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Ex-US-Präsident: Was macht eigentlich Donald Trump?

Lesedauer: 5 Minuten
Dirk Hautkapp
Trump flirtet mit Präsidentschaftskandidatur 2024

Trump flirtet mit Präsidentschaftskandidatur 2024

Bei seiner ersten Rede seit dem Ende seiner Amtszeit ist Donald Trump wieder voll im Wahlkampfmodus. Beim Treffen der erzkonservativen Organisation CPAC wird er nicht müde, die Lüge vom gestohlenen Wahlsieg zu wiederholen. Gleichzeitig liebäugelt Trump mit einer neuen Präsidentschaftskandidatur.

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Kein Oval Office, kein Twitter und kein Publikum mehr: Wie das Leben des Ex-Präsidenten nun aussieht und warum er noch Einfluss hat.

Washington. Früher war alles so einfach für Donald Trump. Handy raus, ein paar Gedankenfetzen getwittert, schon war Stimmung in der globalen Bude. Schon legten Staats- und Regierungschefs die Ohren an, schlugen sich seine Anhänger feixend auf die Schenkel, während Millionen moderat gestimmte Amerikaner genervt die Augen verdrehten.

Vier Monate nach Besiegelung seines politischen Ablebens als US-Präsident muss der unverändert mitteilungsbedürftige Geschäftsmann per E-Mail annoncieren, wenn er Reichweite sucht.

Dass Twitter den 74-Jährigen auf Lebenszeit blockierte und seiner 88 Millionen Follower beraubte, hat die Sichtbarkeit des Populisten nachhaltig reduziert. An diesem Mittwoch wird ein Beirat des Social-Media-Giganten Facebook entscheiden, ob Trump auch dort – sowie auf Instagram – verbannt bleibt, weil er am 6. Januar am Kapitol in Washington nach Ansicht des Zuckerberg-Unternehmens „einen gewaltsamen Aufstand gegen eine demokratisch gewählte Regierung anzustiften“ versucht hat.

Ein Meister der ambulanten Demütigung

Bleibt es beim Maulkorb, rückt in den Fokus, was Trump-Sprecher Jason Miller für spätestens Ende Juni avisiert hat: eine Trump-eigene Kommunikationsplattform.

Dass es den Meister der ambulanten Demütigung juckt, ist offenkundig. Was seine Zuarbeiter über die Internetseite www.45office.com und andere Quellen fast täglich ausstoßen, hat an destruktiver Bissigkeit zugenommen.

Mal beschimpft Trump den schwarzen Basketball-Star LeBron James als „Rassisten“. Mal lobhudelt er dem für Verschwörungstheorien empfänglichen TV-Sender OAN. Mal äußert er sich schadenfreudig darüber, dass sein parteiinterner Widersacher Senator Mitt Romney in seiner Heimat Utah von der Bühne gebuht wird.

Dazu versucht Trump regelmäßig die durch 60 Gerichtsurteile bis hin zum Supreme Court beerdigte Leiche vom „großen Wahlbetrug“ zu reanimieren. Nicht ganz ohne Erfolg: Fast ein halbes Jahr nach dem Wahlgang glauben 70 Prozent der republikanischen Wähler immer noch, der Demokrat Joe Biden habe sich ins Weiße Haus geschwindelt.

Dass Trumps schraubstockartiger Griff auf die „Grand Old Party“ nur in homöopathischen Dosen nachlässt, zeigt sich gerade in Arizona, wo Biden klar gewonnen hat.

Mehrere Republikaner zweifeln weiterhin am Sieg von Joe Biden

Dort haben die örtlichen Republikaner eine x-te Nachprüfung von 2,1 Millionen Wahlzetteln durchgesetzt. Trump nennt die Akteure aufrechte „Patrioten“. Schließlich habe er – Trump – in Wahrheit Arizona und andere Bundesstaaten, die Biden zugeschlagen wurden, „erdrutschartig“ gewonnen.

Republikaner, die von dieser Linie abweichen, werden rhetorisch einen Kopf kürzer gemacht. Das Gebaren, das Trump dabei in seinem Florida-Exil Mar-a-Lago zwischen ausgiebigen Golfpartien an den Tag legt, hat etwas von einem miesepetrigen Ex-Monarchen.

Trump gewährt Audienzen. Oder versagt sie – als Strafe. Wie im Fall von Nikki Haley. Die alerte Ex-UN-Botschafterin hatte Trump nach dem von ihm inspirierten Sturm aufs Kapitol am 6. Januar öffentlich angezählt. Dafür bekam sie die Quittung – keine Termine.

Liz Cheney ist noch schlechter dran. Die Tochter von Altvizepräsident Dick Cheney plädiert konsequent dafür, dass sich ihre Partei von Trump abnabeln müsse, weil dessen „Lügen“ toxisch fürs Gemeinwesen seien.

Trump revanchiert sich, indem er die resolute Mutter von fünf Kindern als persona-non-wählbar geißelt. Seine Spannmänner sind dabei, die 54-Jährige aus der Führung der Konservativen im Kongress zu schubsen.

Am heftigsten liegt Trump – und das besorgt die Partei ernsthaft – im Clinch mit Senatsführer Mitch McConnell. Seit das Schlitzohr aus Kentucky Trump die Verantwortung für die Erstürmung des Kapitols ans Bein gebunden hat, herrscht kalter Krieg. Bei einer Rede vor reichen Parteispendern in Florida nannte Trump McConnell einen „dummen Hurensohn“.

Auch sein Ex-Vizepräsident Mike Pence, der sich von Trump promoteten illegalen Versuchen widersetzte, am 6. Januar Bidens Bestätigung als Präsident zu hintertreiben, bekam sein Fett weg. Trump streute die Spekulation, dass er im Falle einer erneuten Kandidatur in drei Jahren den als Kronprinzen gehandelten Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, aufs Vizepräsidententicket nehmen könnte.

Wichtige Zwischenwahlen im Herbst nächsten Jahres

Unterdessen testen viele Top-Republikaner, wie viel Distanz zu Trump ihnen guttut. Und ab wann das Streben nach Unabhängigkeit vom unberechenbaren Parteipaten karrierebeendend wirken könnte. Dabei spielen die Zwischenwahlen im Kongress im Herbst nächsten Jahres die Schlüsselrolle.

Kommen Trumps Kandidaten zum Zug und die „Reps“ im Parlament an die Mehrheit, hat er die Bühne bis zur nächsten Nominierung für das Weiße Haus 2024 wohl für sich. Konsolidieren die Biden-Demokraten ihren knappen Vorsprung und gehen Trumps Radikalkandidaten baden, dürften die „Absetzbewegungen“ zunehmen, sagt der Republikaner-Insider Frank Luntz. Mit oder ohne Facebook und Twitter.