Leiche ohne Kopf, Arme und Beine

Der Prozess um den "Torso-Mord"

dpa Lüneburg - Wegen Mordes an einer 59 Jahre alten Rentnerin steht seit gestern der ehemalige Schlachterlehrling Olaf-Axel Weinert vor dem Lüneburger Schwurgericht. Kommt es zu einer Verurteilung, wird der 40-Jährige als "Torso-Mörder" in die Kriminalgeschichte eingehen. Der Mann hat vor der Kripo "weitgehend" gestanden, Ende Februar seine Zufallsbekanntschaft in seiner Wohnung in Celle getötet zu haben. Die Leiche zerteilte er laut Geständnis mit einem Fleischermesser und "entsorgte" sie.

Der Körper wurde ohne Kopf, Arme, Beine und Haut später im Elbe-Seitenkanal gefunden; die Finder vom Wasser- und Schifffahrtsamt hatten ihn zunächst für einen Kadaver gehalten und den Tierarzt gerufen. Andere Körperteile wurden danach vergraben in einem Wald gefunden. Da der Kopf der Frau bis heute verschwunden ist, konnte sie nur mit Hilfe eines genetischen Fingerabdrucks identifiziert werden.

Außer wegen Mordes ist Weinert auch wegen Vergewaltigung einer anderen Frau und wegen sexuellen Missbrauchs seiner fünfjährigen Nichte angeklagt.

Der fast 1,90 Meter große, kräftige Mann versucht vor Gericht, den äußerlichen Eindruck eines rohen Kerls zu verwischen. Die dunklen Haare fast bis zur Glatze rasiert, der Drei-Tage-Bart und das schwarze Sweatshirt vermitteln nicht das Bild eines Biedermannes. Eher die müde, energielose Stimme, mit der der geschiedene Vater zweier Kinder das Vergehen an seiner kleinen Nichte vor acht Jahren beschreibt.

Zu dem Mordvorwurf will der aus dem Harzdorf Walkenried stammende Sohn eines Lkw-Fahrers sich erst dann äußern, wenn er das vorläufige Gutachten des Lüneburger Psychiaters Jürgen Lotze studiert hat. Große Überraschungen scheint es nicht zu bergen: "Der Gutachter kommt zu keinem von der Anklage abweichenden Ergebnis", stellt Richter Hans-Günther Stürmann nüchtern fest.

Die Frührentnerin traf Weinert in der Nacht zum 1. März in der Celler Bar "Paris-Dakar". Nach gemeinsamen Tänzen habe die Frau ihn "angequatscht, ob sie noch mit zu mir nach Hause gehen könne", behauptete der Angeklagte in seiner ersten richterlichen Vernehmung, die das Schwurgericht am ersten Prozesstag verliest.

Alle weiteren Details der Begegnung in Weinerts Wohnung erörtert das Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Es gehe um "die schutzwürdigen Interessen der Toten und ihres Mannes", begründet das Gericht die Entscheidung.

Als Tatsache steht für die Gerichtsmediziner fest, dass die Frau "mit beiden Händen erwürgt" wurde. Ein Gerichtsmediziner bestätigt, zerrissene Lungenbläschen deuteten darauf hin, dass die Frau letztlich erstickt sei. Weinert selber gibt zu, die Leiche zerlegt und in Plastiksäcken weggebracht zu haben. Der Obduzent teilt mit, das Brustbein sei nicht zu Lebzeiten der Frau aufgetrennt worden. Und: "Sie hat zum Zeitpunkt des Todes erheblich unter Alkoholeinfluss gestanden. Der Promillewert im Torso lag bei 2,35."

Weinert, der als 21-Jähriger wegen Vergewaltigung einer jungen Frau verurteilt wurde, bekennt sich vor Gericht vollständig zu den sexuellen Übergriffen auf seine kleine Nichte. Zuvor habe er Haschisch geraucht. "Ich habe viel Scheiße gemacht in meinem Leben", sagt Weinert und verteidigt sich: "Und jedes Mal waren die Drogen schuld."

Als er leise und bestimmt schilderte, dass er auch die Fünfjährige unter Drogen setzte, "damit sie kein Theater macht", stockt manchem Zuhörer im überfüllten Saal der Atem. Der Tat bezichtigt hatte er in einer Strafanzeige den neuen Freund der Kindesmutter.

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