Briefe an das Hamburger Abendblatt

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Um die Ost-West-Straße

Der Artikel von Hellmut Thieves "Eine Nervenmühle für die Autofahrer" und die dazu im Hamburger Abendblatt vom 1S./19. Januar veröffentlichten Leserbriefe sind bei allen Autofahrern heftig diskutiert worden. Aus weiteren Leserbriefen nachstehend einige Auszüge:

Ihre Ausführungen waren hochinteressant, aber zeigen, daß die Behörden im Augenblick keine Möglichkeit sehen, die schlechten Verhältnisse auf der Ost- West-Achse zu verbessern. Ich bin der Meinung, daß es schon große Erleichterungen geben würde, wenn man die Amsinckstraße, von der Nordkanalstraße angefangen bis zur Billhorner Brückenstraße, auf vier Fahrbahnen verbreitern würde. Die Bankette neben den Stra- ßenbahnschienen und andererseits die breiten Radfahr- und Fußwege, welche kaum benutzt werden, bieten sich hierzu geradezu an. Außerdem müßte man für Linksabbieger in Richtung Eibbrücken vor der Süderstraße eine Abzweigung schaffen können und in umgekehrter Richtung an der Lippelt.straße.

Kurt Behrotter, Hbg. 70

Kleinkariert?

Ich weiß nicht, was sich die Hamburger bei ihren Straßenplanungen denken. Breitere und bessere Straßen in der Innenstadt wie die Ost-West-Achse und auch die Kerntangente haben nur die Eigenschaft, Fahrzeuge auf sich zu ziehen, die die Hamburger Straßen auch bisher belasteten. Darüber hinaus ziehen sie weitere Fahrzeuge an, deren Fahrer glauben, auf diesen Straßen besser und schneller voranzukommen als auf unbequemen Seitenstraßen. Die einmal vorhandene Verkehrskapazität verringert sich nicht, sie wird nur verlagert. So sind die Stauungen auf diesen Entlastungsstraßen zu erklären.

Ich selber belaste, aus dem Räume Kreis Pinneberg kommend, die Innenstadt nur deshalb immer wieder, weil das Fahrgefühl durch die Innenstadt besser ist als über die vorgezeichneten Umleitungsstraßen und es keine bessere und schnellere Möglichkeit gibt, um an den Nordost-, Ost- oder Südrand der Stadt zu gelangen. Die Innenstadt bietet sich nun einmal als der bessere Verkehrsweg an, weil die Querverbindungen schlecht und zeitraubend sind.

Nur Tangenten wie die Osttangente, die geplante Westtangente und vor allem eine notwendige Nordtangente können Hamburg wirksam Entlastung bringen. Ihnen hätte man den Vorrang geben sollen!

Auch die Kerntangente wird die Erwartungen nicht erfüllen. Sie wird die

Diese Zuschriften geben lediglich die Meinung der Einsender wieder. Kürzungen vorbehalten.

Lombardsbrücken entlasten, die Stadt Hamburg einschlägig aber nicht. Ich habe das Gefühl, man will aus wirtschaftlichen Gründen den Verkehr gar nicht von Hamburg ablenken, sondern in die Stadt hineinziehen. Dann muß man sich aber weiter mit dem Verkehrsdilemma herumplagen. Die Planer sehen die Dinge zu sehr aus der Hamburger Sicht. Sie haben einen falschen Standort. Sie sollten das Gebiet um Hamburg herum in ihre Überlegungen mit einbeziehen, um zu einer vernünftigen Lösung auch für Hamburg und Schleswig-Holstein zugleich zu kommen. Der Verkehr kennt nun mal keine Stadt- und Landesgrenzen.

Robert Vähling, Uetersen

Verkehrshindernis

Es ist sehr zu begrüßen, daß im Hamburger Abendblatt erneut auf die unhaltbaren Zustände auf der Ost-West- Achse hingewiesen worden ist. Die Ost- West-Straße ist sicherlich keine Fehlplanung, sondern von der wachsenden Verkehrsflut, die 1960 wohl noch nicht übersehen werden konnte, überholt worden. ? Sie ist der Ausdruck der allgemeinen Hamburger Ost-West-Verkehrsmisere. Welche chaotischen Zustände herrschen heute schon am Dammtor, in der Esplanade, auf dem Alsterglacis als Durchgangsstraßen! Es gehört wirklich nicht viel Einblick in die Verhältnisse, um die düstere Prognose zu stellen, daß in spätestens ein bis zwei Jahren der Verkehr an diesen neuralgischen Punkten völlig zusammenbricht!

So schön unsere Alster ist, sie stellt ein erstrangiges Verkehrshindernis dar. Es ist doch so, daß Hamburg praktisch in zwei Hälften zerfällt. Wer beispielsweise östlich der Alster wohnt, muß sich

Neues Portal für St. Petri?

Recht empört hat mich der Artikel "Ein neuer Blickfang für St. Petri" im Hamburger Abendblatt vom 14. Januar hinsichtlich eines architektonischen Vorschlages zur Neugestaltung des Portals von St. Petri in der Mönckebergstraße.

Ich sehe nicht den geringsten Grund, diesen herrlichen, in Backsteingotik erschaffenen Bau zu verschandeln. Was überhaupt bezweckt man mit dieser Umgestaltung? Ich finde, man sollte das Portal so belassen, wie es ist. Derjenige, der den Wunsch hat, das Innere der Kirche aufzusuchen, wird sich auch ernstlich überlegen, ob er einen Arbeitsplatz westlich der Alster annehmen soll, oder umgekehrt!

Hier kann doch nur die Kerntangente Abhilfe schaffen. Um so erstaunter muß man feststellen, daß die Verkehrsexperten den Baubeginn dieses für Hamburg so wichtigen Verkehrsprojektes in die ferne Zukunft rücken. Will man hier einmal mehr den Anschluß verpassen? Baubeginn 1980? Kaum zu fassen!

Dieter Rohrbach, Hamburg 13

Seebohm behielt recht

Vor einigen Jahren wurde bei einem Diskussionsabend über "Verkehrsprobleme im Landkreis Harburg" dem damaligen Verkehrsminister Dr. Seebohm die vorwurfsvolle Frage gestellt, warum man nicht weitschauend das Autobahnstück Hamburg-Maschen statt dreispurig nicht sofort vierspurig (in beiden Richtungen) ausbauen würde. Die Antwort lautete: Die schlecht geplanten Einfallstraßen Hamburgs, Ost- West-Straße, Amsinckstraße und Heidenkampsweg, würden schon den dreispurigen Einfallverkehr absolut nicht verkraften. Man sieht heute, er hatte recht!

Adalbert HUbner, Klecken

Hochstraße?

Es muß sofort damit begonnen werden, auf der Ost-West-Straße für Abhilfe des derzeitigen Zustandes zu sorgen. Warum nicht mit einer Hochstraße über der Ost-West-Straße für den flie- ßenden Durchgangsverkehr? Das sollte doch nicht unmöglich sein, auch wenn wir hier nicht im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten leben. Hochstraßen werden "Mode" und sind eine Lösung. In Hamburg etwa nicht?

Nobert Hoffmann, Hamburg 54

durch die wenigen Stufen nicht davon abbringen lassen.

Überhaupt sollten wir doch in Hamburg froh sein über jedes noch erhalten gebliebene Baudenkmal und versuchen. es so zu erhalten, wie der Baumeister es geschaffen hat.

Vergißt man bei den zuständigen kirchlichen Stellen ganz, daß man mit einem Betrag von 1,5 Mill. eine viel segensreichere Nächstenliebe ausüben kann, z. B. Errichtung von Kindergärten und Altersheimen?

Ingrid Mecklenburg, Hbg. 30 (Siehe auch Seite 15)

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