Viel Spaß mit Elektronen-Gehirnen

Eine Frau, die alles kennt"

Es gibt einige, wahrscheinlich nicht einmal wenige Kenner, die Katherine Hepburn und Spencer Tracy für das Feinste halten, was Amerika schauspielerisch zu bieten hat. Seit beiläufig zwanzig Jahren und eher mehr als weniger; wahrscheinlich sind's nämlich schon dreißig.

Es ist keine Unhöflichkeit, kein Trick mit doppeltem Boden, hier einmal gegen alle Regel auf die Suche nach der verlorenen Zeit zu gehen, zwei Künstlern also die Jahre nachzurechnen, sondern allein der Respekt vor der Kunst, und zwar jener Kunst, die mit den wirklich guten Weinen gemeinsam hat, daß sie mit den Jahren des Reifens nur noch süßer und fülliger werden.

Es hat in der Vergangenheit kaum einen Film mit dem einen oder dem anderen dieser beiden Schauspieler (oder auch mit beiden zusammen) gegeben, die einen nicht berührt hätten oder gänzlich vergessen wären. Wenn man sich der Titel auch nicht immer mehr erinnern mag, so sind doch die beiden Gesichter immer gegenwärtig und lebendig geblieben, durch alle Wandlungen hindurch, als die Sensiblen" die Feinhäutigen, die Durchlässigen, die imstande waren, dem großen Gefühl wie auch der leichtesten Nuance Ausdruck, Leben, Gegenwärtigkeit zu verleihen.

So auch in diesem von Walter Lang sehr hübsch und nicht nur belanglos angestifteten Spaß mit Elektronengehirnen, dem deutsche Titelkunst das hilflose Prädikat "Die Frau, die alles kennt" aufgeprägt hat (Originaltitel: The desk set). Soll man sagen, um was es geht? Nein, man soll nicht. Es genügt zu wissen, daß Katherine und Spencer es sind, die dem Spaß nicht etwa großes Gewicht, sondern Profil verleihen, indem sie in den auffälligen kleinen Ecken des Alltags die Brosamen zusammenkehren, aus denen sich das lebendige Leben zusammenfügt: zu einer Komödie, die ohne die beiden nicht stattgefunden hätte. Aber sie findet statt. In der Kurbei am Jungfernstieg. WM"

"Unser Wunderland bei Nacht": Rosemaries Abenteuer steigen weiter im Kurs. Diesmal werden ganze Kolonnen dieser Mädchen über die Leinwand bemüht. Drei Regisseure (Jürgen Roland, Reinhard Eisner und Hans Heinrich) erzählen in drei Episoden aus drei deutschen Wunderstädten die Schattenseiten unserer Zeit. Eine Nur-Sex-Reise von Hamburg über München nach Düsseldorf. Dabei werden fleißig Halbweltweisheiten im Straßenjargon zitiert und ernste Themen durch Wortspielereien in Zwischentexten von Klaus-Günther Neumann und Werner Hartnik glossiert. Das Drehbuch bemühte sich weniger um die Wahrheit als um knallige Effekte: Eine Schau der ; Sinnlichkeit, mit der man letzten Endes nichts anzufangen weiß. (Savoy u. Oase.) ? us.

"Männer, die in den Stiefeln Sterben":Bei Western stimmt's immer, daß die Männer nicht im Bett sterben. Hier wird keine Ausnahme gemacht. Die sattelgerechte Geschichte spielt in jenen rauhen Tagen, da sich die Eisenbahnen immer weiter ins wilde Land vorschoben und der Interessenkampf mit dem Colt geführt wurde. Der wackere Sheriff a. D. (George Montgomery) muß gleich zweierlei besiegen: die Horde des hartnäckigen Gegners und*das Mißtrauen seines Freundes. jh. (Atlantik, Drosselhof, Central-Lsp., Jalousie, Lokstedter, Holsten-Lsp., Reichs, Spiegel,

Union)

"Ungebändigt": Breit erzählt Regisseur Hathaway diese einfache, aber dramatische Geschichte dreier Menschen aus den fernen Wäldern von Sashatchewan. Die junge Farmerswitwe (Susan Hayword) hat den Naturburschen Fred (Stephen Boyd) geheiratet, und Söhnchen Robby wird eifersüchtig. Weil diese ursprünglichen Menschen in Liebe wie in Haß geradeaus und eigensinnig sind, gibt es manche harte Komplikation. Waldbrand, Schnee- und Gewittersturm, ein beutegieriger Silberlöwe und ein heimtückisches Sumpfloch tragen ? in Cinemascope ? gleichermaßen zum Rahmen der Handlung und zur Unterhaltung eines zufriedenen Publikums bei. (City) Id.

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