Was einer Grünen in Rotchina auffiel

"Hamburg und Shanghai sollten enger zusammenarbeiten". Zu diesem Schluß ist Thea Bock, Burgerschaftsabgeordnete der Grun-Alternativen-Liste (GAL) nach einem Besuch in der chinesischen Hafenstadt gekommen. Thea Bock, Mitglied des Ausschusses ffir Hafen- und Wirtschaft, besichtigte die Stadt an der Mündung des Jangtse im Rahmen einer sechswöchigen Urlaubsreise durch die Volksrepublik.

.Hamburg und Shanghai'

so Thea Bock zum Abendblatt "haben - was Hafen und Wirtschaft betrifft -, viele Gemeinsamkeiten". So liege der Hafen an einem Tide-abhängigen Gewässer, was den Chinesen wie den Hamburgern ständig Probleme mit _ dem Ausbaggern bringt Wie in Hamburg befindet sich auch in Shanghai der Containerumschlag im Ausbau.

Was der grünen Hamburgerin im roten Riesenreich ganz besonders auffiel: Die Chinesen, allzu lange vom Rest der Welt isoliert - möchten schnell und viel lernen. Thea Bock: "Die schicken ihre Leute nach Rotterdam und Antwerpen. Warum nicht auch nach Hamburg, wo wir doch hier mit dem ,Hamburg-Port- Training-Institut', einer Tochterfirma der Hafen- und Lagerhaus AG eine ideale Schule haben". Vertreter der Hafenwirtschaft in Shanghai jedenfalls zeigten großes Interesse. Möglicherweise, so Thea Bock, könnten Hamburg und Shanghai ja eine Städtefreundschaft oder Partnerschaft eingehen. Vielleicht als eine Art Ersatz für das von der Hansestadt so sehr gewünschte, aber von den Chinesen bisher abgelehnte Generalkonsulat in der Hansestadt

Geradezu begeistert war Asien-Liebhaberin Thea Bock, die zusammen mit ihrem Freund Wolf Gohdes rund 9000 Kilometer durch China reiste, vom äußeren BUd der Städte und vom Zusammenleben der Menschen: "Wer andere Länder und Gegenden Asiens kennt ist erstaunt darüber, daß es in diesem Staat keine Slums gibt keine Bettelei, daß die Hotelzimmer nicht abgeschlossen werden, daß man sich in einer Elf-MUUonen-Stadt wie Shanghai jederzeit ohne Angst bewegen kann und daß es mögllch ist mehr als eine Milliarde Menschen Tag für Tag satt zu kriegen".

Wer sich China als Land der emsigen blauen Ameisen vorstellt, in dem für den einzelnen Menschen, für Gedankenfreiheit und für abweichende Farbtupfer kein Platz ist, der irre. Thea Bock: "Es gibt so gut wie alles zu kaufen, vom Taschenrechner bis zur Banane, vom Farbfernseher bis zur Flasche Wein. Die Menschen kleiden sich durchaus individuell, wenn die Sonne scheint sitzen sie auf Stühlen auf der Straße. Die Hälfte von Urnen ist unter 20 Jahre. China ist ein junges Land".

Was die ökologin Bock mit Genugtuung registrierte: "Es gibt so gut wie keine Autos. Chinesen fahren Rad, Bus oder Eisenbahn, oder sie fliegen. Busse fahren in den gro- ßen Städten in Minutenabständen, die Eisenbahnen sind pieksauber - beim Halt auf den Stationen werden die Fenster geputzt, Tee wird während der Reise kostenlos serviert"

Natürllch gibt es für einen Westmenschen auch Schattenseiten. Thea Bock: "Es herrscht zwar Meinungsfreiheit aber die totale Überwachung ist stets spürbar." Und dann die Umwelt: Schaumberge auf den Flüssen, hemmungsloser Umgang mit Pestiziden, Smog in Peking - die Schornsteine rauchen eben, auch im wahrsten Sinne des Wortes. Doch zeigen sich auch erste Anzeichen von Umdenken. Für Umwelttechnologie wäre China ein Markt mit Zukunft.

Zukunft scheint China indes auch als Reiseland zu haben. Als Geheimtip muß es jedoch schon in diesem Jahr gehandelt worden sein. Thea Bock: "Als wir bei Kanton auf ein Boot stiegen, das uns den Perlfluß hinaufbringen sollte, riefen plötzllch drei Mitreisende ,Hallo Thea'. Wir hatten drei Lehrer aus Hamburg getroffen". Und was die Weltoffenheit der Moorburger angeht: In Hongkong, wo sich Thea Bock das Visum für Rotchina ausstellen Ueß, eröffnete ihr der deutsche Vizekonsul Karl-Heinz Oetzmann, daß auch er, wie Thea Bock, aus Moorburg stammt. Thea Bock: "Jetzt organisiere ich für Um ein Klassentreffen in der alten Heimat" scho