FDP-Politikerin

Strack-Zimmermann: FDP-Politikerin im Angriffsmodus

| Lesedauer: 7 Minuten
Leon Grupe und Moritz Tripp
FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist Abgeordnete des Deutschen Bundestags.

FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist Abgeordnete des Deutschen Bundestags.

Foto: Sebastian Gollnow/dpa

FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann kämpft für ihre Partei gerne an vorderster TV-Front. Wie tickt die präsente FDP-Frau?

Berlin. „Mit mir legt sich keiner gerne an“: Ganz beiläufig lässt Marie-Agnes Strack-Zimmermann diesen Satz vergangene Woche in der Talkshow von Markus Lanz fallen. Wer die FDP-Politikerin nicht kennt, mag eine derartige Selbsteinschätzung zunächst für etwas verwegen halten. Wer schon mal in eine Diskussion mit ihr verstrickt war, würde hingegen wahrscheinlich ohne Widerworte zustimmen. Denn mit StrackZi, wie sie von so einigen Kollegen genannt wird, können Wortgeplänkel schnell zu Gefechten werden.

Die Bundestagsabgeordnete mit der eigenwilligen weißen Kurzhaarfrisur ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. „Ich finde Geschwurbel überflüssig. Wir würden uns in der politischen Debatte viele Missverständnisse ersparen, wenn der ein oder andere schneller auf den Punkt käme“: So fasste die 63-Jährige im vergangenen Jahr ihre Streitkultur gegenüber der "Welt" zusammen. Weniger reden, mehr machen, so das Credo. In der kommenden Legislaturperiode ist die künftige Rolle der verteidigungspolitischen Sprecherin der FDP noch unklar. Wer ist die Frau aus dem Rheinland?

Marie-Agnes Strack-Zimmermann: Spitzen gegen politischen Gegner

Den meisten dürfte Marie-Agnes Strack-Zimmermann eher durch ihre Auftritte im Fernsehen oder im Internet denn durch konkrete Inhalte bekannt sein. Da ist etwa das Video aus dem vergangenen Jahr, in dem sie dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump erklärt, wie man per Brief wählt. Anlass waren Trumps Tiraden, in denen er Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Präsidentschaftswahl säte. Der Gag ging auf Twitter viral. Oder ein Beitrag der Satiresendung „heute-show“, in dem Strack-Zimmermann den ausgestreckten Mittelfinger zeigt.

Vergangene Woche war die dreifache Mutter dann eben bei Markus Lanz zu Gast, um mit CSU-Generalsekretär Markus Blume über den desolaten Zustand der Union zu diskutieren. In der Talkshow ist sie ein gern gesehener Gast, sorgt sie doch zuverlässig für unterhaltsame Momente. Dieses Mal ist es nicht anders: Ohne viel Zögern schaltet Strack-Zimmermann voll in den Angriffsmodus, macht sich zum Einstieg über Blumes weiße Unions-Sneaker lustig.

Ihr Gegenüber sieht sich von ihr schnell in die Ecke gedrängt, kann nur noch parieren. Hier ist Strack-Zimmermann in ihrem Element: Den Blick auf den Gesprächspartner fokussiert, die Ohren gespitzt, wie ein Raubtier, das seine Beute aus dem Dickicht heraus studiert, bevor es zum Sprung ansetzt. Jede offenbarte Schwäche versucht sie für ihre nächste Attacke zu nutzen – einem weniger schlagfertigen Gegner bleibt da oft kein Zentimeter Raum.

FDP-Chef Christian Lindner verdankt Strack-Zimmermann viel

Dass Strack-Zimmermann heute auf bundespolitischer Ebene mitmischt, hat sie in erster Linie FDP-Chef Christian Lindner zu verdanken. Verwurzelt ist die gebürtige Düsseldorferin nämlich in der Kommunalpolitik ihrer Heimat in Nordrhein-Westfalen. 2004 wird sie in den Stadtrat gewählt, von 2008 bis 2014 macht sie sich als Vize-Bürgermeisterin der Stadt einen Namen im Rheinland und darüber hinaus. Die Verbindung zu ihrer Heimat hat sie auch nach dem Eintritt in den Bundestag nie gekappt, im Gegenteil: Noch heute macht Strack-Zimmermann Kommunalpolitik am Rhein. Ihr Mandat im Düsseldorfer Stadtrat hält sie nach wie vor.

Der große Wendepunkt in Strack-Zimmermanns politischer Karriere kam mit der Bundestagswahl 2013. Sie wurde für die FDP zum Fiasko. Nach einem historisch schwachen Ergebnis flog die Partei erstmals aus dem Bundestag. Politisches Niemandsland. Die Statik der FDP: bis ins Mark erschüttert. Die damalige Parteispitze: zerfiel vollends.

Doch für Marie-Agnes Strack-Zimmermann markierte dieser Moment den Sprung auf die bundespolitische Bühne. Christian Lindner wurde der neue Chef der Liberalen und begann mit der Koordination des Neuanfangs. Er machte Strack-Zimmermann zu seiner Stellvertreterin – die beiden kannten sich bereits aus NRW. In dieser Rolle wurde „MASZ“ eine führende Akteurin bei der Rehabilitation der Liberalen.

Plädoyer für das Zwei-Prozent-Ziel der Nato

2017 zog Strack-Zimmermann auf Anhieb in den Bundestag ein. In ihrem Wahlkreis Düsseldorf I (106) erzielte sie mit 19,7 Prozent der Zweitstimmen das beste Ergebnis der Liberalen bundesweit. Vier Jahre später hat sie es wieder über die Landesliste ins Parlament geschafft – auch wenn sie im Vergleich zur Vorwahl fast 4 Prozentpunkte einbüßen musste.

Auch in ihrer Rolle als Verteidigungspolitikerin bleibt Strack-Zimmermann ihrer Linie treu, klare Positionen zu beziehen: So spricht sie sich für Aufrüstung aus und plädiert dafür, das Zwei-Prozent-Ziel der Nato zu erreichen. Schon oft kritisierte sie in der Vergangenheit den Zustand der Bundeswehr. „Die CDU hat 16 Jahre das Verteidigungsministerium geführt. Bestimmt immer gut gemeint, aber zu oft schlecht gemacht“, resümierte sie jüngst in einem Interview mit dem Onlineportal web.de. Es sei höchste Zeit, „dass sich unserer Sicherheit wegen etwas ändert.“ Bewaffnete Drohnen, schwere Transporthubschrauber und ein Nachfolger für den in die Jahre gekommenen Kampfjet Tornado: Nur eine Auswahl ihrer Forderungen für die Truppe.

Motorradfahren ist die große Leidenschaft

Zwischenzeitlich bewarb sich Strack-Zimmermann noch für das Amt der Oberbürgermeisterin von Düsseldorf. Doch die Kommunalwahl im September 2020 verlief für sie weniger erfolgreich. Am Ende reichte es nur für Platz vier. Wie sie damals für sich selbst im Internet und auf Plakaten warb, war dann wieder typisch Strack-Zimmermann: „Der Name zu lang. Die Haare zu weiß. Das Mundwerk zu lose.“ Und auch einen kleinen Seitenhieb gegen ihre eigene Partei konnte sie sich nicht verkneifen: „Ihr Motorrad zu luftverschmutzend. Ihre Partei FDP zu klein. Ihr Geschlecht zu weiblich.“

Stichwort Motorrad: Das Biken ist Strack-Zimmermanns große Leidenschaft. Als Deutschland im April vergangenen Jahres in den ersten Corona-Lockdown ging und keine Flugzeuge mehr abhoben, setzte sie sich kurzerhand auf ihr Motorrad und fuhr von Düsseldorf – acht Stunden über Landstraße – bis vor den Reichstag. Ihre Passion fürs Zweirad setzt sie auch öffentlichkeitswirksam ein: Auf ihrer BMW R 1200C führt Strack-Zimmermann jährlich den Motorradkorso „Biker4Kids“ in Düsseldorf an, mit dessen Einnahmen die Arbeit von Kinderhospizen in der Stadt unterstützt wird. Dieses und vergangenes Jahr musste sie sich wohl eher auf private Fahrten beschränken: Corona-bedingt musste das Charity-Event ausfallen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Politik