Das Neueste aus der Welt der Bühne

Schon im Juni wird Joseph Offenbach wieder auf der Bühne stehen. Sein Zusammenbruch vor etwa zwei Monaten war '/um Glück nicht auf einen Herzinfarkt zurückzuführen, wie man anfangs vermutet hatte; es stellte sich heraus, daß eine Nierenerkrankung ihn außer Gefecht gesetzt hatte. Für Saunders' "Ein Duft von Blumen" (Regie Oscar Fritz Schuh) hat Offenbach, nun gesund und optimistisch, die Rolle eines Beerdigungsunternehmers übernommen. Das geplante Gastspiel an der Wiener Burg konnte im besten Einvernehmen mit Direktor Ernst Haeussermann auf die Zeit von Februar bis Juni 1966 verschoben werden. Dann will Prof. Haeussermann den "Geizigen" von Moliere mit Offenbach (Titelrolle) wiederaufnehmen und möchte mit ihm Strindbergs ..Nach Damaskus" herausbringen.

Der Hamburger Bühnenbildner Erich Grandeit wurde von Direktor Frank Lothar eingeladen, für seine Inszenierungen von Goethes "Urfaust" und Paul Valerys "Mein Faust" in der Berliner "Tribüne" (Anfang kommender Spielzeil) die Bühnenbilder zu entwerfen. Im Oktober wird Grandeit am Wiener Burgtheater Shaws "Haus Herzenstod" ausstatten. Regie führt Boy Gobert.

Johanna Liebeneiner, Tochter Hilde Krahls und Wolfgang Liebeneiners, wird in der Hansestadt, in der sie 1945 zur Welt kam, ihr Theaterdebüt geben. Ida Ehre hat sich von der Schauspielschülerin bei Else Bongers in Berlin (vorher Schülerin des Wiener Reinhardt-Seminars') vorsprechen lassen und sie dann engagiert. Johanna kommt im Dezember zu Proben in den Kammerspielen (für. Arthur Schnitzlers "Liebelei") nach Hamburq. Wolfgang Glück, der Wiener Regisseur und Ehemann Christiane Hörbigers, wird Schnitzlers Stück für die Premiere am 4. Januar vorbereiten. Johanna soll die Christine, Karl Meixner den Vater spielen. Während die blutjunge Debütantin zu Beginn des Jahres 1966 im Haus an der Hartungstraße auftritt, wird Wolfgang Liebeneiner dort mit Hilde Krahl in der Hauptrolle ein Stück inszenieren, nach dem Direktion und Dramaturgie zur Zeit allerdings noch verzweifelt suchen. Vielleicht gibt's darin auch eine Rolle für die Tochter.

Für Dario Niccodemis Zwei-Personen-Stück"Tageszeiten der Liebe" holte sich das Theater am Fürsthof in Neumünster die junge Hamburgerin Dagmar Harms (Premiere 3. Juni). Dagmar, die am 21. Mai 19 Jahre alt wurde, ist im vierten Semester Schülerin des Margot- Hopf ncr-Studios für Schauspiel, Musical und Pantomime.

Nach der Vorstellung von "Irma la Douce" am 6. Juni beginnen in der "kleinen komödie" die Theaterferien. Mit Marc Camolettis "Die Perle Anna" ("La bonne Anna") in der deutschen Bearbeitung von Peter Loos will Peter Ahrweiler am 7. Juli die neue Spielzeit er- öffnen. In Ahrweilers "rendezvous" gastiert ab 7. Juni das Berliner Kabarett "Die Bedienten" mit seinem neuesten Programm "Oben ohne".

In seiner Tecklenburger Freilicht-Inszenierung von Schillers "Die Jungfrau von Orleans" betraute Regisseur Heinz Schade den Hamburger Schauspieler Waldemar Adelberger mit der Rolle des Thibaut (Premiere 10. Juni). Anschließend wird Adelberger am Kleinen Theater Bad Godesberg unter der Regie von Günter Kind den Butler in "Gigi" (mit Camilla Hörn als Partnerin) spielen. Für die Spielzeit 196ö'b'tj wurde Adelberger von Intendant Werner Eisert nach Ingolstadt verpflichtet.

Ludmila Dvorakowa, von der Hamburgischen Staatsoper her bekannt, singt die Isolde bei einer Festaufführung von "Tristan und Isolde" im Opernhaus Hannover in der Premiere am 3. Juni. Die Neuinszenierung von Reinhard Lehmann gedenkt des hundertsten Jahrestages der Uraufführung des Werkes. Für die Tristan-Partie wurde Sebastian Feiersinger vom Nürnberger Opernhaus als Gast verpflichtet.

Hamburgs Seliauspielliaus - Clief Oscar Fritz Schuh wird bei der festlichen Matinee zum Auftakt der "Berner Opernwoelie" am 20. Juni einen Vortrag über das Thema "Festspiele und Opernalllag" halten. Zu den. zahlreichen gastierenden Solisten dieser Festwoche (bis 27. Juni) geliört auch Tom Krause von der Hamburgisehen Staatsoper; er wird die Titelpartic in Mozarts "Don Giovanni" .singen.

Vier Wochen alt war Ulrich Faulhaber, als er (gebürtiger Berliner) vor 23 Jahren nach Hamburg kam. 1959 unternahm er hier ? im Theater im Zimmer und in den Kammcrspiclen ? die ersten Schritte auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Es folgten Engagements an der Berliner Freien Volksbühne und den Münchener Kammerspielen. Nun hat Prof. Schuh den jungen Mann bis Juli 1966 unter Vertrag genommen. Faulhaber sprang im Deutschen Schauspielhaus bereits für Christoph Bantzcr als Stummer in "Die Chinesische Mauer" ein und wird ab 5. Juni in "Ein Duft von Blumen" den Gottfried spielen.

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