Tour de France

Ausreißer Mohoric gewinnt drittletzte Tour-Etappe

| Lesedauer: 3 Minuten
Tom Mustroph
Ausreißer Matej Mohoric feiert in Libourne seinen Etappensieg bei der Tour de France.

Ausreißer Matej Mohoric feiert in Libourne seinen Etappensieg bei der Tour de France.

Foto: AFP

Erst Durchsuchung, dann Solofahrt: Matej Mohoric beschert dem umstrittenen Rennstall Bahrain-Victorious den nächsten Tagessieg.

Libourne. Eddy Merckx kann aufatmen. Der Belgier war am Freitag höchstpersönlich am Start der 19. Etappe der Tour de France. Startort war das Velodrom von Mourenx. Es trägt nicht nur seinen Namen, es wurde auch 1970 gebaut, ein Jahr nach Merckx‘ famosem Soloritt von den Pyrenäen ins Tal. Mehr als acht Minuten holte er damals auf seine Verfolger heraus.

An diesem Freitag allerdings musste er befürchten, seinen Rekord von 34 Tagessiegen bei der Tour de France zu verlieren. Denn eine Flachetappe stand auf dem Programm – eine große Chance für Mark Cavendish, den aktuell stärksten Sprinter der Tour, seinen 35. Sieg zu holen.

Viele Ausreißer auf der Flachetappe

Merckx allerdings konnte sich auf den Willen des halben Pelotons verlassen, die letzte Chance auf einen Ausreißersieg zu nutzen. Schwer umkämpft war die Gruppe des Tages. Erst lösten sich sechs Mann, darunter die beiden deutschen Profis Georg Zimmermann und Jonas Rutsch. Dann machte Israel Start Up Nation für seinen Sprinter André Greipel Druck. Die Gruppe rückte in Sichtweite. Statt aber geschluckt zu werden, löste sich mehr als ein Dutzend anderer Fahrer aus dem Feld. Sie schlossen auf, und eine 20 Mann starke Gruppe war jetzt vorn, darunter waren gleich vier deutsche Profis, neben Zimmermann und Rutsch noch Nils Politt und Max Walscheid.

Das Peloton nahm die Beine hoch, die Gruppe hatte schnell zehn, fünfzehn Minuten Vorsprung. Weil Cavendish nicht vorn dabei war, war früh klar: An Merckx käme er an diesem Tag nicht vorbei.

Tour-Gemetzel auf den heißen Straßen Südfrankreichs

Als die Fluchtgruppe in die Weinberge in der Umgebung von Bordeaux hineinfuhr, begann der Kampf untereinander. Einzelne Fahrer versuchten sich zu lösen, Walscheid war einer der ersten, die dies versuchten.

Die Gruppe zersplitterte, einzelne Fahrer fielen zurück. In einer neun Mann starken Gruppe, die das Gemetzel auf den heißen Straßen Südfrankreichs überstand, befanden sich noch Rutsch und Politt.

Etappensieger aus umstrittenen Rennstall

25 km vor dem Ziel setzte sich Matej Mohoric ab. Der Mann im slowenischen Meistertrikot hatte bereits die vierte Etappe gewonnen, auch da als Solist. Jetzt war wieder kein Kraut gewachsen gegen ihn. Allein überquerte er den Zielstrich. Er zeigte dabei eine besondere Jubelgeste: Mit den Fingern fuhr er sich über die Lippen, verschloss symbolisch seinen Mund.

Die Geste war nicht schwer zu verstehen. Sein Team Bahrain Victorious musste am Donnerstag eine Razzia der französischen Antidopingeinheit OCLAESP über sich ergehen lassen müssen. ‚Seid alle still‘, wollte Mohoric sagen.

Cavendish schont sich für die Schluss-Etappe in Paris

Politt wurde Tagesfünfter. „Ich habe versucht, an den Wellen wegzukommen, aber es wollte niemand mit mir mitfahren“, meinte der Kölner im Ziel. Seit seinem Etappensieg bei der Tour wird er bei der Konkurrenz gefürchtet.

Cavendish rollte 20 Minuten später über den Zielstrich. Er hatte Kräfte gespart für das Finale am Sonntag in Paris. Auf den Champs Elysees hat er noch eine Gelegenheit, Merckx zu entthronen.

Beim Zeitfahren am heutigen Samstag schon kann sich Tadej Pogacar zum wahrscheinlichen Gesamtsieger krönen. „Ich habe vor dem Zeitfahren keine Angst. Zwar kann man an einem schlechten Tag im Zeitfahren sechs Minuten verlieren, aber ich bin zuversichtlich, dass mir das nicht passiert“, sagte der Slowene.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport