Wahlkampf

TV: So schlugen sich die Kanzlerkandidaten im Klassenzimmer

| Lesedauer: 4 Minuten
Carlotta Sophia Richter
Dreikampf ums Kanzleramt

Dreikampf ums Kanzleramt

Knapp einen Monat von der Bundestagswahl befindet sich der Wahlkampf in der heißen Phase. Die drei Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grünen) gehen mit unterschiedlichen Voraussetzungen ins Rennen.

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In „Kannste Kanzleramt?“ wurden Laschet, Baerbock und Scholz von Kindern befragt. Und die waren durchaus kritisch und direkt.

Berlin. Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz sind zurück im Klassenzimmer. Zumindest waren sie das für eine Stunde. Im Sat.1-Format „Kannste Kanzleramt?“ mussten sich die zwei Kandidaten und die Kandidatin den Fragen von 17 Schülern und Schülerinnen stellen. Jeweils einzeln besuchten die drei Politiker die Schulklasse – und werden dann mit versteckter Kamera gefilmt.

Schnell wurde klar: Die Kinder waren zwar sichtlich aufgeregt – aber auch ziemlich gut vorbereitet. Falls die Kanzlerkandidaten und die -kandidatin gehofft hatten, dass die Fragen der Kinder einfach zu beantworten sein würden, hatten sie sich getäuscht.

Welche Pläne Annalena Baerbock in Bezug auf die Entsorgung der Batterien von Elektroautos habe, wie sie zum Thema Russland und Nawalny stehe, was Laschet zu Afghanistan sagt oder was Scholz eigentlich für die Gleichberechtigung von Frauen machen will: Im Klassenzimmer wurde kritisch nachgefragt.

Kritische Fragen und Spiele: So schlugen sich die Kanzlerkandidaten

Annalena Baerbock machte den Anfang. Als sie gefragt wurde, ob sie denn das Wahlprogramm der Grünen in einem Satz zusammenfassen könne, musste auch die Grünen-Chefin erstmal kurz überlegen. Von Journalisten wäre sie das noch nie gefragt worden, erklärte sie, konnte dann aber doch eine Antwort geben, die die Kinder zufriedenstellte: „Für ein gutes Klima, für starke Kinder und für ein Europa, in dem alle gerne leben.“

Aber Baerbock, Scholz und Laschet mussten nicht nur kritische Fragen beantworten, sondern auch ihr Können in Spielen beweisen – und die Kinder hatten sich ein buntes Programm überlegt. Die Kandidaten kamen um nichts herum, mussten komplizierte Worte innerhalb von 60 Sekunden erklären, Ja-Nein-Fragen beantworten, Singen oder Fußballspielen. Beim Erraten von klassischen Karnevalsliedern versagte Rheinländer Armin Laschet allerdings – er erkannte keines der von den Schülern gesummten Lieder.

Vom CDU-Vorsitzenden wollten die Kinder wissen, worüber er denn während der Rede des Bundespräsidenten nach der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen gelacht habe. „Das war blöde, das tut mir auch leid“, erklärte Laschet, aber es lohne sich jetzt auch nicht, das weiter zu vertiefen, denn so wichtig sei es nicht gewesen. Auch ob er Markus Söder denn noch mögen würde, fragten die Schüler neugierig. Laschet sagte dazu nur nüchtern: „Ja, wir telefonieren ab und an.“

Schüler fragen Scholz, warum er überhaupt Kanzler werden will

Bei SPD-Kandidat Olaf Scholz interessierte die Kinder unter anderem, warum er denn überhaupt Bundeskanzler werden wolle. Seine Antwort: Er wolle sich dafür einsetzen, dass es gut läuft in Deutschland, außerdem wolle er dafür sorgen, dass das Klima nicht geschädigt wird und es in Deutschland bessere Arbeitsbedingungen gibt.

Der Frage, mit wem er eine Koalition bilden wolle, wich Scholz geschickt aus. Das könne er jetzt noch nicht sagen. Ausschließen würde er weiterhin nur die AfD, erklärte er, die Union bräuchte aber vielleicht erstmal eine Erholungspause in der Opposition.

Scholz weicht Frage aus - Schülerin hakt nach

Eine Schülerin wollte außerdem wissen, wie Scholz zum Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan stehen würde. Er erzählte ausführlich, wie es überhaupt zu dem Einsatz in Afghanistan kam, die Fragestellerin war damit allerdings nicht zufrieden. „Aber ich habe nach ihrer Meinung gefragt“, hakte sie nach. Persönlich hätte er sich gewünscht, dass noch ein paar Monate mehr Zeit geblieben wären, antwortete ihr Scholz dann doch.

Das Fazit der Schüler und Schülerinnen nach den Fragestunden: Baerbock sei „sympathisch, liebevoll, kreativ und auch ein bisschen verrückt“, Laschet sei ebenfalls sympathisch und „seine Politik ist auch okay“ und Scholz sei „sehr nett“ gewesen. Davon, dass sie Kanzler oder Kanzlerin sein könnten, waren die Kinder aber anscheinend bei allen dreien überzeugt.

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