am Neuen Jungfernstieg

In "Hamburgs guter Stube", " am Neuen Jungfernstieg/Edc" Fehlandstraße, ist jetzt die Baulücke geschlossen worden. Die Hamburger Architekten BDA Jost Schramm und Gerd Pempelfort bauten dort für die Nordstern-Lebensversicherungs-AG (Köln) ein elfgeschossiges Bürohaus mit einigen Läden. Das Gebäude ist jetzt bezugsfertig.

Das Haus fügt sich harmonisch in die Randbebauung der Binnenalster ein. Die Fassade ist mit bronzeeloxierten Aluminiumplatten versehen. Sie wird plastisch gegliedert durch hervorragende Umläufe mit weißer Tafelverkleidung. Die Fenster haben eine Sonnenschutz-Verglasung. Die Räume sind voll klimatisiert.

Durch diesen Neubau wird das alte Amsinckhaus besonders hervorgehoben. Das Gebäude wurde vom Bauherrn restauriert.

Modernes Bürohaus und altes Palais

Die "Nordstern" hatte 1963 einen Wettbewerb für das Bauvorhaben ausgeschrieben. Den ersten Preis errangen die Architekten Schramm und Elingius; dem späteren Büro Schramm & Pempelfort wurde die Bauausführung übertragen. Es galt, ein modernes Bürohaus zu errichten und das unter Denkmalschutz stehende Amsinckhaus wiederherzustellen. Langwierige Verhandlungen mit den Stadtplanern setzten ein. Kernfrage war: wie hoch darf das Bürohaus werden, ohne die Firstlinie der Häuser an der Binnenalster zu durchbrechen. Bei elf Geschossen blieb die Baubehörde hart; sie wollte keinen Zentimeter mehr dazu geben. Als der Rohbau fertig war, wurde ein Lattengerüst auf dem Dach montiert, um ein zwölftes Geschoß anzudeuten. Stadtplaner und die Architekten wurden sich einig, daß

eine größere Höhe störend sein würde. Das Ergebnis zeigt, daß die Entscheidung richtig war.

Amsinckhaus im neuen Glanz

Unliebsame Überraschungen gab es bei der Wiederherstellung des Amsindchauses. In den Mauern war Schwamm. Mit viel Mühe und hohem Aufwand gelang es dem Bauherrn und den Architekten, aus dem schon verfallenen Gebäude wieder ein Schmuckstück zu machen. Der Baukörper und das Dach wurden auf ihre ursprünglichen Proportionen zurückgeführt. Später hinzugefügte Einbauten wurden entfernt und durch stilgerechte ersetzt. Bereits vor einem Vierteljahr war das Gebäude fertig. Der Übersee-Club ist dort inzwischen eingezogen. Bei der Einrichtung hat sich der Club besondere Mühe gegeben und verfügt jetzt über sehr repräsentative Räume.

Die Verbindung von Alt und Neu ist gut gelungen. Der Hauptzugang zum Amsinckhaus erfolgt nicht mehr durch die alte Passage, sondern vom neugestalteten Vorplatz Neuer Jungfernstieg/Edce Fehlandtstraße.

Büros und Läden

Da die Nordstern-Versicherungsgesellschaften bereits 1956 eine Niederlassung in der Rathausstraße einrichteten, bestand kein zwingender Grund, den Neubau selbst zu nutzen. Er wurde daher an zwei bekannte Hamburger Firmen vermietet. In den beiden Läden, die in dem Komplex an der Großen Theaterstraße entstanden, sind Fachgeschäfte für Wohnungseinrichtungen und Autozubehör eingezogen. Der Vorplatz an der Ecke Fehlandtstraße und der Ihnenhof hinter dem Hochhaus sollen noch gärtnerisch gestaltet werden. Sie sind durch

Fußwegverbindungen für die Öffentlichkeit zugänglich.

Es wird weiter gebaut

Bauherr und Architekten haben bereits einen zweiten Bauabschnitt vorgesehen. An der Fehlandtstraße soll ein weiteres Bürohaus errichtet werden. Seit längerer Zeit werden Überlegungen angestellt, den gesamten Block zwischen Fehlandtstraße/Neuer Jungfernstieg / Große Theaterstra- ße/Colonnaden neu zu gestalten. Mit dem Eingang von den Colonnaden her könnten in einem größeren Gebäude Fachgeschäfte zusammengefaßt werden und so die Einkaufsstraße Colonnaden ergänzen. Auf dem Gelände wäre gleichfalls Platz für City-Wohnungen, die durch den Blick auf die Alster und das Rathaus besonders attraktiv sein würden.

Wohnungen, Büros und Läden geplant

Bisher ist diese Planungsidee nicht über Vorgespräche hinausgekommen. Wahrscheinlich besteht die Chance, durch das Übereinanderschichten von Läden, Büros und Wohnungen eine so hohe Ausnutzung zu bekommen, daß eine Wirtschaftlichkeit erreicht wird.

Gute Visitenkarte

Es wird viel von der Stadtsanierung gesprochen, aber bisher wurde nur wenig verwirklicht. Hier wäre die Möglichkeit gegeben, daß ohne öffentliche Mittel an einem prominenten Platz der City Neues entstehen zu lassen.

Zunächst einmal ist der erste Bauabschnitt vollendet. Er ist für Bauherren und Architekten eine gute Visitenkarte. Es sind Maßstäbe gesetzt worden, die auch für weitere Bauten in diesem Gebiet beachtet werden müssen.

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