Bundeskanzler

Peter Tschentscher: "Scholz ist emotionaler, als wir denken"

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Kanzlertalk exklusiv: Gerhard Schröder über Olaf Scholz

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In unserem Podcast "Das Scholz Update" erklärt Peter Tschentscher, warum dem neuen Bundeskanzler die Dinge näher gehen, als es scheint.

Berlin. Wie wird das Amt des Bundeskanzlers Olaf Scholz verändern? Nicht viel, sagt einer, der Scholz so gut kennt wie wenige andere Politiker in Deutschland. Peter Tschentscher war in Scholz' Zeit als Hamburger Bürgermeister sein Finanzsenator, inzwischen ist er sein Nachfolger als Regierungschef.

In der neuen Folge des Scholz-Updates sagt er: "Olaf Scholz ist so lange in der Politik, dass er unbeeindruckt ist von solchen hohen Ämtern. Er ist einfach sehr professionell." Der Kanzler führe auch weniger autoritär, als viele meinen. "Er sagt zwar: 'Wer bei mir Führung bestellt, bekommt sie.' Er ist aber auch ein kooperativer, ein einbindender Regierungschef. Olaf Scholz ist solidarisch mit seinen Fachministern."

"Das Scholz Update": Peter Tschentscher spricht über seinen Vorgänger

Scholz sei auch bei aller Nüchternheit und allem Realitätssinn "emotionaler, als wir es auf die Entfernung annehmen. Ich glaube, dass ihm die Dinge nahe gehen, er lässt es sich nur nicht anmerken." Der Kanzler sei da in seinem Amtsverständnis Helmut Schmidt ähnlich: "Selbst, wenn es zur härtesten Krisensituation kommt, ist es nicht die Aufgabe eines Kanzlers, Emotionalität zu zeigen, sondern Zuversicht, und den Eindruck zu erzeugen, dass er die Dinge in der Hand hat."

Die Kritik des CDU-Fraktionsvorsitzenden Ralph Brinkhaus, dass Olaf Scholz sich im Gegensatz zu Angela Merkel zu wenig persönlich in die Bekämpfung der Pandemie einbringt, teilt Tschentscher nicht: "Nur weil jemand nicht auf der Bühne sitzt und laut über Corona spricht, heißt es nicht, dass er sich nicht kümmert."

Sowohl Olaf Scholz als auch sein Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt seien sehr in die Erörterungen eingebunden, die ersten Ministerpräsidentenkonferenzen unter ihrer Führung seien gut vorbereitet gewesen, "wir sind endlich in einem überschaubaren Zeitraum zu guten Ergebnissen gekommen. Es gab auch eine klare Vereinbarung, keine neuen außer den vereinbarten Themen aufzumachen." Klug sei auch die Entscheidung gewesen, die wesentlichen Expertenstimmen zum Thema Corona, also etwa die Virologen Christian Drosten und Hendrik Streeck, in ein Gremium einzubinden, das die Politik berät: "Das erleichtert den Ministerpräsidentenkonferenzen ihre Arbeit."

Zu den Gerüchten, dass er Bundesgesundheitsminister werden könnte, die unter anderem vom ZDF transportiert worden waren, sagt Tschentscher: "Für mich war die ganze Diskussion anstrengend, weil ich ständig darauf angesprochen wurde, selbst in meinem persönlichen Umfeld. Dabei hatte ich x-mal gesagt, dass ich nicht nach Berlin gehen wollte. Zumal es nicht die größte politische Attraktion ist, ein Fachminister in Berlin zu sein, wenn man schon Ministerpräsident ist."

(fmg)

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