tickets in den kommenden Jahren stabil zu halten und allenfalls um die Inflationsrate zu erhöhen.

Denn ein Detail der PwC-Umfrage sollte allen Clubs ein Warnsignal sein: 70 Prozent aller Dauerkartenbesitzer sehen die beschlossene Einführung von Montagsspielen kritisch, 44 Prozent von ihnen lassen offen, ob sie sich dann eine Jahreskarte kaufen werden. Alles lassen die Fans eben nicht mit sich machen.