Handball-EM

Handball-EM: Spanien-Spiel hat wegweisenden Charakter

Handball-Bundestrainer Christian Prokop zeigt am Freitag während einer Pressekonferenz.

Handball-Bundestrainer Christian Prokop zeigt am Freitag während einer Pressekonferenz.

Foto: dpa

Die deutschen Handballer treffen am Samstag in Trondheim auf Titelverteidiger Spanien. Trainer Christian Prokop muss einige Probleme lösen.

Trondheim. Nils Arne Eggen schreit jeden an, der in die Nähe des deutschen Teamhotels kommt. Er steht da, den Mund weit aufgerissen, den rechten Arm und Zeigefinger nach vorne gestreckt. Nils Arne Eggen ist eine norwegische Fußball-Legende, deshalb haben sie dem heute 78-Jährigen in Trondheim eine Statue errichtet, direkt neben dem Stadion des Erstligisten Rosenborg BK, mit dem er als Spieler zweimal und als Trainer 14 Mal den Meistertitel des Landes gewann. Das Hotel der deutschen Handballer steht direkt daneben, von der Eingangshalle blickt man auf das Spielfeld. Es ist eines der höchsten Gebäude in der 196.000-Einwohner-Stadt in Mittelnorwegen, hochmodern und top ausgestattet. Ein passender Ort für eine große Handball-Nation mit ebenso großen Ambitionen.

Deutschlands Auftaktsieg war eine wackelige Angelegenheit

Also passend für Deutschland. Bundestrainer Christian Prokop hatte am Donnerstagabend auch geschrien, seine Spieler mit Armen und Zeigefingern zu dirigieren versucht. Am Ende stand ein 34:23-Sieg über die Niederlande. Eine klare Kiste, lässt das Ergebnis vermuten. Eine zähe und wackelige Angelegenheit, bewies der Blick auf den Spielverlauf. Ein wirklich großer Mutmacher war die Auftaktpartie nicht für das nun am Samstag folgende Spiel gegen Titelverteidiger Spanien (18.15 Uhr/ARD), für diese erste richtige EM-Herausforderung. Für dieses Duell, das wegweisend ist für den anvisierten Weg nach Schweden. Weil beide Teams die Hauptrunde erreichen dürften, wird der Sieger der Neuauflage des EM-Finals von 2016 wohl die optimale Ausbeute von zwei Punkten mit in die nächste Turnierphase nach Österreich nehmen, was wiederum eine gute Ausgangslage im Kampf um das Halbfinale in Schweden wäre. Doch bis es soweit ist, muss Prokop einige Probleme lösen.

Zum Beispiel das Problem auf der Spielmacherposition. Paul Drux, der Notnagel nach vielen verletzungsbedingten Absagen, hatte gegen die Niederlande einen guten Job gemacht. Der 24-jährige Berliner, sonst eher im linken Rückraum beheimatet, strukturierte das Spiel, strahlte Torgefahr aus. Allerdings zeigte sich, dass jede Pause für Drux eine Schwächung des Teams war. Als er Mitte der ersten Halbzeit nicht mehr auf dem Feld war, konnte Marian Michalczik, 22 Jahre alt und EM-Debütant, das Niveau nicht halten. Das Angriffsspiel lief schleppend, die Niederländer holten Tor um Tor auf.

Kapitän Uwe Gensheimer kehrt gegen Spanien zurück

Auch die Abwehr bereitet Sorgen. Noch haben Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek nicht zur überragenden Form gefunden wie vor einem Jahr bei der Heim-WM, als sich die Gegner am deutschen Mittelblock die Zähne ausgebissen hatten. Zunächst sorgte Andreas Wolff mit starken Paraden im Tor noch für Entlastung und richtig fing sich der deutsche Defensivverbund erst wieder, als den Niederländern die Kräfte ausgingen. Womit gegen Spanien nicht zu rechnen sein wird. „Die Spanier sind eingespielt, spielen intelligent und schnell“, sagte Prokop. „Aber wir rechnen uns durchaus etwas aus.“

Und Uwe Gensheimer? Als der Kapitän in der 16. Minute einen Siebenmeter ins Gesicht von Hollands Torwart Bart Ravensbergen feuerte, sah er folgerichtig die Rote Karte. Gegen Spanien darf der 33-Jährige wieder spielen, doch sein Selbstvertrauen dürfte nach nur einem von drei verwandelten Siebenmetern und dem frühen Auftaktspiel-Aus angeknackst sein. Für Prokop aber kein Thema: „Dass er nach dem ersten verworfenen Siebenmeter auch den zweiten geworfen hat, sagt alles über sein Selbstvertrauen.“

Im Schnitt 5,15 Millionen Zuschauer verfolgten das Spiel im ZDF

Ein Problem, an dem Prokop wenig ändern kann, ist die Stimmung in der Halle, die sein Team vor einem Jahr bei der WM getragen hatte. Gestern im Spiel der Norweger gegen Bosnien-Herzegowina war die nagelneue Arena ausverkauft, tags zuvor beim deutschen Spiel war sie mit 4500 Zuschauern lediglich halb gefüllt. „Wir müssen uns bewusst sein, dass dies kein Heimturnier ist und wir nicht in der Norwegen-Gruppe spielen“, sagte Bob Hanning, Vize-Präsident des Deutschen Handballbunds. Immerhin freute er sich über die Zuschauerquote von im Schnitt 5,15 Millionen, die das ZDF vermeldet hatte: „Der Handball-Floh, verursacht durch die letztjährige Heim-WM, ist immer noch da in Deutschland. Gut so.“