An das Hamburger Abendblatt, Axel-Springer-Platz 1, 2000 Hamburg 36

LESERBRIEFE

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Geld für Radwege

"Tägliche Quälerei", Hamburger Abendblatt, 4. März

Ein Radweg an der Friedhofstraße wäre bei der heutigen Straßenführung unsinnig. Der Platz sollte lieber einem Fußweg auf beiden Seiten zur Verfügung gestellt werden, der so breit ist, daß zwei Kinderwagen aneinander vorbeikommen, ohne auf die Straße wechseln zu müssen. Wenn man den Radverkehr von der Straße nimmt, kommt es zwar zu weniger Unfällen, aber die wenigen werden schwerer sein, da mehr gerast wird. Bevor man neue Radwege baut, müssen die bestehenden instand gehalten werden.

Olaf Schultz, Hamburg 90

Die Not der Armen

"Armut in Hamburg - Ein Bischof klagt an", Hamburger Abendblatt, 9. März

Armut in Hamburg oder anderswo in Deutschland ist eine Schande, aber nicht für die Armen allein. Unser vielgepriesenes soziales Netz hat eben Löcher, die nur unzureichend gestopft sind. Was fehlt, ist nicht nur Geld, sondern sind bezahlbare Wohnungen und Kindergartenplätze für alleinerziehende Mütter und Väter, damit sie einen Arbeitsplatz annehmen können.

Albert Alten, Bardowick

Volk soll entscheiden

"Bonn oder Berlin - das Duell wird härter", Hamburger Abendblatt, 11. März

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier leider rein persönliche Interessen dominieren, besonders wenn ich lese, daß sich Herr Rau im Namen des Landes Nordrhein- Westfalen strikt für Bonn einsetzt. So können die betreffenden Abgeordneten ihre Regierungsaufgaben vom heimischen Bett aus erledigen. Und für den weitaus größten Teil dieser Volksvertreter liegt ja nun mal Bonn verkehrsgünstiger als Berlin. Deshalb kann aber diese wichtige Entscheidung wegen Befangenheit nicht von den Abgeordneten getroffen werden! Nein, das Volk muß entscheiden. Daß auch der Freizeitwert Bonns weitaus günstiger ist als die weitere Umgebung Berlins, ist eine traurige Tatsache. Aber dieser Zustand könnte von Berlin aus schneller behoben werden.

Richard Ranfft, Hamburg 71

Wichtigere Probleme

Gibt es zum derzeitigen Zeitpunkt eigentlich keine wichtigeren Probleme für unsere Regierung, als über das Thema "Berlin oder Bonn als Regierungssitz" zu diskutieren? Als normaler Bürger kann man nur den Kopf schütteln! Und an die horrenden Kosten, die ein Wechsel nach Berlin mit sich bringen würde, denken die in Bonn wohl überhaupt nicht, oder? Der Dumme ist mit Sicherheit wieder der Steuerzahler - wer auch sonst! Sparmaßnahmen ja - aber nur beim Volk!

U. Steinbach, Hamburg 60

Scheinargumente

Der Bundespräsident hat in moderater Form überzeugend begründet, warum Berlin wieder Parlaments- und Regierungssitz werden muß. Dem ist zuzustimmen. Schlimm genug ist, daß es überhaupt eine Diskussion gibt. Selbstverständlich sind die Abgeordneten auch bei dieser Entscheidung nur ihrem eigenen Gewissen unterworfen. Aber der Bürger hat auch das Recht, wenn denn die Entscheidung für Bonn fiele, sich von diesem Parlament loszusagen. Ein "Groß-Westdeutschland" wäre nicht mehr das Vaterland, das wir uns seit 45 Jahren mit heißem Herzen gewünscht haben. Jede in den Parlaments- und Regierungssitz Berlin investierte Mark erspart durch ihre Signalwirkung für die Wirtschaft ein Mehrfaches an Subventionen für die neuen Bundesländer.

Dr. E. M. v. Livonius, Hamburg 1

Provisorische Hauptstadt

Den Bundespräsidenten dafür zu schelten, daß er in einer Angelegenheit Stellung bezogen hat, die für die Entwicklung des Staates von grundsätzlicher Bedeutung ist, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn sich die heutigen Abgeordneten schon nicht mehr so recht daran erinnern können, daß Bonn nur als provisorische Hauptstadt bis zur Wiedervereinigung installiert worden war, dann ist zu befürchten, daß es im Parlament keine politisch weitsichtige Entscheidung geben wird. Die Entscheidung für oder gegen Berlin darf nicht zu einem verfassungsrechtlichen Kompetenz-Gerangel abqualifiziert werden.

Werner Neumann, Rein feld / Holst.

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