Kulissengeplauder

Hilde Wörner grüßt ihre Hamburger Freunde aus München ? "Porgy and Bess" lassen aut sich warten ? Joseph Oiienbach verläßt un*

Hilde Wörner, Gattin des Dirigenten Jan Koetsier vom Bayrischen Rundfunk, gedenkt des Wirkens in Hamburg, nennt in dem mir vorliegenden Brief wehmütig die Namen Eduard Lichtenstein und Georg Bruno, versichert aber, keinen Come-back- Ehrgeiz mehr zu haben. Sie freue sich, heute im Theater sitzen zu können, "um sich etwas vorspielen zu lassen" ? und darf versichert sein, daß man sich an der Elbe unvermindert gern ihres "Mascottchen" von einst erinnert . . .

Rosemarie Gerstenberg scheint den Wienern immer besser zu gefallen. Auch in der nächsten Spielzeit wird sie ihre Arbeit höchstwahrscheinlich zwischen Alstertor und

Burgtheater teilen. Nach ihrem Erfolg als Turandot in Hildesheimers "Drachenthron" im Wiener Akademie-Theater hat sie jetzt noch eine Aufgabe in "Amphitryon 38" übernommen.

Peter Maertens, der Sohn des Thaliatheaterleiters, hat wegen seiner Verpflichtungen in Hannover und Lübeck das Angebot des Theaters in der Josephstadt in Wien, neben Susanne von Almassy den Andersonschen "Einzelgänger" zu spielen, ablehnen müssen.

Am Alstertor probt man eifrig "Dornröschen", das als Weihnachtsmärchen am 18. 11. herauskommt, und die "Heiratsvermittlerin", deren Premiere für den 25. November angesetzt ist.

Anläßlich der "König-Nlcolo"- Premiere im Schauspielhaus wurde erwähnt, daß Wedekinds Stück einst unter Dr. Paul Legbands Regie auch den Stoff für einen Stummfilm gegeben hatte. Die Witwe des unvergessenen Leiters des ehemaligen Altonaer Stadttheaters stellt mir dazu dieses Bild zur Verfügung, das wahrscheinlich aus dem Jahr 1918 stammt. Es zeigt Legband bei der Probenarbeit in Berlin mit seinen Hauptdarstellern: Tilly Wedekind, der Alma, und Ernst Stahl-Nachbaur, der kürzlich auf eine fünfzigjährige Bühnentätigkeit zurückblicken konnte, als Nicolo.

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Thomas Manns einziges Bühnenwerk, seine "Fiorenza", wird, von Albert Lippert inszeniert, am 12. November in einer Festveranstaltung der Carl-Schurz-Gesellschaft in B r e m e n erstaufgeführt werden.

Das mit Spannung erwartete Gastspiel der US-Negeroper "Porgy and Bess" wird uns ? die Repertoireumstellung am Besenbinderhof verriet es bereits ? also für die nächste Zukunft noch nicht blühen. Es ließ sich mit seinen speziellen technischen Ansprüchen, die alles Gewohnte übersteigen, nicht in so kurzer Zeit verwirklichen. Die Vorbereitungen gehen weiter; die Aussicht bleibt.

Gisela von Collande ist für die Hauptrolle in der Wuppertaler Aufführung von Faulkners "Requiem für eine Nonne" verpflichtet worden.

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Eine der markantesten und vielseitigsten Persönlichkeiten des Hamburger Theaterlebens im letzten Jahrzehnt, Joseph Offenbach vom Schauspielhaus, wird man in der nächsten Spielzeit an der Kirchenallee entbehren: der Vielbeschäftigte will bei Schweikart in München spielen. (Immerhin ? durch Filmbild und Funkstimme wird er uns bestimmt nahebleiben . . .) *

Dreimal Kammersänger darf sich jetzt Gottlob F r i c k , der auch in Hamburg hochgeschätzte Bassist, nennen: nach Sachsen und Österreich hat ihm jetzt auch Bayern diesen Titel verliehen.

Mit ein wenig Lampenfieber sieht eine Autorin dem heutigen Abend entgegen: Frau Anni Backenberg hat ihre erste "richtige Abendstück- Premiere" im St.-Pauli-Theater! Mit den beiden Weihnachtsmärchen "Das klingende Herz" und "Weißt du, wieviel Sternlein stehen?" das eine 1936 und 1947, das zweite 1948 und im Vorjahr gespielt, holte sie sich schon Erfolge im Hause Simon, aber nun kommt, nach mehreren Anläufen, ein echtes Repertoire-Stück ? "Krampf op de ganze Linie"? zum Zuge! Anni Backenberg, Hamburgerin natürlich, hat, wenn auch nur auf Liebhaberbühnen, früher einmal selbst auf der Szene gestanden und plattdeutsch gespielt und geschrieben. Wir drücken ihr die Daumen . . .

Die "Wiener Filiale" der "Kleinen Komödie" Peter Ahrweilers soll nun Wirklichkeit werden. Ab Mitte November will er in Wiens "Casanova" mit "Madame liebt kompliziert" gastieren. Um Karin Himboldt soll sich in der Hauptsache das am Neuen Wall bewährte Ensemble gruppieren. Statt Hunzinger geht Kurt K I o p s c h mit an die Donau. (Werner Schumacher, auch mit von der Partie, kann am 15. November übrigens genau auf eine zehnjährige Bühnentätigkeit zurückblicken!)

Rendsburgs Intendant Wulf L e 1 sn e r ist beauftragt worden, für die nächstjährigen May - Festspiele am Segeberger Kalkberg ein Szenarium für ein Balkan-Schauspiel aus den Reiseerzählungen Karl Mays zusammenzustellen.

Das Junge Theater kann Christopher Frys "Venus im Licht" (die sich übrigens zu einem der größten Erfolge ausgewachsen hat) nur noch bis zum 15. November spielen, da einige Mitglieder wegen anderer Verpflichtungen (so Maria Kühnen bei "Paganini" und Jo Wegener bei Gmelin) ausscheiden müssen. Für eine Weile wieder eingeschoben wird dann das erprobte ? I c h 1 i e b e d i c h ", das der aus Gießen herübergekommene Henry-E. Simmons schnell neu wird einrichten müssen, da Peter von Schultz in Susanne Lyncker eine neue Partnerin erhält. (Das Premierenpaar stellten, wie erinnerlich, Gisela Zoch und Günther Schramm.)

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Während Maria Matray in Berlin an einem Drehbuch arbeitet, ist Ernst in Hollywood ? zwischen Film- und Fernsehtätigkeit wechselnd ? so vollauf beschäftigt, daß er wenig zum Genuß des neuen Heims in Beverly Hills kommen kann.

Fritz Kortner soll bei Buckwitz in Frankfurt die deutsche Erstaufführung von Max Frischs Drama "Graf Oederland" inszenieren. Die Premiere ist für die zweite Januarhälfte vorgesehen.

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