Ein Saupreiß ist keine Preußensau

Von Mathilde Kohler

München, 4. November

Saupreiß, das berühmteste Wort aus dem bayrischen Sprachschatz, vermag immer noch die Gemüter, die Sprachforscher und selbst "He Justiz in Atem zu halten. Das wurde gerade in diesen Tagen vor einem Münchener Gericht offenbar. Da klagte der Prinz von und zu C. den Milchmann Hermann A. wegen Beleidigung an. Der Prinz, aus den Landen nördlich der Donau stammend und zwecks Studium südlich der Donau weilend, befand sich eines Abends mit seinem Auto vor einer jener rätselhaftumfangreichen Baustellen, die fast allen Münchener Stadteinlahrten nunmehr, vorgelagert sind.

Vor ihm, ebenfalls im Auto, befand sich der Milchmann Hermann A. und

suchte im Bau-Labyrinth nach dem richtigen Weg. Das ist für Eingesessene fast noch schwerer als für Fremde, weil die Macht der Gewohnheit auf den einst vertrauten Zufahrten bestehen möchte. Der ortsfremde Prinz hatte wenig Geduld mit der Vorsicht seines Vordermannes und betätigte die Lichthupe. Das brachte diesen in Rage, er entstieg seinem Fahrzeug und ließ die Wucht seiner Muskeln auf den Prinzen niedersausen und gleichzeitig auch die Kraft seiner Sprache.

"Er hat mich eine Preußensau genannt", klagte der Prinz. Der Angeklagte beteuerte: "Net wahr is', an Saupreiß hab i'n gnennt." Der Kläger dagegen: "Saupreuß hätte ich ihm nicht übelgenommen, das ist hier ja gang und gäbe, da denkt man sich nichts mehr dabei. Aber er hat mich Preußensau genannt, mit der Betonung auf Sau, und das ist mir doch zu weit gegangen." Der Richter pflichtete bei: "Das ist tatsächlich eine Beleidigung."

Weil er mit dem vom Volkszorn sanktionierten Wort also und auch mit vielen Regeln des Straßenverkehrs leichtfertig umgegangen war, wurde der temperamentvolle Mann mit Geld und Gefängnis bestraft.

Irgendwie kommt das Urteil des Richters den Definitionen der Sprachforscher entgegen. Auch sie finden, daß "Sau", als Vorsilbe gebraucht, eher eine gutmütig-melancholische als abwertende Bedeutung habe ? wie etwa Sau-Wetter oder Sau-Kartoffeln oder Sau- Hund. Als Vorsilbe brauche niemand mehr die "Sau" wörtlich zu nehmen. Und was den Sau-preiß angehe, so habe der den 100. Geburtstag nun ja hinter sich (die unwilligen Soldaten des Krieges 1866 erfanden ihn), und der Inhalt dieses durch die Tradition geheiligten Wortes werde schon längst auf die westlich von Preußen, im Rheinland, lebenden Brüder übertragen.

reicht wurden. Korsten steht nicht unter Amtseid. Er arbeitet gleichzeitig auch als Berater für die Privatwirtschaft. Hohe Haager Beamte finden es höchst bedenklich, welchen Einfluß ein Außenseiter hier auf Regierungsangelegenheiten bekam.

Korsten wurde bzw. wird vom Verteidigungsminister, vom Entwicklungsminister, vom Minister für Arbeit und Soziales, vom Unterrichtsminister beschäftigt, zu anderen Ministerien besteht eine lose Bindung, er berät auch die Katholische Volkspartei. Man kann sich wundern, wie ein Mann es fertigbringt, katholische, protestantische, liberale Politiker gleichzeitig mit seinem Rat zu bedienen. Regierunsschriftsätze neu getextet zu haben, rühmt er sich auch. Heute meint er kleinlaut, man überschätze seine .Tätigkeit hinter den Staate die Kammer nicht mit einem Minister konfrontieren, der alles so gut weiß."

Nur Außenminister Luns machte von den Diensten des agilen Korsten keinen Gebrauch. Korsten: "Wozu auch! Luns ist selber sein bester Public-Relations- Berater." Tatsächlich ist Luns nicht nur der beliebteste Minister, sondern der beliebteste Holländer schlechthin. Wird jedoch jetzt eingeholt durch Prinz Claus.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.