Schlösser und Herrensitze - Anwesen mit Geschichte

Hindenburg kam oft zur Jagd

Schlösser und Herrensitze in Nord-Niedersachsen haben oft über längere Zeiträume hinweg in ihren Heimatregionen Macht und Einfluss gehabt. Um ihren geschichtlichen Stellenwert aufzuzeigen, stellt die Harburger Rundschau in loser Folge diese Anwesen mit Geschichte vor. Heute: Rittergut Bockel bei Zeven.

Von WERNER STRELOW

Die Adelsfamilie von Hammerstein zählt zu den angesehensten in Deutschland und hat ihren Ursprung am Rhein in Neuwied (zwischen Bonn und Koblenz). Dort besaß die Adelsfamilie eine Burg mit Vorburg und ihre Geschichte lässt sich bis ins 7. Jahrhundert - also noch vor der Aera Karls des Großen - zurück verfolgen, und zwar bis ins 12. Jahrhundert. Ins hannöversche Land kamen die von Hammersteins durch die Tatsache, dass ihnen der König von Hannover als Dank für ihre treuen Dienste drei Güter übergab.

Auf dem schön gelegenen Rittergut Bockel (südlich von Zeven) leben die von Hammersteins in fünfter Generation seit dem 17. Jahrhundert, doch das Gut ist viel älter und reicht bis in die Zeit von 1219 zurück. Denn im Jahre 1219 wurde das Gut Bockel erstmalig urkundlich erwähnt. Bis 1641 gehörte das Gut der begüterten Familie von Borgh. Von da an ging das Gut durch Einheirat auf die Adelsfamilie von Düring über. Knapp 100 Jahre später wechselte das Gut auf gleichem Wege in den Besitz der Adelsfamilie von Marschalck. Und im Jahre 1663 heiratete schließlich ein Freiherr von Hammerstein auf dem Rittergut Bockel. Seither ist es im Besitz der gleichen Adelsfamilie.

Der Name Bockel soll abgeleitet sein von "Beuken", was plattdeutsch auf Buchen oder vielleicht auch auf guten Boden hindeuten kann. Möglich ist aber auch, dass damit in germanischer Zeit eine Art heiliger Hain bezeichnet wurde.

Im Jahre 1642, also während des unseligen Dreißigjährigen Krieges, ließ die Adelsfamilie von Düring zu Bockel ein neues Gutshaus errichten. Diese ungewöhnliche Baumaßnahme in ungewöhnlicher Zeit war nur deshalb möglich, weil die von Dürings verwandtschaftliche Beziehungen zum damaligen Erzbischof von Bremen sowie auch zum damaligen dänischen König hatten. Übrigens brannte dieses erste Gutshaus ab, es wurde jedoch auf dem Fundament des alten Gutshauses wieder neu errichtet.

Im Jahre 1725 wurde auf dem Hofgelände ein weiteres Gebäude im typischen Niedersachsenstil errichtet, und zwar mit Wohnteil und angegliederten Stallungen unter einem Dach als Fachwerkbau und mit Lehm gefüllten Fächern sowie einem Reetdach. Dieses Gebäude ist in dieser Form bis heute erhalten geblieben. 1794 wurde dann eine Haferscheune und 1852 eine große Scheune ebenfalls als Fachwerkbauten errichtet. Während des Zweiten Weltkriegs brannte der gesamte Gutsbetrieb bis auf die große Fachwerkscheune und das Wohnhaus ab. Der Vater des heutigen Gutsbesitzers, Frithjof Freiherr von Hammerstein-Gesmold, baute mit hohem finanziellem Aufwand die abgebrannten Gebäude auf dem Rittergut Bockel wieder auf.

Wenn vom Rittergut Bockel die Rede ist, muss unbedingt auf Carl Freiherr von Hammerstein-Gesmold hingewiesen werden, der im März 1900 Marie Sophie Freiin von Bothmer heiratete. Carl Freiherr von Hammerstein-Gesmold war eine ungewöhnliche Persönlichkeit, die viel Weitblick bewies: Während die damaligen Zevener Stadtväter es ablehnten, dass die Eisenbahnlinie von Bremen über Zeven nach Harburg führte, sorgte Carl Freiherr von Hammerstein-Gesmold, inzwischen Landrat des damaligen Kreises Zeven geworden, dafür, dass eine Bahnlinie von Zeven nach Rotenburg führte. Auch die Realisierung der Wilstedt-Zeven-Tostedter Eisenbahn geht entscheidend auf sein Wirken zurück.

Eine herzliche Freundschaft verband Carl Freiherr von Hammerstein-Gesmold mit dem damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Oft kam Hindenburg zur Jagd in den zwanziger Jahren. Die von Hammersteins kamen eigentlich nur im Sommer nach Bockel oder eben zur Jagdzeit. Sie wohnten sonst in Zeven in dem neben der St. Viti-Kirche gelegenen Landratsamt mit großem Garten, mit Remise und Stallungen für die Pferde sowie einer abgrenzenden Mauer vor dem repäsentativen Anwesen.

Mit dem Einverständnis aller Geschwister wurde mit dem 30. November 1972 Carl-Detlev Freiherr von Hammerstein - er ist seit 1968 mit Lily Gräfin von der Schulenburg verheiratet, heutiger Besitzer des Rittergutes Bockel. Das Gut umfasst insgesamt eine Fläche von 202 Hektar, davon sind rund 110 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, 40 Hektar Forstwirtschaft, sowie 52 Hektar Moor.

Seit 1984 ist Carl-Detlev Freiherr von Hammerstein-Gesmold CDU-Bundestagsabgeordneter für die Kreise Verden und Osterholz. Außerdem war er über 20 Jahre Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Bockel, und hatte sich auch im Kreis- und Bezirksvorstand der CDU engagiert.

Sehr erfreut zeigte sich Carl-Detlev Freiherr von Hammerstein-Gesmold - er ist Mitglied der Stader Ritterschaft - darüber, dass das Gewerbegebiet in Bockel unmittelbar an der Autobahn A 1 Hamburg-Bremen sich so zukunftsträchtig entwickelt habe. Dadurch habe Bockel einen enormen Auftrieb erhalten, und es wurden zugleich neue Arbeitsplätze geschaffen. "Der Standort Bockel wird in Zukunft noch wertvoller werden, weil die Achse Ost-West im Zuge kommender Globalisierung sowie der Öffnung der Grenzen zum Osten ganz sicher ein riesiger Markt werden wird", sagt Gutsbesitzer von Hammerstein-Gesmold.

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