Der meistgelesene deutsche Schriftsteller des Jahrhunderts starb nach einem Schlaganfall

Heinz G. Konsalik ist tot

dpa/ap Salzburg - Der Bestseller-Autor Heinz G. Konsalik ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Der schwer zuckerkranke Schriftsteller erlag am Sonnabend in seinem Haus im österreichischen Wals bei Salzburg einem Schlaganfall. Konsalik hat 155 Romane veröffentlicht, die in 42 Sprachen übersetzt wurden und sich weltweit 84 Millionen Mal verkauften. Er war der meistgelesene deutschsprachige Autor dieses Jahrhunderts. Elf seiner Werke wurden verfilmt.

Den Durchbruch schaffte Konsalik 1956 mit "Der Arzt von Stalingrad", zu seinen bekanntesten Werken zählen auch "Liebesnächte in der Taiga" und "Ein Kreuz in Sibirien". Der gebürtige Kölner, der eigentlich Heinz Günther heißt, aber den Mädchennamen seiner aus Bulgarien stammenden Mutter annahm, musste sich in den vergangenen Wochen mehrfach stationär behandeln lassen. "Wir sind froh, dass wir ihn so lange haben stabilisieren können", sagte Dr. Regina Barth, Ärztin der Fürther Euromed-Klinik. Konsalik wurde dort seit einem Zuckerschock und Kreislaufkollaps im Sommer 1996 regelmäßig behandelt. Er war noch Mitte September für eine Woche zur Kontrolle in die Spezialklinik gekommen. Als Konsalik vor 14 Tagen entlassen wurde, sei er "guter Dinge" und "in einem für seine Verhältnisse guten Zustand" gewesen, sagte die Ärztin. Am 28. Mai konnte Konsalik nach Angaben seines Schwiegersohnes noch voller Pläne und in Vorfreude auf eine Recherchereise seinen 78. Geburtstag feiern.

Der Vater zweier erwachsener Kinder, der sich 1988 nach 40 Jahren Ehe von seiner Frau Elsbeth (damals 67) trennte, lebte seit 1991 mit der 45 Jahre jüngeren Chinesin Ke Gao zusammen. Konsalik sah sich als "Volksschriftsteller", für seine Kritiker war er immer ein "Schreiber für den Stammtisch". Er hatte schon im Alter von zehn Jahren seinen ersten Roman verfasst - über einen Indianerstamm. Nach dem Abitur studierte Konsalik Theater- und Literaturwissenschaften sowie Medizin. Die ärztliche Kunst stand später oft im Mittelpunkt seiner Romane. Diese pflegte er akribisch zu recherchieren: So ging er etwa in Kliniken und sprach mit Ärzten und Patienten. Für "Das geschenkte Gesicht" beschäftigte der Autor sich zwei Jahre lang mit plastischer Chirurgie.

Während des Zweiten Weltkrieges war Konsalik als Kriegsberichterstatter an der Ostfront schwer verwundet worden. Die Erfahrungen in Russland prägten seine Arbeit und ließen ihn später von seiner "ostischen Seele" sprechen. Der "Arzt von Stalingrad" verkaufte sich allein in Deutschland 3,5 Millionen Mal und machte Konsalik weltberühmt. Der "Märchenerzähler für Erwachsene", wie er sich selbst nannte, veröffentlichte bis zu vier Bücher pro Jahr. Ohne das Schreiben sei sein Leben sinnlos, sagte er vor einem Jahr. "Es ist mein Leben. Wenn ich geistig und körperlich nicht mehr die Kraft zu schreiben hätte, wüsste ich nicht, was ich tun würde."

Die zum Teil vernichtende Kritik der Feuilletons nahm Konsalik nie ernst. "Das Geheimnis meines Erfolges ist, dass ich so schreibe, wie mein Leser denkt und spricht. Darum hält mich die Kritik für trivial. Ich würde nie einen Nobelpreis kriegen."

Konsalik liebte Reisen, und seine Leser wussten: Wenn er über die Südsee oder Australien schrieb, kannte er die Orte der Handlung. In seinen Figuren sollten sich seine Leser mit ihren Sehnsüchten wiederfinden: "Wenn eine Frau eines meiner Bücher liest und vergisst, ihrem Mann das Abendessen zu machen, dann freue ich mich." Erst im Mai erschien sein letzter Roman ("Der Hypnosearzt"). Ein großes Werk wollte er noch schreiben: eine russische Trilogie, für die er schon 30 Jahre recherchiert hatte - doch sie blieb unvollendet.