Leserbriefe

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Mehr Verständnis für die Radfahrer, bitte! Mehrzwecktheater am Spielbudenplatz?

Wie wäre es, wenn das Operettenhaus zukünftig die Pforten als Mehrzwecktheater öffnet? Dann hätte Hamburg als internationale Stadt für jeden Theaterbesucher dort etwas zu bieten, sei es Oper, Operette, Musical und anderes mehr, wie es z.B. im Lübecker Theater der Fall ist. Dann könnten auch das Stadttheater Lüneburg und die Landesbühne Rendsburg nicht nur in Harburg, sondern auch im Herzen Hamburgs spielen. Allerdings dürfte für diese Gastspielbühnen die Miete nicht zu hoch sein.

Hans Schultz, Hbg. 13

Da nun bereits im Hamburger Abendblatt ein dritter Leserbrief gegen die Radfahrer veröffentlicht wurde, heute nun ein dringend notwendiger Pro von mir dazu, da ich schon seit 15 Jahren radfahre und durch .unfallfreies Fahren und entsprechende Kilometerleistung Anwärter auf den goldenen Lenker bin: Die angeprangerte Unsitte der Radfahrer, statt auf dem Radfahrweg auf dem Fußweg zu fahren, resultiert meist aus dem Umstand, daß Fahrzeuge auf dem Radfahrweg ganz oder teilweise geparkt werden. Hier kann der Radfahrer dann nur auf den Bürgersteig' ausweichen. An der Mundsburg z. B. ist das in der Papenstraße gar nicht anders möglich. Ein hoher Bordstein, die parkenden Wagen sowie der rege Verkehr machen das Ausweichen auf die Straße nicht nur dort zu einem lebensgefährlichen Unternehmen. . Sollte trotzdem ein Radfahrer ohne Grund auf den Bürgerstieig fahren: Bitte nicht global Der jungen Radfahrerin hat das parkende Auto hier noch etwas Platz auf dem Radfahrweg gelassen. Oft aber zwingen parkende Wagen die Radfahrer, auf den Fußweg auszuweichen, was die Fußgänger ärgert.

Telefonbücher und Müllabfuhr

alle Radfahrer verurteilen, schwarze Schafe gibt es überall.

Lassen Sie mich aber auf eine Unsitte der Fußgänger hinweisen: Aus Bequemlichkeit oder Unachtsamkeit wird von ihnen oft der Radfahrweg als Gehweg benutzt. Am Alsterufer z. B. muß man als Radfahrer oft genug auf den Gehweg ausweichen, klingeln wird meist nicht beachtet.

Neben starkem Verkehr, schlechtem Straßenzustand, fehlenden Radwegen zwingt in Hamburg in einigen Stadtbeilen z. B. der schlechte Zustand der Radwege zum Ausweichen auf den Bürgersteig. Als Beispiel sei nur die Stresemannstraße genannt, deren Radweg besonders ab Paketpostamt Richtung Lurup katastrophal ist.

Besonders schlimm ist übrigens die Unsitte der Autofahrer, die bei Unfällen entstandenen Glassplitter fein säuberlich an den Straßenrand oder direkt auf den Radweg zu fegen.

Im Hamburger Abendblatt vom 3. und 10. März 1971 veröffentlichten Sie Leserzuschriften von Wilhelm Sellschop und Roswitha Regina Ka'tzsch, die sich mit dem Problem der Telefonbücher und der Müllabfuhr beschäftigen. Gestatten Sie uns hierzu einige Anmerkungen :

Der jährliche Austausch der Fernsprechbücher in einer Großstadt wie Gerd Hackelöerg, Hbg. 22

Hamburg bringt Probleme mit sich, die von Jahr zu Jahr mit zunehmender Auflagenhöhe und zunehmendem Umfang der Fernsprechbücher schwieriger zu lösen sind. In Hamburg müssen in einem sehr kurzen Zeitraum nahezu 2,5 Millionen Fernsprechbücher mit einem Gesamtgewicht von 2500 Tonnen verteilt und ausgegeben werden.

Die Postämter sind zum größten Teil räumlich so beengt, daß auch eine vorübergehende Lagerung vor" größeren Mengen an Büchern weder innerhalb noch außerhalb der Diensträume möglich ist. Wenn die Bücher noch als Altpapier verkauft werden sollten, müßten sie einigermaßen trocken gelagert werden. Die Posthöfe können nicht für ein einmal jährlich starkes Aufkommen an Altpapier und die Anlieferung von neuen Büchern zugleich angelegt sein. Die Höfe sind sehr beengt, so daß auch das Aufstellen von Containern besonders in der Innenstadt problematisch ist. Hinzu kommt, daß keine Altpapierfirma auf ein derartiges Stoßgeschäft eingerichtet ist und über 100 bis 150 Container verfügt.

Die im Leserbrief von Roswitha Katzsch erwähnte Traumlösung ? nämlich eine bestimmte Sorte Papjer in großen Mengen zusammenzubekommen ? ist leider nicht so rentabel, wie es die Leserin darstellt, denn trotz dieses für die Weiterverarbeitung bestimmt guten Materials dekken die Erlöse bei weitem nicht die Unkosten, die der Deutschen Bundespost bei der Entgegenahme, La-

Entbindung von der Schweigepflicht

gerung und Abfuhr des Altpapiers erwachsen.

Wir werden jedoch bemüht sein, in den kommenden Jahren in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz oder anderen karitativen Verbänden die Bevölkerung zu bitten, die ungültigen Fernsprechbücher nicht in die Mülltonnen zu werfen, sondern an einem bestimmten Tag vor die Haustür zu legen, damit sie mit den monatlichen Sammlungen abgefahren und verkauft werden können. Gespräche dieser Art sind bereits mit dem Deutschen Roten Kreuz geführt.

Obrepostdirektion. Hamburg Der Artikel "Wer darf schweigen?" im Hamburger Abendblatt Nr. 55 läßt den Eindruck entstehen, als sei es um die ärztliche Schweigepflicht bestens bestellt. Das mag zutreffen, wenn es sich um Straftäter oder um einen Teil der Normalbürger handelt. Anders verhält es sich, wenn ein Arbeitnehmer einen Arbeitsunfall erleidet.

Als ich nach einem Arbeitsunfall bei der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten (Bezirksverwaltung Dortmund) eine Erstattung der von mir verauslagten Behandlungskosten beantragt hatte, forderte diese Berufsgenossenschaft von meinem Arzt die von mir bezahlten Röntgenbilder und Untersuchungsbefunde an, ohne meine Genehmigung einzuholen.

Ich wies die Organisation auf das Unerhörte eines solchen Vorgehens hin. Mir wurde der verwerfliche Paragraph 1543 d der Reichsversicherungsverordnung (RVO) entgegengehalten mit den Worten: "Einer Entbindung von der Schweigepflicht durch den Versicherten bedarf es nicht. Das hat die Rechtsprechung längst entschieden!"

Der Paragraph 1543 d RVO verstößt m. E. gegen Artikel 1 des Grundgesetzes.

Hermann Fehling, Reilingen bei Hamburg

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