Alarmierender Plan / Für Parkplätze sollen Promenaden verengt und Bäume gefällt werden / Was sagen die Hamburger dazu?

Gefahr für das Gesicht des Jungfernstiegs

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Ein aufsehenerregender Plan der Baubehörde beschäftigt sich mit der Umgestaltung des Jungfernstieges. Es geht dabei hauptsächlich um eine Verbreiterung der Fahrbahnen und um mehr Parkplätze. Dafür sollen die Bürgersteige des Jungfernstieges schmäler werden. Alarmierend dabei: die an der Wasserseite stehenden Bäume, eine Zierde des Jungfernstieges, sollen entfernt werden.

Schon gestern abend gab es lebhafte Diskussionen, als dieser Plan vor der Bezirksversammlung Mitte vorgetragen wurde. Unter den Abgeordneten aller Fraktionen herrschte nur eine Meinung: Das darf nicht passieren!

So sieht dieser Plan im einzelnen aus:

- Der Parkraum in der Mitte der Straße fällt weg. Dort soll nur eine schmale, abgegrenzte Spur für die Straßenbahnen bleiben.

- Auf beiden Straßenseiten werden Parkstreifen außerhalb der Fahrbahnen angelegt. Das geht natürlich nur auf Kosten der bisherigen breiten Promenaden.

- Während heute die Fahrzeuge in Längsrichtung auf der Fahrbahn an der Bordsteinkante ? und zwar an Parkuhren ? abgestellt werden, sollen jetzt gesonderte Parkplätze auS dem Bürgersteig geschaffen werden.

Die Wagen sollen schräg gestellt auf dem jetzigen Fußweg stehen. Zufahrtsmöglichkeit zu diesen Parkplätzen besteht nur von rückwärts, also vom Bürgersteig aus.

Bis auf sieben Meter

Dadurch wird die Promenade vor den Geschäften, die heute bis zu elf Meter breit ist, bis auf sieben Meter verengt. Auch auf der gegenüberliegenden Seite zum Wasser hin soll der Bürgersteig schmäler werden.

Sehr schmerzlich wird viele Hamburger treffen, daß bei dieser Umgestaltung auch die Baumreihe zwischen Alsterpavillon und dem Reisebüropavillon verschwinden soll. Dort wird künftig der Radweg liegen.

Die drangvolle Enge aut dem Bürgersteig der Häuserseite, die schon jetzt zuweilen beängstigend ist, wird bei der Verwirklichung dieses Planes der Baubehörde noch schlimmer.

Ein Gegenvorschlag

Vor allem aus diesem Grund hat das Bauamt des Bezirksamtes Mitte bereits einen Gegenvorschlag vorgelegt. Er sieht keine wesentlich schmäleren Bürgersteige als heute vor. Am Fahrbahnrand entstehen nur zusätzliche Parkstreifen und keine breiten Parkbuchten.

Diese zusätzlichen Stellplätze können allerdings nur an der Wasserseite angelegt werden. An der Häuserseite nämlich kann man heute schon ? mit Ausnahme der Hauptverkehrszeit am Nachmittag ? priaktisch in der gesamten Länge an Parkuhren sein Fahrzeug abstellen.

Und dieses waren die Bedenken der Abgeordneten der Bezirksversammlung Mitte. Abgeordneter Er-' win Bley (SPD): "Des Jungfernstieg ist international so bekannt, daß wir nicht auf diese radikale Weise an ihn Hand anlegen dürfen. Keinesfalls darf die Promenade verengt werden. Die vielen Ausländer, die nach Hamburg kommen, lieben gerade den Geschäftsbummel über diese attraktive Straße."

Abgeordneter Rudi Bergmann (CDU): "Die Bedeutung des Jungfernstiegs ginge verloren. Gegen die Verwirklichung dieses Planes werden wir uns mit aller Macht wenden!"

Unabhängig von den Plänen der Baubehörde und des Bezirksamtes müssen sich die Hamburger allerdings ohnehin damit abfinden, daß der Jungfernstieg noch in diesem Jahr vorübergehend einen anderen Anblick bieten wird. Er wird Groß-' baustelle für die neuell-Bahn-Strecke zwischen Hauptbahnhof-Nord und Schlump.

Im Zusammenhang mit dem völlig umgebauten U-Bahnhof unter dem Jungfernstieg, der eine Übergangsmöglichkeit zwischen den einzelnen Linien bieten wird, ist auch der Bau eines Fußgängertunnels etwa in der Höhe des Reisebüro-Pavillons vorgesehen. Der Bahnsteig für die Linie Hauptbahnhof-Nord ? Schlump wird unter der Binnenalster und zum Teii auch noch unter der Landestelle der Alsterschiffe liegen. Die Bundesbahn will für ihre geplante S-Bahn-Linie durch die Innenstadt weitere Tunnel mit ihrem Bahnsteig ? ebenfalls unter der Binnenalster ? bauen und Verbindungen zum U-Bahnhof anlegen.

Frage an die Hamburger

Die Frage der Umgestaltung des'' Jungfernstieges wird sicherlich nicht nur die Planer, sondern auch viele Hamburger beschäftigen. Denn hier geht es um Hamburgs bekannteste, weltberühmte Straße.

Soll ihr Bild, um etwas mehr Parkraum zu gewinnen, so nachdrücklich verändert werden? Was sagen die Hamburger dazu? Schreiben Sie uns Ihre Meinung unter dem Stichwort "Jungfernstieg".

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