Theater NOTIZEN

"Kortners .Othello'-Inszenierung in den Münchener Kammerspielen war für mich das größte Theatererlebnis seit meiner Kindheit!", erzählt Gerda Gmelin. Die Chefin des Theaters im Zimmer ist erst vor wenigen Tagen vom Urlaub aus Bayern zurückgekehrt. Leider fand sie im eigenen Hause nicht alles so vor, wie sie es erwartet hatte. "Blue .leaans" erscheint zwar jetzt wie vorgesehen wieder auf dem Spielplan, jedoch vom 1. Juli bis in den August hinein muß das Theater an der Alsterchaussee erneut schließen, da die Renovierungsarbeiten während der einmonatigen Spielpause nicht beendet werden konnten.

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Unmittelbar nach seiner Rückkehr von den Wiener Festspielen übernahm Intendant Willy Maertens ? zusammen mit seinem Dramaturgen Walter Ruppel ? vor kurzem in der Kulturbehörde eine Büste von Leopold Jessner, die im Thalia-Theater Aufstellung finden soll. Margarete Hruby ? Tochter der Burgschauspielerin Elisabeth Hruby, die unter Baron Berger einige Jahre lang Mitglied des Schauspielhauses in Hamburg war ? hat die Büste geschaffen. Jessner saß ihr kurz vor seinem Tode 1945 in Hollywood. Margarete Hruby, selber Schauspielerin bei Jessner am Preu- ßischen Staatstheater Berlin, hatte sich erst während der Emigration, in die sie ihrem Mann Manfred Fürst gefolgt war, der Bildhauerei zugewandt. Heute lebt das Ehepaar Fürst ? Hruby in Grünwald bei München.

Bis ihn die Hamburger Kammerspiele im November für Wildes "Ein idealer Gatte" wieder in die Hansestadt holen, wird Walter Grüters in Frankfurt auf der Bühne stehen. Der Hamburger Schauspieler gastiert zur Zeit im dortigen Kleinen Theater im Zoo als Gerichtsrat Walter in Kleists "Zerbrochenem Krug". Direktor Fritz Remond ? Regisseur des Lustspiels und Furore machender Dorfrichter Adam ? hat Grüters bereits für eine neue Aufgabe verpflichtet. Auch das Theater am Roßmarkt hat ihm eine Rolle angeboten.

Eleonore Schroth, die als Judi in "Nur keine Blumen", einen rechten Hypochonder zum Mann hat (Hans Paetsch), will sich durch das Ehe- Experiment auf der Bühne des Thalia-

Theaters nicht abschrekken lassen: Sie wird am 4. Juli heiraten. Die Rolle des Ehemanns auf Dauer übernimmt der Verlagskaufmann Bernhard von Nicolai, der wenige Wochen nach der Hochzeit seinen "Dr. rer. pol." machen will. In den Vereinigten Staaten hat er sich bereits den akademischen Grad eines Master of Arls erworben.

Ein Blinddarm machte der Studio-Bühne an der Universität einen Strich durch die Rechnung. Bei den Proben zu Brechts "Antigone/Modell 1948" brach die Darstellerin der Ismene, Susanne Liebisch (auch als Nachwuchsautorin mit dem Hörspiel "Eine Episode" hervorgetreten), plötzlich zusammen. Unter Einsatz von Blaulicht und Sirene wurde sie eilig im Unfallwagen zur Operation gebracht. Die Brecht-Premiere im Audimax muß nun vom 21. Juni auf den 9. Juli verschoben werden.

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Do er wieder mehr dirigieren und komponieren möchte, scheidet Winfried Zillig im Herbst als Leiter der Hauptabteilung Musik desi NDR aus. "Der Komponist Zillig war praktisch fast vier Jahre lang für den Funk gesperrt!" , sagte er lächelnd. "Ich konnte mir schließlich nicht selber Aufträge geben." Der vielgeplagte Musifcabteilungsleiter hat jedoch in langen Monaten ? zwischen 4 Uhr früh und Dienstbeginn im Funkhaus ? eine Bühnenoper ("Das Verlöbnis") geschrieben. Am 27. September soll sie am Landestheater Linz uraufgeführt werden. Außerdem entstand ein großes Orchesterstück unter Benutzung eines Themas "on Richard Wagner, das bei der Eröffnung der Nürnberger Meistersingerhalle, eines neuen Konzertsaals, am 7. Septejnber zum erstenmal öffentlich erklingen wird. Zillig freut sich schon darauf, sich bald einen langgehegten Wunsch erfüllen zu können: "Volpone" als Fernsehoper.

Zum erstenmal nach drei Jahren wird Gisela Litz in diesem Jahr nicht beim Festival in Herrenhausen singen. Das Ehepaar Dr. Finkemeyer-Litz hat sich an der spanischen Mittelmeerküste für Juli ein Haus gemietet und will dort mit dem achtjährigen Jan und dem dreijährigen Katrinchen einmal richtig Urlaub machen. Erst Ende September möchte Frau Litz wieder ein auswärtiges Angebot annehmen: nach Montreux in der Schweiz. Es handelt sich dabei um die späte Uraufführung einer Passion des 1767 gestorbenen Georg Philipp Telemann.

WILLI PAETSCH

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