Wer Personenschützer werden will, muss körperlich und geistig fit sein, um den Ansprüchen der Kunden zu genügen

Bodyguards: Erfahrung zählt

Von HOLMER STAHNCKE

Als die amerikanische Pop-Sängerin Cher mit ihrer Show auf Welttournee war, war der Hamburger Horst Rütten stets in ihrer unmittelbaren Nähe. Dennoch widmete die Boulevardpresse ihm keine Zeile. Denn Rütten hielt sich im Hintergrund. Als Personenschützer war er mit einem Kollegen für die Sicherheit des Stars verantwortlich. Und da muss man zwar stets alles im Auge haben, aber nicht unbedingt jedem ins Auge fallen.

Horst Rütten hat sich 1996 als Personenschützer selbstständig gemacht und die Agentur I.B.S., die Internationale Bodyguard- & Sicherheitsagentur gegründet. Im selben Jahr schloss er sich mit einigen anderen Unternehmen zum Bundesverband Deutscher Personenschützer und Sicherheitsberater (Tel. 30 10 - 41 15 oder - 42 88) zusammen. Dazu Rütten: "Wir haben diese Interessenorganisation nicht als Verein organisiert, damit wir nicht jeden aufnehmen müssen, sondern einen strengen Qualitätsmaßstab anlegen können."

Qualität ist ein Wort, das immer wieder fällt, wenn Rütten über die Arbeit der Personenschützer spricht. Der Markt der so genannten Ausbildungsinstitute auf diesem Sektor sei sehr groß. Da würden im Jahr bis zu 300 Personenschützer ausgebildet, die dann Arbeit suchten. Behaupten könne sich aber nur derjenige, der hohe qualitative Ansprüche erfülle: "Darauf haben unsere Kunden ein Recht."

Anfangs hätten sich beim Bundesverband 150 bis 180 Interessenten im Jahr beworben, um sich als Personenschützer ausbilden zu lassen. Darunter seien viele Möchtegern-Bodyguards gewesen, deren Berufsbild von spektakulären Hollywood-Filmen geprägt worden sei. Deshalb ging man dazu über, Bewerbern nicht einfach die Unterlagen zuzuschicken, sondern sie erst einmal zu einem Vorstellungsgespräch zu laden. "Wir bieten im Jahr zwei Lehrgänge an, für die wir jeweils maximal zwölf Teilnehmer zulassen", sagt Horst Rütten. "Anders ist Qualität nicht zu gewährleisten."

In der Ausbildung wird unter anderem Schießen, Fahren mit gepanzerten Limousinen und Erste Hilfe erlernt, aber auch Theoretisches wie Rechtskunde oder Gefahrenanalyse. Bevor man sein Diplom erhält, muss man auch Klausuren bestehen. Warum die Theorie alles andere als grau, sondern überlebenswichtig ist, erläutert Holger Stippen, der als Ausbilder und Personenschützer bei Pütz-Objektschutz arbeitet: "85 Prozent bei einem Auftrag ist Vorbereitung. Wenn es soweit kommt, dass man zur Waffe greifen muss, hat man etwas falsch gemacht."

Viele professionelle Personenschützer sind beruflich vorgeprägt, sei es, dass sie beim Bundesgrenzschutz oder bei der Polizei waren. Doch ist das keine Bedingung. Voraussetzung ist allerdings Lebenserfahrung. "Unsere Kunden wollen Personenschützer, die erfahren sind und sich nicht von Nebensächlichkeiten ablenken lassen", sagt Rütten. Das ideale Bewerbungsalter liege zwischen 23 bis 25 Jahren. Auch sollte man über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen und mindestens eine oder zwei Fremdsprachen beherrschen. Körperliche Fitness verstehe sich in diesem Beruf von selbst, nicht zuletzt, weil ein Arbeitstag sehr lang dauern könne. Und auch dann müsse man jederzeit aus dem Stand volle Leistung bringen. Auch die Körpergröße sei wichtig. "Sie sollte zwischen 170 und 190 Zentimetern liegen", so Rütten. "Viele Kunden wünschen einen unauffälligen Personenschützer, keinen Schrank."

Unter den zehn Personenschützern von I.B.S. sind - noch - keine Frauen. Ausbilder Holger Stippen hält sie allerdings für ideale Personenschützer, seitdem er in Japan weibliche Bodyguards bei der Arbeit beobachten konnte. "Die waren sehr professionell und kompromisslos", erinnert er sich. Er sei überzeugt, dass Frauen, wenn sie sich für diesen Beruf entschieden, leistungsbereiter seien als manche Männer. "Man sollte aber nicht außer Acht lassen, dass dieser Beruf sehr familienunfreundlich ist", gibt Rütten zu bedenken. "Man muss immer auf ,Stand by' sein, und es gibt so gut wie keine Freizeit."

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