Zum 100. Geburtstag von Eric Warburg

Sein Herz gehörte immer Hamburg

Von GÜNTER STILLER

"Eric Warburg - das ist Hamburg!", hat Elsbeth Weichmann, die Frau des großen Hamburger Bürgermeisters, über den Mann vom Jahrgang 1900 gesagt, der immer so alt wie sein Jahrhundert gewesen ist. Am 15. April wäre Eric Warburg 100 Jahre alt geworden - und wenn man heute den Menschen, die diesen "Abenteurer des Jahrhunderts" gekannt haben, zuhört, ist es so, als wäre er noch unter uns . . .

"Ich war wie ein Fisch in stürmischer See - mal auf den Wellen, mal in den Wellentälern", hat er über sein Leben gesagt.

"Eric M. Warburg wurde am 15. April 1900, an einem Ostersonntag geboren. Fortan stand auf seinem Geburtstagstisch auf dem Kösterberg jener Stoffhase, den ihm die Eltern am Tag der Geburt in die Wiege gelegt hatten. Dieser Spross einer jüdischen Bankierfamilie aus dem westfälischen Warburg, die im Dreißigjährigen Krieg nach Hamburg und ins dänische Altona gezogen war, war aus dem Stoff, aus dem Legenden entstehen:

Der Mitinhaber der Familienbank, Sohn eines Vaters, der als "ungekrönter König von Hamburg" galt, floh 1938 - 47 Tage vor der so genannten "Reichskristallnacht", in der die Synagogen brannten - in seinem Segelboot nach Schweden und begann von dort aus seine gefahrvolle Reise in die Geschichte:

In den USA reihte sich der ehemalige Offizier der Preußischen Garde im Ersten Weltkrieg in den Kampf gegen die Nazis ein - als Nachrichtenoffizier der US-Luftwaffe und als Berater amerikanischer Spitzenpolitiker. 1943 wehrte er sich vehement gegen alliierte Pläne, Hamburg, Schleswig-Holstein und den "Kieler Kanal" in sowjetische Hände fallen zu lassen und schlug stattdessen vor, Hamburg (oder Bremerhaven) als US-Nachschubbasis einzurichten.

Er war bei der Invasion dabei und bei der Befreiung von Paris. Er sorgte für die überlebenden Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944, vernahm in Augsburg zwanzig Stunden lang Hermann Göring, den Reichsmarschall des untergegangenen "Dritten Reiches", und holte Hunderte deutscher Wissenschaftler aus Mitteldeutschland in den sicheren Westen. Als er im Frühsommer 1945 das zerstörte Hamburg zum ersten Mal wiedersah, gestand er einem Freund, dass er sich gewünscht habe, weinen zu können.

Sein Leben danach galt der Familie, der Familienbank, der Förderung der Wissenschaften, der Wohltätigkeit, der Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen.

"Die jetzige Generation ist nicht verantwortlich für das, was geschah. Sie hat aber dennoch das Privileg, wegen des Geschehenen zu erröten", sagte er.

Er gründete jene Atlantik-Brücke, die US-Botschafter John C. Kornblum vor kurzem als "eines der Fundamente der 50-jährigen Freundschaft zwischen den USA und Deutschland" bezeichnet hat.

Wer dieser Mann war und für was er stand, hat Bundespräsident Richard von Weizsäcker in Hamburg so ausgedrückt:

"An Eric Warburg wird deutlich, wie sehr es gerade auch für die großen Aufgaben der Völkerfreundschaft auf die ganz persönlichen Eigenschaften der Menschen ankommt, die ihnen dienen. Eric Warburg ist ein der Vernunft, der Toleranz und der persönlichen Bescheidenheit verpflichteter Hanseat. Immer ist seine Einstellung zum Leben positiv, sein Sinn auf praktische Lösungen gerichtet, sein Wesen voller Humanität, seine Güte hinter einem tiefen Humor verborgen. ,Sich etwas nützlich zu machen' - damit bringt er in klassischem Understatement seine Lebensmaxime auf den Begriff."

Eric M. Warburg, gestorben am 9. Juli 1990, ruht in seiner Vaterstadt Hamburg, der, wie er sagte, sein Herz gehört hat.

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