Sechsfacher Deutscher Meister Kiefer, zweimal Dickhut

Die Turner wieder olympiareif

Eigener Berieht

München-Gladbach, 23. April

Die Turner haben ln München-Oladbach anläßlich der Deutschen Kunstturn-Melsterschaften bewiesen, daß sie wieder ein Wort mitreden können Im Kreis der Internationalen Kräfte. Erstmalig nach dem Kriege boten die Leistungen ln der olympischen Prüfung, dem Zwölfkampf an den Geräten, bestehend aus Kür und Pflicht, wieder die Gewißheit, daß man im Turnen an die Erfolge der alten Olympiariege von 1938 anknüpfen kann. Erfreulich dabei ist, daß es die Jüngeren Kräfte waren, die sich diesmal endgültig durchsetzen konnten. Nachdem Steffens und Beckert sich schon seit längerer Zelt zurückgezogen hatten, befand sich diesmal auch Schwarzmann unter den Kampfrichtern. Nur Stadel hatte es noch einmal gewagt, sich dem Ansturm der Jugend zu stellen.

In aller Stille hat sich der neue Deutsche Meister, der kleine schwarzhaarige Kiefer aus Bad Kreuznach auf diesen Tag vorberel- 'tet und selbst seine engsten Freunde mit der imponierenden Leistung von 118,40 Punkten, das ist ein Durchschnitt von 9,8 Punkten für Jede Übung, überrascht. Selbst die Schweizer Beobachter waren über die Fortschritte von Kiefer erstaunt und meinten, daß Jetzt Sepp Stalder, der beste Turner der Welt, einen ernsthaften Konkurrenten erhalten hat. Kiefers Sieg war durch die meisterhafte Beherrschung der Pflichtübungen eigentlich schon am Sonnabend nachmittag entschieden. Mit 58,75 Punkten führte er vor Dickhut 58,25. Dabei muß man wissen, daß diese Pflichtübungen die gleichen sind, wie sie bei der Weltmeisterschaft in Basel gefordert werden. Es sind nicht viele Turner, die überhaupt daran denken können, sie Jemals zu beherrschen. Aus diesem Grunde war die Teilnehmerzahl mit 37 erfreulich begrenzt.

In München-Gladbach, der rheinischen Textilstadt, die aus Anlaß Ihres 800jährlgen Bestehens festlich geschmückt war, stand eine Stadt Im Turnfieber. Es war ein lokales Ereignis ersten Ranges und die dreimal ausverkaufte und überfüllte Wagenhalle war Viel zu klein für dieses Ereignis.

Unser Hamburger Vertreter Lelnlnger vom ETV. hat im Kreise der Könner mehr geleistet als erwartet werden konnte. Er behauptete sich auf dem 17. Platz und hätte leicht einige Ränge höher eingestuft werden können, wenn er nicht bei der Reck-Pflicht- übung' vom Gerät gefallen wäre. Man w r i nigermaßen erstaunt, auch aus Hamburg

nen Vertreter kennenzulernen, der die Veranlagung und das Alter besitzt, sich noch

unter die zehn Besten zu schieben. Lelnlnger brachte es auf 106,35 Punkte und erzielte am Barren 17,75, Hinge 18,85, Pferd-Sprung l", Bodenübung 18,48, Pferd Seit 18,39, Reck 18,25.

Zwei Namen muS man sich noch merken: den sojihrlgen WUrttemberger Rehner auf dem 10. Ran" und den ttjähfigen Nleling aus Düsseldorf auf dem 13. Platz.

Durch die überragenden Leistungen von Kiefer ist Dickhut als Zweitbester etwas ln den Schatten gerückt. Trotzdem hat auch er sich selbst übertreffen. 117,05 Punkte, ein Durchschnitt von 8,78 Ist von dem Zweiten der Schweizer Meisterschaften nicht mehr erzielt worden. Mit 27 Jahren hat Dickhut noch eine Zukunft.

Erich Wied übertrumpft" dies"

- So, in der Stellung bleib' ich ietrrt, ?

bis die 18 falltl

mal seinen Zwillingsbruder Theo. Als Dritter mit 118,88 Punkten hielt er den Anschluß. Aber die Wleds haben den Ehrgelt, Kiffer zu drücken. Nachdem sie Jetzt gerade Ihr Studium erfolgreich abschließen konnten Und als Junge Ingenieure bei Bosch arbeiten, wollen sie sich wieder mehr dem turnerischen Training widmen. Zunllchst ober hatatch noch der alte Meister Stadel, 38 Jahre, zwischen die zwilllngsbrüder auf den vierten . Rang gesetzt (116,08). 8. T. Wied 114,70; 6. Frenger, Lengerfeid 114,88; 7. Bantz, Lengerfeld 114,80; 8. Gauch, Kiel 114,35; P. Overwien, Essen 113,90; 10, Renner, Geislingen 111,88.

Der Jubel der Zuschauer war begreiflicherweise kaum zu unterbinden, als Kiefer dreimal hintereinander tn der Kür am Barren, Reck und an den Ringen die volle Punktzahl turnte. Er war auch Tier einzige, der in der Pflicht am Barren eine "Zehn" erhielt. Der Beifall steigerte sich zum Orkan, als Oberbürgermeister Dr. Kolb zum Abschluß dei Veranstaltung die Siegerehrung vornahm. Es wurden Deutscher Gerätemeister 1950 Kiefer. Kreuznach, Meister am Barren, Kiefer 20, an den ruhigen Ringen: Kiefer 19,65. im Pferd Sprung: Kiefer 19,85, am Reck: Kiefer, Dickhut, siadel 18,80, am Pferd sott: Kiefer 19,80. in der Bodenübung: Dickhut 18,80.

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