Hollywood ärgert sich über Brigitte Bardot

Käutner macht einen Film nach Motiven aus "Hamlet"

Liebe Filmfreunde!

In Düsseldorf hat Helmut Käutner mit den Außenaufnahmen zu seinem Füm nach Hamlet-Motiven "Der Rest ist Schwedgen" begonnen. Dieser erste Füm, der "freien Filmproduktion" (Helmut Käutner, Wolfgang Staudte und Harald Braun) behandelt das tragische Schicksal der Familie eines rheinischen Stahlindustriellen. Käutner (er führt Regie und schrieb das Drehbuch) erklärte: "Hamlet ist das beste Krimdnalstück der Welt." Er wolle jedoch keine "reine Aktion" und keine "Agatha Christie nach Shakespeare" bieten, sondern eine spannende psychologische Farnilientragödie. Dabei werde er es gleichreitig vermeiden,etnen"Hamlet imFrack" bu liefern. Es gehe ihm vielmehr um sine eigenständige Darstellung ohne literarischen Respekt, die In die Gegenwert passe. Der Film "ei nach seiner Auflassung weder ein künstlerisches Experiment noch ein geschäftliches Risiko. Käutner ist froh, Hardy Krüger als weltoffenen, modernen Hamlet für diesen Film gewonnen zu haben. Er bedauert, daß Marlene Dietrich die ihr angebotene -Rolle der Mutter Hamlets abgelehnt hat. Er habe jedoch volles Verständnis dafür, daß Marlene Dietrich "sich noch nicht genügend erwachsen fühlt, um die Mutter zu spielen, so lange sie noch als Liebende bei dem Publikum ankommt".

Es wird weiter gehoopt! Nach "Hula Hoop Conny" mit Conny Froboess heißt es für Christine Kaufmann und Marlies Behrens, Miß Germany 1958, "Hula Hoop Baby". Drehbeginn demnächst. Damit befindet sich der deutsche Film unverkennbar im Zeitalter des Reifens.

-

Hollywood ärgert sich über Brigitte B ard o t. Immer wieder findet, sie eine Ausrede, den Start ihres ersten US-Films, für den sie den Vertrag bereits unterschrieben hat, hinauszuzögern. Niemand kennt den Grund für BB.s Verhalten. "Die Amerikaner fressen einen Star mit Haut und Haar", sagte sie mir vor einem Vierteljahr in St Tropez, wo sie auch jetzt wieder mit ihrem Verlobten, Sascha Distel, Ferien macht, "ich möchte aber gern noch' ein bißchen vom Leben haben."

Die deutschen Kinobesitzer wissen es genau: Einträglichster "Regisseur 1958" war Kurt Hoff mann, so stellten % sie fest, mit "Salzburger Geschichten", "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" und "Wirtshaus Im Spessart". Die Reihenfolge der zugkräftigsten Darstellerinnen lautet: Nadja Tiller, Lüo Pulver und Marika Rökk, in ihrem Gefolge erscheinen erst Romy Schneider und Ruth Leuwerick. Von Maria Schell weit und breit keine Spur. "Anführer" der männlichen Stars ist Heinz Rühmann. Hinter ihm marschieren Peter Alexander und Heinz Erhardt Als Nr. 4 erscheint Carlos Thompson. Und an fünfter Stelle rangiert, gemeinsam mit Hansjörg Felmy, O. W. ? Hugh, die Kinokasse hat gesprochen!

Dawn Addams, für die vertragebrüchig gewordene Eva Bartok als "Feuerrote Baronesse" eingesprungen, versuchte während der Dreharbeiten in Berlin beredt" mehrfach vergeblich, Ihr bei ihrem geschiedenen Mann, dem Fürsten Massimo, in Rom lebendes Kind telephonisch zu erreichen. "Ich weiß nicht, wie lange ich es aushalte, das Kind nicht mehr um mich zu haben", sagte sie. "Ich habe mich vor ein paar Monaten zwar für meine Karriere entschieden. Ob das Herz das aber auf die Dauer mitmacht?"

Als Dsidra Rittenbergs (augenblicklich im "Esplanade" mitreißend als "Malwa") vor zwei Jahren in Venedig als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde, gab es ein reizendes Erlebnis: Auf dem Abschlußempfang, den die Biennale gab, wollte es das Pech, daß Dsidra ein Stück des als Dessert gereichten Gefrorenen ins Dekollete plumpste. Natürlich verflüssigte es sich sofort Worauf Franco Interlenghi bemerkte: "Welches Eis sollte bei einer so schönen Frau auch nicht schmelzen?" ? Dsidra schaute ihn" treuherzig an und meinte: "Sie waren sicherlich noch nicht in Moskau, sonst wüßten Sie's besser!"

-

Marianne Koch hält es auch weiterhin mit der Medizin. Da ihr das Filmen bisher noch nicht Zeit genug ließ, ihr Examen zu bauen, will sie sich demnächst als "Frontschwester Karin" bewähren. Man munkelt von Wolfgang Liebeneiner als Regisseur.

-

Auf einer Party, die Esther Williams jüngst in ihrer Luxusvilla in Beverly Hills gab, erlaubte sich ein vorwitziger junger Mann die Frage, ob sie das Filmen in nächster Zeit nicht ganz aufgeben und eich nur noch ihren Badeanzugfabriken ,, widmen wallte.

Esther erklärte lächelnd: "Sie scheinen schlecht mit der 'Zeit zu gehen, my dear. Der Film Wird immerhin mal vom Fernsehen abgelöst werden, der Badeanzug aber durch nichts. Da habe ich also beim Film immer noch eher Chancen, okay?"

Giselle Pascal, in Hamburg augenblicklich als "Der blonde Skorpion", schickte einen verspäteten Neujahrsgruß. "Wenn man doch Anno 59 statt anderer scheußlicher Dinge eine Brille erfände, durch die man alles so sehen würde, daß man sich über nichts zu ärgern braucht!" schrieb sie mit ihrer steilen Schrift. Hat sie nicht recht?

Alles Gute bis zum nächsten Wochenende

$ü(. Scjllti*

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.