Straßenbahn, Radwege: Das wollen die Bürger

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Von ERNST-G. SCHOLZ

Abendblatt-Umfrage "Verkehr", zweiter Teil - Wenn es um das Bezahlen von Parkplätzen geht, sagen selbst die meisten Grünen Nein

Säße Verkehrssenator Eugen Wagner (SPD) noch auf der Schulbank, sein Weihnachtszeugnis mit einem Notendurchschnitt von 3,7 wäre nicht gerade berauschend. So jedenfalls urteilen die im Auftrag des Abendblatts vom Psephos-Institut repräsentativ befragten Wahlbürger der Hansestadt. Aber immerhin: Als wir Anfang November nach der Halbzeitbilanz des rot-grünen Senats fragten, schnitt das Verkehrsressort mit der Note 4,1 noch um fast einen halben Punkt schlechter ab.

Von "vier minus" nach "vier plus" in sechs Wochen. Dazwischen liegt die heftige Kritik von Wirtschaftsverbänden, Handelskammer, ADAC und CDU an der von Wagner am 1. Dezember vorgelegten Verkehrsentwicklungsplanung. Der Vorsitzende des Hamburger Industrieverbandes, Peter von Foerster, verlangte, das Verkehrsressort von der Bau- auf die Wirtschaftsbehörde zu verlagern. Die CDU beschwor eine autofreie Innenstadt, Dauerstaus und zwangsweises Umsteigen auf Bahnen und Busse auf und forderte: "Wagner muss weg!"

Wagner selbst wetterte die Vorwürfe unter anderem damit ab, dass er seinen Kritikern unterstellte, sie hätten die Verkehrsentwicklungsplaung offenbar gar nicht verstanden, geschweige denn gelesen.

Ob das so war, lässt sich nicht prüfen. Was allerdings die befragten Hamburger angeht: Sie räumen zu 67 Prozent ein, von diesem Konzept noch nichts erfahren zu haben. Jeder Fünfte hat zwar davon gehört, aber nur 13 Prozent haben etwa darüber gelesen. Mit 21 Prozent relativ gut informiert zeigen sich dabei ältere Bürger zwischen 50 und 65 Jahren, Selbstständige und Freiberufler (22 %) und CDU-Anhänger (22 %).

Gleichwohl äußern sich die Hamburger auch über Reizthemen wie Tempo-30-Zonen, Fahrradwege und Anwohnerparken recht differenziert. So lehnen 59 Prozent weitere Fußgängerzonen generell ab. 17 Prozent wünschen sich mehr davon in der Innenstadt, 14 Prozent in den Bezirken und sieben Prozent in beiden Bereichen. Relativ häufig für mehr Fußgängerzonen sind jüngere, in Ausbildung oder Studium stehende Menschen. Am meisten dagegen sind CDU-Anhänger.

Bei Tempo-30-Zonen stimmt eine 54-Prozent-Mehrheit für eine bedarfsgerechte Ausweitung. 41 % sind dagegen. Befürworter sind vor allem Frauen (58 %), junge Menschen in Ausbildung (74), Grünen-Anhänger (90) und Leute ohne Auto (61 %). CDU-Anhänger und Leute mit zwei und mehr Autos im Haushalt sind weniger dafür (je 43 %).

Eine Mehrheit von 59 Prozent der Hamburger plädiert auch für die Wiedereinführung der Straßenbahn in moderner Form. 35 Prozent sind dagegen. Hier sticht die 82-Prozent-Zustimmung der Grünen-Anhänger hervor, auch bei der SPD finden sich noch 65 Prozent. Die CDU-Sympathisanten sind eher geteilter Ansicht: 50 Prozent dafür, 46 dagegen. Jüngere Menschen sind eher für die neue Tram.

Eine deutliche Mehrheit von 62 Prozent spricht sich auch für den Ausbau des Radwegenetzes aus. 31 Prozent sagen, es solle so bleiben wie es ist, nur vier Prozent sind für einen Rückbau (7 % bei zwei und mehr Autos im Haushalt). Natürlich finden sich die meisten Anhänger von mehr Radwegen unter den Jüngeren, den Auszubildenden und Studenten (80%) und unter Grünen-Anhängern (86%).

Park-and-Ride-Plätze für sinnvoll halten 68 Prozent, 28 Prozent geben ihnen wenig Aussicht auf Erfolg. Hier macht auch die Zahl der Autos pro Haushalt keinen Unterschied. Erstaunlich: Grünen-Anhänger sind nur zu 52 Prozent für, aber zu 38 Prozent gegen P & R.

Eine deutliche Absage erteilen die Hamburger weiteren Gebieten mit kostenpflichtigen Anwohnerparken: 71 Prozent sagen Nein, nur 19 Prozent Ja. Selbst bei der Grünen-Klientel sind 68 Prozent dagegen.

Mit 82 Prozent die höchste Ablehnung erfährt Anwohnerparken naturgemäß in Haushalten mit zwei und mehr Autos. Allerdings ist offenbar auch die Unkenntnis über diese Form des Parkens zum Teil groß.

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