Spielen ist nicht verboten

Lotto-Chef gewann Millionen im Lotto

Von Ewald Revermann und Hans Wüllenweber Köln - Einen Lotto-Geschäftsführer, der mit einem Volltreffer zum Lottokönig wurde - das gab es in der Geschichte dieses Glücksspiels noch nie. Bis Rolf Meyer (62), einer von drei Chefs der Lottogesellschaft in Köln, sechs Richtige hatte.

Der Lotto-Chef hatte den Sechser schon vor drei Jahren erzielt. Sein Gewinn soll 2,5 Millionen Mark betragen haben. Dafür hätte Meyer, ehemaliger SPD-Landtagsabgeordneter aus Schwelm, immerhin acht Jahre arbeiten müssen. Sein letztes Gehalt soll bei 300 000 Mark im Jahr gelegen haben. Rolf Meyer ist jetzt im Ruhestand.

Das von der Lottogesellschaft gewahrte Inkognito des Gewinners kam erst jetzt durch die "Indiskretion" eines Informanten ans Licht.

"Wir können das weder bestätigen noch dementieren", sagte der Sprecher der Lottogesellschaft in Köln, Hans- Gerhard König. Er berief sich dabei auf das "Spielgeheimnis".

Rolf Meyer war gestern nicht zu erreichen. Er mache zur Zeit Urlaub, hieß es.

Dürfen Angestellte der Lottogesellschaften überhaupt beim eigenen Spiel mitmachen? Ja! Das wundert "normale" Lottospieler. Hans-Gerhard König sagte: "Freunde sehen mich entsetzt an, wenn ich ihnen sage, daß ich selbst Lotto spiele."

Um nicht in den Verdacht zu geraten, das könne ja nicht mit rechten Dingen zugehen, hätte der ehemalige Lotto-Chef von Münster, Lothar Lammers, im Falle eines großen Gewinns ein Ermittlungsverfahren gegen sich eingeleitet, sagte er gestern.

Ewald Zapfer von der Lottozentrale in Hannover meinte: "Gott beschütze mich vor einem Hauptgewinn. Das wäre das Schlimmste, was mir passieren könnte. Denn die Öffentlichkeit könnte völlig falsche und unberechtigte Rückschlüsse ziehen."

Das Sicherheitsnetz im Lotto sei so dicht, sagte Hans-Gerhard König, daß unmöglich ein Mitarbeiter zu eigenen Gunsten einen Volltreffer-Schein nach der Ziehung der Lottozahlen noch untermogeln könne. "Auch ich habe schon gewonnen, mit zwei Kollegen zusammen leider nur 3000 Mark."

Es sei normal, daß vom Portier bis zum Chef- das ist mit geschätzten 500 000 Mark Jahresgehalt in Köln jetzt der ehemalige CDU- Landespolitiker Dr. Theodor Schwefer - jeder Lotto-Mitarbeiter seine Scheine ebenfalls ordnungsgemäß in irgendeiner Annahmestelle abliefern darf, wenn er mag.

So sicher ist das Lotto-System: In der Kölner Lottozentrale beispielsweise, wo die Spielscheine auf Mikrofilm übertragen und aufbewahrt werden, wird die Belegschaft in Gruppen aufgeteilt. Jede Woche wird neu ausgelost, welche Gruppe

Der Gewinnet

Rolf Meyer (62) war aus der Politik gekommen. Er gehörte als SPD-Abgeordneter dem Landtag von Nordrhein-Westfalen an. Von 1969 bis vor kurzem war er Geschäftsführer der Lottogesellschaft in Köln.

welche Mikrofilmanlage mit Lottoscheinen "füttert". Die Automaten, von denen jeder 108 000 Scheine in der Stunde schafft, lesen den Inhalt und speichern ihn auf Magnetbändern. Gleichzeitig wird Schein um Schein mikroverfilmt.

Spätestens bis 14 Uhr an jedem Sonnabend müssen die Mikrofilme und die Magnetbänder im vielfach gesicherten Tresor "eingebunkert" sein.

Boden, Decken, Fenster des Tresorraums sowie die Stahlkammern selbst sind nach Angaben des Sprechers mit hochsensiblen Alarmund Überwachungsanlagen mehrfach gesichert. Norbert Leise: "Rififi geht da nicht."

Anhand der zahlreichen Stationen, die jeder Schein zu durchlaufen habe, könne montags, wenn die Auswertung beginne, kein Bediensteter etwa einen nachträglich ausgefüllten Tip in die Mikrofilme einschleusen.

Ein Lotto-Chef als Lottokönig - einmalig, aber nach der Laune Fortunas möglich.